Das war die Wahl 2020 in Donaufeld

Die Wahlen zum Gemeinderat und zu den Bezirksvertretungen Wien am 11. Oktober 2020 brachten Zuwächse der Grünen in Transdanubien:

Auf Gemeinderats-Ebene legten die Grünen in Floridsdorf um 1,68 Prozentpunkte auf 7,99% zu, in der Donaustadt um 1,90 Prozentpunkte auf 9,11%, womit die bisherige Klubvorsitzende der Grünen in der Bezirksvertretung, Heidi Sequenz, ein Grundmandat errang und somit direkt in den Gemeinderat einzog. Die Wahlbeteiligung betrug diesmal – corona-bedingt – nur knapp über 61 bzw. 64% und war durch einen Rekord-Anteil an Wahlkarten-Stimmen (Briefwahl) gekennzeichnet.

Für die Bezirksvertretungen (die auch in Wien lebende EU-BürgerInnen wählen durften) waren 121.675 (21. Bezirk) bzw. 143.548 (22.Bezirk) Personen wahlberechtigt. Inklusive der Briefwahl-Stimmen kamen die Grünen in Floridsdorf auf 9,19% (6.065 Stimmen und ein Plus von 1,89 Prozentpunkten) und in der Donaustadt auf 10,99% (9.152 Stimmen, + 2,45 Prozentpunkte). Damit wurden 5 Mandate im 21. Bezirk (plus 1) und 7 Mandate im 22. Bezirk (plus 2) erreicht.

Beide Klubvorsitzenden der Grünen – Heinz Berger in Floridsdorf und Wolfgang Orgler in der Donaustadt – wohnen im Donaufeld.

 

BLICK AUF DONAUFELD

Die Bezirksvertretungs-Ergebnisse für das Gebiet Donaufeld und Umgebung sollen hier etwas genauer betrachtet werden.

Das „Kerngebiet“ der seit ca. Ende der 1990er-Jahre laufenden Stadtentwicklung zwischen der Fultonstraße, dem nördlichen Bereich der Donaufelder Straße (bis ca. Satzingerweg/B3), ca. der östlichen Attemsgasse und U1-Trasse und der Alten Donau besteht aus insgesamt 11 Wahlsprengeln in beiden Bezirken und hatte 10.782 Wahlberechtigte (ein Plus von 984 gegenüber 2015).  Bei der Urnenwahl abgegeben wurden diesmal jedoch nur 3.399 Stimmen (31,5%), davon 3.322 gültige.

Das Ergebnis:

SPÖ:  43,38%  (2015: 38,21%)

GRÜNE:  15,71%  (2015: 15,44%)

ÖVP:  15,26%  (2015: 6,00%)

FPÖ:  8,52%  (2015: 31,05%)

NEOS:  6,89%  (2015: 5,36%)

Team HC:  3,58%  (2015: n.k.)

BIER:  2,29%  (2015: n.k.)

WIFF:  1,48%  (2015: 1,99%)

SÖZ:  1,41%  (2015: n.k.)

LINKS:  1,26%  (2015: 0,90%)

Andere:  0,21%  (2015: 1,05%)

Wegen der geringen (Urnen-)Wahlbeteiligung erhielten mit Ausnahme der ÖVP alle Parteien, die auch schon 2015 kandidiert hatten, weniger absolute Stimmen als damals.


„Enges Zielgebiet“ Donaufeld:  Leopoldauer Haide (Blick Richtung Mühlschüttel) oben, Attemsgasse (vom Kirschblütenpark gesehen) unten  (Fotos: G. Jordan).

Die größten Verluste erlitt die FPÖ mit einem Minus von 22,53 Prozentpunkten, davon profitieren konnten vor allem die ÖVP (+9,26), die SPÖ (+5,17) und das von den Freiheitlichen abgespaltene Team HC Strache (3,58%).

Die Grünen legten – wohl auch wegen der kontroversen Diskussionen rund um die geplante Verbauung des Donaufelds („Quartier An der Schanze“) – nur leicht um 0,27 Prozentpunkte zu, konnten jedoch Platz 2 hinter der SPÖ erringen, weil die FPÖ auf Platz 4 abrutschte und die ÖVP knapp „auf Distanz gehalten“ werden konnte.

