Auf den Spuren des Februar-Aufstands 1934 in Floridsdorf

Die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“, die seit 