Der „Rekord-Sprengel“ war einmal mehr jener mit der „Autofreien Mustersiedlung“, wo die Grünen mit 27,88% zwar wie 2015 hinter der SPÖ lagen, aber laut Berechnungen des Institutes SORA unter Zurechnung der Wahlkarten (28,9% der Wahlberechtigten im Sprengel hatten eine solche beantragt) vermutlich knapp den Platz 1 errungen hätten. Auch im Donaustädter Sprengel 20, der das Gebiet zwischen Kirschblütenpark und Attemsgasse umfasst, wurde mit 20,13% ein überdurchschnittliches Ergebnis erreicht.

GRÄTZL IN DER UMGEBUNG

In den Bezirksteilen rund um das „Kerngebiet“ wurden die folgenden Ergebnisse erzielt:

Siedlung Bruckhaufen (2 Sprengel mit insgesamt 1.291 Wahlberechtigten):  12,63% bei einem Zuwachs von 1,75 Prozentpunkten gegenüber der Bezirksvertretungswahl 2015. Nur in diesem der untersuchten Teilgebiete lag die SPÖ unter der 40%-Marke (35,64%), die FPÖ verlor 28,47 Prozentpunkte und fiel hinter die Grünen zurück. Die ÖVP schnitt mit 24,64% sehr gut ab, auch das NEOS-Ergebnis (6,72%) liegt über dem Durchschnitt.


Blick auf die Siedlung Bruckhaufen (vorne) und den Mühlschüttel (nördlich der Alten Donau).

Mühlschüttel und Umgebung (6 Sprengel mit 6.587 Wahlberechtigten):  Die 8,35% waren ein Rückgang von 2,06 Prozentpunkten gegenüber 2015. Der „grünste“ Sprengel in diesem Grätzl ist das Gebiet um den Kinzerplatz mit 11,39%. Eines ihrer relativ „besten“ Ergebnisse – dennoch aber mit einem Minus von 22,79 Prozentpunkten auf 10,57% – hatte hier die FPÖ, auch die Liste WIFF („Wir für Floridsdorf“) schnitt mit 4,42% weniger schlecht ab als in den Nachbar-Grätzln.

Mengergassen-Viertel und Umgebung der Pilzgasse (6 Sprengel mit 5.890 Wahlberechtigten):  Hier gelang den Grünen, die sich u.a. für Baumpflanzungen im Straßenraum dieses Grätzls einsetzen, ein Zuwachs um 2,27 Prozentpunkte auf 10,17%. Ihren größten Zuwachs im untersuchten Gebiet hatte hier auch die SPÖ mit + 8,15 Punkten auf 45,99%.

Im Gebiet um die Mengergasse gab es Zuwächse der Grünen.

Donaufeld-Nordost und Umgebung (7 Sprengel mit 8.135 Wahlberechtigten):  Die 8,64% Grün-Stimmen bedeuten einen Zuwachs von 0,69 Prozentpunkten. Dieser Bezirksteil ist flächenmäßig relativ groß und heterogen:  Er umfasst die Einfamilienhaus-Siedlung Steinheilgasse, das wegen der Wohnungs-Neubauten umstrittene Gebiet der „Siemensäcker“, mehrere Gemeinde- und Genossenschaftswohnanlagen entlang der Leopoldauer Straße, die sogenannte „Edelstein-Siedlung“, das 90er-Jahre-Neubaugebiet zwischen Kefedergrundgasse und Josef-Baumann-Gasse, die seit 2016 bebauten „Schicht-Gründe“ zwischen Satzingerweg und B3 und die VetMed.


Teil des Gebiets nordöstlich von Donaufeld:  Neue Wohnanlagen am Georg-Schicht-Platz.

Die besten Grün-Sprengel sind das Gebiet um die Viehtriftgasse (12,96%), die Umgebung der „Edelstein-Siedlung“ (12,10%) und die Wohnanlagen um den Georg-Schicht-Platz (10,42%). Während die FPÖ fast 29 (!) Prozentpunkte verlor (auf 10,34%), kam das Team Strache hier auf 5,82% der Stimmen.

Im 22. Bezirk sei noch das Gebiet um die „Sun-City“ östlich der VetMed – zwischen Donaufelder Straße und Eipeldauer Straße – erwähnt (4 Sprengel mit 3.676 Wahlberechtigten):  Die Grünen kamen dort auf 9,53%, dies ist ein Minus von 1,05 Prozentpunkten gegenüber 2015. Im Vergleich zu den anderen erwähnten Grätzln schnitten hier die ÖVP (21,45%), die FPÖ (12,89%) und die Bierpartei (3,11%) relativ gut ab.


Die „Sun City“ im 22. Bezirk, errichtet ab Mitte der 1990er-Jahre, u.a. mit Solaranlagen auf den Dächern der Wohnanlagen.

Und im Bereich der sogenannten „Kagraner Spange“ mit dem östlichsten Teil der Donaufelder Straße um den St. Wendelin-Platz (der Sprengel 32 mit 1.215 Wahlberechtigten) erreichten die Grünen 16,10% (+0,53 Prozentpunkte), was Platz 2 hinter der SPÖ bedeutete.

AUSBLICK

Wie bereits erwähnt, lässt sich ein Vergleich mit der Wahl 2015 nur sehr bedingt ziehen, weil die Anzahl der (NICHT den Sprengelergebnissen zugeordneten!) Wahlkarten extrem gestiegen ist. Vermutlich wäre der Anteil der Grünen in den Grätzln etwas besser, weil er bei den Briefwahl-Stimmen deutlich höher ist als bei der Urnenwahl.

Dass die Frage der Stadterweiterung eine Rolle beim Wahlverhalten gespielt hat, lässt sich wohl annehmen. Von „politischen Mitbewerbern“ wurde massiv versucht, die Grünen als „Betonierer“ hinzustellen – teilweise sogar von der Mehrheitspartei, obwohl zahlreiche ihr nahe stehende Bauträger am „Quartier An der Schanze“ beteiligt sind. Von den Grünen wurde schon lange vor der Wahl, nicht zuletzt angesichts der Corona-Krise, ein Umdenken bei der weiteren Entwicklung des westlichen Teils des Stadterweiterungsgebiets Donaufeld gefordert („Donaufeld neu denken“). Auch aus der Zivilgesellschaft kommen ähnliche – noch weiter gehende – Forderungen.

An diesem Konzept werden die Floridsdorfer und Donaustädter Grünen weiterarbeiten, und einige „schön klingende“ Aussagen im Rot-Pinken Regierungsprogramm (z.B. „Weniger Beton und Asphalt, mehr Grünraum“, „maßvollere Dichte bei Stadterweiterungen“, etc.) immer wieder einfordern – gerade auch im Bezug auf die Zukunft des Donaufelds!

Dass die Freigabe der Mittel für die Stadtstraße Aspern, durch die gewaltige Flächen für eine 4spurige, Stadtautobahn-artige Schneise durch die Donaustadt versiegelt werden, einer der ersten Akte der „Punschkrapferl-Koalition“ war, lässt bereits die Kluft zwischen Ankündigung und realer Politik erahnen…

Bezirksvertretungswahlen 2020: Grüne KandidatInnen aus dem Donaufeld

So viele grüne Donaufelder KandidatInnen wie noch nie werden in Transdanubien für die Bezirkvertretungswahlen am 11. Oktober 2020 an wählbarer Stelle stehen. Wir stellen einige von ihnen vor.
Im 21. Bezirk treten neben Spitzenkandidat Heinz Berger u.a. Gerda Daniel (Platz 2), Molly Wurth (7.) und Jürgen Habringer (11.) an, im 22. Bezirk als Spitzenkandidat Bezirksrat Wolfgang Orgler.

Und Heidi Sequenz, bisher Klubvorsitzende der Grünen im 22. Bezirk und als Kaisermühlnerin immer wieder auch am „anderen Ufer der Alten Donau“ engagiert, hat beste Chancen, die erste grüne Frau aus Transdanubien zu werden, die den Einzug in den Wiener Gemeinderat schafft.


Heinz Berger
Seit 2015 Bezirksrat, seit Frühjahr 2018 auch Klubvorsitzender. Spitzenkandidat der Grünen Floridsdorf für die Bezirksvertretungswahl 2020.
Er wohnt im Margarete-Schütte-Lihotzky-Hof und war Mitbegründer und langjähriger Sprecher der Donaufelder BürgerInneninitiative, wo er sich für Verkehrsberuhigung, umweltfreundliche Mobilität und nachhaltige Stadtentwicklung einsetzte. Seine politischen Schwerpunkte sind Klimaschutz, Stadtentwicklung, Mobilität und ein menschliches Miteinander.

Gerda Daniel
Lebt seit 20 Jahren in der „Autofreien Mustersiedlung“.
Landete über ihre berufliche Tätigkeit als selbständige Moderatorin und Organisationsberaterin bei den Floridsdorfer Grünen. Darüber hinaus arbeitet sie als Geschäftsführerin bei der „arge region kultur“ und ist ehrenamtlich als Obfrau der im Donaufeld seit 1875 (!) ansässigen Chorvereinigung Nordbahnbund tätig.
Besonders am Herzen liegen ihr die Erhaltung von zugänglichem Grünraum und möglichst vieler fruchtbarer landwirtschaftlicher Flächen im Donaufeld sowie ein vielfältiges und lebendiges Kulturangebot im Bezirk. Floridsdorf ist für Gerda Daniel die ideale Mischung aus Stadt und Dorf – deshalb liebt sie es, hier zu wohnen und sich zu engagieren.


Donaufelder KandidatInnen für die Bezirksvertretungswahl Floridsdorf,  v.l.n.r.:  Molly Wurth, Jürgen Habringer, Gerda Daniel, Heinz Berger  (Foto: Klaus Pahlich).

Molly Wurth
Bewohnerin des „Kluger-Hof“ auf dem Kinzerplatz.
„Ganzjahres-Radlerin“, gerechtigkeitssüchtig, frech & grün.
Gemeinsam mit den Floridsdorfer Grünen bemüht sie sich als Aktivistin, Mentorin und Mitglied der Bezirks-Wohnungskommission, ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen: dem GUTEN LEBEN FÜR ALLE.

Jürgen Habringer
Tätig im Bereich Marketing und Kommunikation.
Da er auch mit dem Mobilitätsbereich beruflich zu tun hat, liegen ihm vor allem die Themen Erneuerbare Energie, E-Mobilität und nachhaltiger Stadtverkehr am Herzen. Als „Neo-Donaufelder“- er wohnt in der Anlage Scheffelstraße auf dem Mühlschüttel – setzt er sich dafür ein, den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Politik zu stellen.

 

Wolfgang Orgler
Selbstständiger Unternehmensberater im Bereich IT, wohnt seit 2013 in Kagran, gleich neben dem Donaufeld. Seit Anfang 2019 Bezirksrat der Grünen Donaustadt, Spitzenkandidat für die Bezirksvertretungswahl 2020.


Wolfgang Orgler, Spitzenkandidat der Grünen Donaustadt  (Foto: Grüne Wien).

Er ist Mitglied im Finanzausschuss, der laufend über die notwendigen Finanzierungen in der Donaustadt berät und die entsprechenden Gelder freigibt. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, beträgt doch das Bezirksbudget mehr als 25 Millionen Euro jährlich. Ein besonderes Anliegen ist Wolfgang Orgler der Kirschblütenpark, denn viele Wünsche und Ideen der AnwohnerInnen kennt er von Hausbesuchen und direkten Gesprächen.

Im 22. Bezirk kandidiert auf Platz 11 auch noch Marion Mihatsch, die in der Nähe des Kirschblütenparks (Nippongasse) wohnt.

Wir trauern um Wolfgang Parnigoni (1956-2020)

Wolfgang Parnigoni, tragendes Mitglied der Grünen Floridsdorf, ist im Juni 2020 völlig unerwartet von uns gegangen.

Als die Bezirksgruppe der Grünen Floridsdorf im Frühjahr 1987 gegründet wurde, war Wolfgang von Anfang an dabei.
Damals gab es von Grünen außerhalb des Bezirks manchmal irritierte Fragen, wie es sein könne, dass ein Bundesheer-Offizier aktives Mitglied der Grünen sein könne. Doch bald verstummten diese Bedenken, sobald ein Kontakt mit Wolfgang hergestellt war und es sich zeigte, dass auch Angehörige des Bundesheers antifaschistisch und demokratisch eingestellt und engagiert sein können. In unzähligen Aktivitäten stellte Wolfgang dies unter Beweis – von der Beteiligung an der „Gedenkplattform Transdanubien“ über die Kundgebungen für die Errichtung eines Deserteursdenkmals bis zu den politischen Bemühungen rund um die Lärmreduktion beim Schießplatz Stammersdorf.

1991 wurde Wolfgang zum Bezirksrat gewählt, die noch jungen Grünen Floridsdorf verdoppelten damals ihren Anteil von 2 Mandaten auf 4.
Wolfgang war zwei Perioden hindurch, bis 2001, Mandatar und eine wichtige Stütze der grünen Fraktion.

Auch außerhalb des Bezirksparlaments war auf ihn Verlass, wenn in Wahlkämpfen Plakatständer aufgestellt werden mussten, wenn Abrechnungen zu machen waren (Wolfgang war viele Jahre hindurch Finanzreferent), als Mitglied der Bezirkswahlbehörde – und natürlich auch als unermüdlicher Impulsgeber, Ideenbringer und verlässlicher, stets hilfsbereiter Aktivist – auch in Zeiten wo es für die Grünen nicht so gut lief.

Nicht nur bei den Grünen, auch in der Zivilgesellschaft engagierte sich Wolfgang. Nachdem er Ende 1999 in die neue „Autofreie Mustersiedlung“ in der Nordmanngasse gezogen war, nahm er an unzähligen Initiativen der BewohnerInnengemeinschaft gestaltend teil.

Nachdem er 2018 in Pension ging, waren ihm kaum mehr als eineinhalb Jahre vergönnt, das er mit seiner Familie, mit den MitbewohnerInnen und mit uns Grünen verbringen konnte.

Wolfgang hinterlässt eine große Lücke – erst sein Fehlen macht sichtbar, wie wertvoll und umfangreich sein Wirken war.
Wir vermissen ihn schmerzlich und fühlen mit seinen Angehörigen mit.

Die Grünen Floridsdorf

Donaufeld NEU DENKEN

Sowohl die Klimakrise als auch die Covid19-Pandemie sind Anlass innezuhalten und viele unserer Pläne zu überdenken. Auch die Stadtentwicklung muss sich erst einmal neu orientieren und die vorliegenden Pläne bezüglich Klima- und Pandemieverträglichkeit adaptieren.

ZIELE:   Öffentliche Zugänglichkeit schaffen, möglichst viel unversiegelte Fläche und Nahversorgung vor Ort erhalten

Wir streben die öffentliche Zugänglichkeit des Grünzugs Donaufeld an. Das bedeutet, dass die Stadt Wien alle Anstrengungen unternimmt, um durch Kauf, Grundstückstausch oder auf dem Weg städtebaulicher Verträge in den Besitz der Grundstücke zu kommen, die eine durchgängige öffentliche Wegverbindung von der Donaufelder Straße bis zur Alten Donau ermöglichen. In einem zweiten Schritt bemüht sich die Stadt Wien auch, alle anderen Flächen des Grünzugs Donaufeld für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Analog dazu muss auch auf die Durchwegung und Zugänglichkeit des geplanten westlichen Grünzugs geachtet werden.

Im Zuge der weiteren Planungen, Flächenwidmungen und Bauträgerwettbewerbe im Norden und Westen von Donaufeld ist es unser klares Ziel, möglichst viele zusätzliche Flächen unversiegelt zu erhalten. Angesichts der einzigartigen Qualität des Bodens und der Sensibilität des regionalen Umfeldes ist es notwendig, dass ausgehend vom vorliegenden Leitbild ein größerer Anteil der Flächen vor allem südlich des geplanten urbanen „Ereignisbandes“ als Grünland erhalten bleibt.

Sowohl die Klimakrise als auch die Corona-Krise haben uns deutlich vor Augen geführt wie wichtig lokale Nahrungsmittel-Resilienz ist. Deshalb bemühen wir uns darum, dass auf den hervorragenden Schwemmlandböden im Donaufeld dauerhaft Flächen für die Gemüseproduktion sichergestellt werden. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass es vor Ort Flächen mit wertvollen Biozertifikaten gibt (z.B. Gärtnerei „Bioschanze“), die bereits heute bei den AnrainerInnnen sehr geschätzt werden und die ein wertvolles Qualitätsmerkmal auch für das zukünftige Donaufeld darstellen.


Der Andrang bei der Gärtnerei „Bioschanze“ stieg während der Corona-Krise nochmals an  (Foto: Gerda Daniel).


Interessensausgleich

Derzeit liegt für den Westen nur das Leitbild, aber noch keine konkrete Widmung vor. Auch wenn aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen im Zuge der Konkretisierung dieses Leitbildes Flächen im zentralen und im südlichen Teil des westlichen Planungsgebietes zumindest teilweise unversiegelt und so weiterhin für Landwirtschaft und Erholung nutzbar bleiben, so sollen die verschiedenen Vertragspartner auch ein Minimum an Planungssicherheit erwarten können. Dafür wäre eine klare Willensäußerung der Stadt sinnvoll, die eine Konzentration der Baumassen und der mehrgeschossigen Bauwerke zwischen Donaufelder Straße und dem sogenannten „Ereignisband“ vorsehen. Bebauung im zentralen und südlichen Teil sollte mit deutlich geringerer Dichte, geringerer Höhe möglich sein, aber vor allem an den Rändern des Planungsgebietes ausgeführt werden.

Urbanität und Grünraum: Win-Win-Situation

Das „Ereignisband“ zwischen den beiden Bezirkszentren in Floridsdorf und Donaustadt soll mit lebendigerer Erdgeschoßnutzung und sozialer Infrastruktur ein urbaneres Umfeld entstehen lassen, als es bisher in dieser Stadtregion möglich war. In der Mitte dieser Achse sollte im Bereich des Planungsgebietes Donaufeld gerade deshalb diese Lücke mit einer dichteren Bebauung geschlossen werden, so dass erstmals eine attraktive, urbane Querverbindung in Transdanubien entstehen kann. Die urbane Achse (Ereignisband) und der freigehaltene Grünraum südlich davon ergeben gemeinsam ein sehr attraktives Wohnumfeld mit resilienter Lebensmittelversorgung, während eine gleichmäßig dichte Bebauung im gesamten Planungsgebiet keine der positiven Möglichkeiten nutzen würde.

Bauprojekte müssen in Zukunft generell daraufhin bewertet werden, ob sie den AnrainerInnen Kompensation für den verlorenen Grünraum anbieten. Dabei wird das Augenmerk vor allem auf öffentlich zugänglichen Funktionen liegen (Grünflächen, Urban Gardening, Spielplätze, Parks, Kaffeehäuser, Aufenthaltsraum im Freien, Kultureinrichtungen, etc.). Das heißt, dass bereits bei der Planung nicht nur der vorgeschriebene Anteil von Grünflächen, sondern auch andere öffentlich zugängliche Angebote mitgedacht werden und gegenüber exklusiven Angeboten für die BewohnerInnen der Vorzug gegeben wird. Diese sollen bereits im Zuge des Widmungsverfahrens festgelegt und im Bauträgerverfahren konkretisiert werden.

Heinz Berger und Ursula Hofbauer, Die Grünen Floridsdorf



(Fotos: Grüne Wien, Klaus Pahlich)

Weitere Bäume im Mengergassenviertel

Nachdem schon 2019 die ersten neuen Bäume in der Ostmarkgasse gepflanzt wurden, konnte das Budget für das Jahr 2020 verdoppelt werden.

Heuer können die noch im Vorjahr mit einer Förderung durch das Büro von Vizebürgermeisterin Birgit Hebein gepflanzten zehn Bäume bereits in zartem Grün betrachtet werden.

Bei den Budgetverhandlungen zum Jahreswechsel 2019/20 konnten die Floridsdorfer Grünen eine Verdoppelung des Budgets für die Begrünung im Mengergassenviertel und viele weitere Maßnahmen für das Mikroklima erwirken, was aber keinesfalls der Schlusspunkt dieser Maßnahmen sein sollte.

Wir werden uns auch in den nächsten Jahren entschlossen für das Mikroklima vor unserer Haustür und für eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Raums einsetzen.

Klubobmann Heinz Berger

Bus zum Schicht-Areal: „Begräbnis Erster Klasse“

Angesichts der bevorstehenden Besiedlung weiterer Wohnhausanlagen haben die Floridsdorfer Grünen neuerlich einen Antrag auf die Einrichtung einer Busverbindung zum Schicht-Areal eingebracht, der einstimmig an die Wiener Linien weitergeleitet wurde. Dort ruht er seither leider sanft!

Es ist kaum zu fassen: Schon bevor die ersten BewohnerInnen auf dem Areal der ehemaligen Schicht-Werke im Jahr 2016 eingezogen sind, wurden bei öffentlichen Diskussionen mit AnrainerInnen Überlegungen für die Erschließung mit einer Buslinie angestellt, da eine Geh-Distanz von bis zu 700 Metern bis zur nächsten Haltestelle eines öffentlichen Verkehrsmittels völlig unzumutbar ist. Daher haben die Grünen am 9. November 2016 in der Floridsdorfer Bezirksvertretung einen Antrag auf Einrichtung einer Busverbindung gestellt, der einstimmig an die „Wiener Linien“ weitergeleitet wurde, die ihn glatt ablehnten

Am 12. November 2018 wurde von den Grünen neuerlich die Notwendigkeit für einen Bus zum Schicht-Gelände in der AG-Öffentlicher Verkehr der Bezirksvertretung eingebracht, wo er am 12. Februar 2019 besprochen und in Anwesenheit der Wiener Linien erneut für unverzichtbar befunden wurde.

Und schließlich wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung Floridsdorf am 12. Februar 2020 erneut ein grüner Antrag auf Aufschließung des „Schicht-Areals“ mit öffentlichen Verkehrsmitteln eingebracht und in der Verkehrskommission wieder einstimmig an die Wiener Linien weitergeleitet. Dabei wurde aufgrund teilweise geringer Straßenbreiten ausdrücklich auch um die Prüfung alternativer Zufahrtswege gebeten.

Wir sind gespannt:  wie lange müssen die BewohnerInnen jetzt noch auf ihren Bus warten?

Bezirksrat Heinz Berger


Immer mehr Wohnungen auf den „Schicht-Gründen“, aber noch immer kein Bus  (Foto: Heinz Berger).

Gedenken in „Corona-Zeiten“

Seit 2012 tritt die Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien alljährlich mit Veranstaltungen im 21. und/oder 22. Bezirk für eine Aufarbeitung der Vergangenheit (auch jener Ereignisse in der Region) und gegen Rechtsextremismus auf.

2020 war alles anders – wegen der Corona-Pandemie. Lediglich mit 1 Meter-Abstand waren ab Mai wieder öffentliche Aktionen möglich.

Deshalb begnügte sich die Gedenkplattform diesmal mit einer Foto-Aktion, die an den 75. Jahrestag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus erinnerte.

Am Spitz, vor dem Amtshaus Floridsdorf, waren noch im April 1945 die drei Wehrmachts-Angehörigen Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke hingerichtet worden, weil sie weitere Zerstörungen und Blutvergießen verhindern und Wien kampflos der Roten Armee übergeben wollten.

In den folgenden Wochen bis zum Kriegsende mussten noch zahlreiche Menschen ihr Leben für die Befreiung von der NS-Herrschaft geben bzw. wurden viele Menschen Opfer der grausamen „Endphasen-Verbrechen“ von besonders verbohrten Nazis.

Am 8. Mai 1945 fanden dann endlich der Krieg in Europa und damit auch die Nazi-Diktatur durch die Kapitulation der Reste der deutschen Wehrmacht ein Ende, und die Welt konnte sprichwörtlich aufatmen.
Wir wollen für immer daran erinnern!


Die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ erinnert an den 75. Jahrestag der Befreiung Europas.

„Quartier An der Schanze“: Ausstellung Bauträgerwettbewerb

Der östliche Teil des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld ist „auf Schiene“.

Zwischen dem zentralen Grünzug und der Dückegasse (Bezirksgrenze zur Donaustadt) werden unter dem Titel „Quartier An der Schanze“ bis 2023 rund 1.500 neue Wohnungen entstehen. Die Widmung im Gemeinderat erfolgte im Dezember 2017, die Ergebnisse des zweistufigen Bauträgerwettbewerbs wurden Anfang März 2020 in einer Ausstellung des „wohnfonds_wien“ präsentiert.


3D-Modell des „Quartier An der Schanze“ bei der Ausstellung des „wohnfonds_wien“ in dessen Lokal Lenaugasse/Ecke Schmidgasse vom 2.-5. März 2020  (Fotos: Gerhard Jordan).

Das Gebiet, das über 7 Hektar umfasst und in 10 Bauplätze eingeteilt wurde, war bisher vorwiegend gärtnerisch und landwirtschaftlich genutzt. Im Westen wird der Grünzug, der seit Ende Juni 2020 auch Teil des „Leitbild Grünräume Wien“ ist, verlaufen. Motorisierter Durchzugsverkehr wird vermieden.


Übersichtsplan des „Quartier An der Schanze“.

Die neuen Straßenzüge, deren Benennung zum Großteil auf Vorschläge der Grünen Floridsdorf zurückgeht, sollen vor allem der Erschließung dienen. Der wichtigste wird die Simone-Veil-Gasse sein (benannt nach der ersten Präsidentin des Europaparlaments), das ist die nach Westen verlängerte Prandaugasse. In Etwa parallel dazu, als Verlängerung der Arakawastraße, wird die Antonie-Lehr-Gasse (benannt nach einer Widerstandskämpferin) verlaufen, am Rand des Grünzugs die etwas kürzere Nicole-Fontaine-Gasse (benannt nach der Europaparlamentspräsidentin von 1999-2002), und als neue Nord-Süd-Verbindung die Leopoldauer-Haide-Gasse, die an den Flurnamen dieses Gebiets erinnert. Die Grenze im Süden bildet der Drygalskiweg, im Osten die Dückegasse.

Der derzeitige Straßenzug An der Schanze soll aufgelassen werden, in diesem Bereich (also zwischen der künftigen Simone-Veil-Gasse im Süden und der Antonie-Lehr-Straße im Norden) wird teilweise das sogenannte „Ereignisband“, eine urbane Achse mit Einrichtungen der öffentlichen Infrastruktur, verlaufen.

 

Soziale Infrastruktur, hohe Dichte

Bei BesucherInnen der Ausstellung waren von der sozialen Infrastruktur, die geschaffen werden soll, beeindruckt, allerdings gab es auch Kritik an der relativ dichten Verbauung.

Ein Schwerpunkt des Quartier An der Schanze soll auf den Bedürfnissen Alleinerziehender liegen, dafür sind mehrere Wohneinheiten und Einrichtungen vorgesehen. Außerdem wird es zahlreiche Sozial-Stützpunkte, einen Kindergarten, Nachbarschaftszentren, Quartierswerkstätten, Grätzlcafés und -kantinen usw. geben, bis hin zu „Supergreißlern“ und Fahrradwerkstätten – in lebendigen Erdgeschoßzonen. Der überwiegende Anteil der Wohneinheiten sind geförderte Mietwohnungen, 482 davon sind sogenannte SMART-Wohnungen (7,50 € monatliche Kosten pro Quadratmeter Nutzfläche). Lediglich im Südwesten des Quartiers (auf den drei Teilen des Bauplatzes G) sollen auch frei finanzierte Wohnungen errichtet werden.


Projekt des Bauträgers „Wien-Süd“, entworfen von „querkraft architekten“, südlich der Simone-Veil-Gasse: rund 70 Wohnungen, sowohl gefördert als auch frei finanziert.

Die Bauträger, die ausgewählt wurden, sind „Altmannsdorf Hetzendorf“ (Bauplatz A, im Nordwesten), EBG/Neue Heimat (Bauplätze B+D), Familie/Stumpf Wohnprojekte (Bauplatz E), ARWAG (Bauplatz G1), Wien-Süd (Bauplatz G2), AUFBAU (Bauplätze H+I) sowie Familienwohnbau (Bauplätze J und K im Südosten). Auf dem Bauplatz F, zwischen der künftigen Leopoldauer-Haide-Gasse und der Dückegasse, ist ein StudentInnenwohnhaus geplant. Und auf Bauplatz C, an der Simone-Veil-Gasse, entsteht das  Baugruppenprojekt „Treibhaus Donaufeld“  (in Zusammenarbeit mit dem Bauträger „Schwarzatal“). Dieses wird sicherlich mit seinen vielfältigen Angeboten wie Fahrradwerkstatt, Physiotherapie, Food Coop-Lokal, Pfadfinder-Treffpunkt, Volkshilfe-Stützpunkt usw. maßgeblich zur Belebung des Grätzls beitragen.


Lageplan des Baugruppenprojekts „Treibhaus Donaufeld“.

Es ist schade, dass es im Quartier nur dieses eine Baugruppenprojekt gibt. Ein „Baugruppen-Cluster“, wie von den Grünen vorgeschlagen und in der Seestadt Aspern erfolgreich umgesetzt, wäre sehr wünschenswert gewesen.

Grün- und Freiräume

Obwohl dicht verbaut, soll es in dem Quartier auch Grün- und Freiräume geben, z.B. eine sogenannte „Stadtwildnis“ zwischen Simone-Veil-Gasse im Norden und Drygalskiweg im Süden, eine „Wohnwildnis“ und „Urban Gardening“ beim ARWAG-Projekt im Westen, unversiegelte Plätze (z.B. im Bauplatz E), Baumreihen in den Straßenzügen, Begrünung auch im sog. „Ereignisband“, Dachgärten und Gemeinschaftsterrassen, etc. – Leider kommt der Bezug zur landwirtschaftlich-gärtnerischen Identität des Donaufelds in dem Quartier zu wenig zum Ausdruck, und genauere Informationen über konkrete Fassadenbegrünungen standen noch aus.


Freiräume im Zentralbereich und im Süden des Quartiers.


Geplante „Wohnwildnis“ östlich des künftigen Grünzugs.

Infos zu den Projekten sind auf der Website der Internationalen Bauausstellung  IBA_Wien  zu finden:
https://www.iba-wien.at/projekte/projekt-detail/project/donaufeld

Gerhard Jordan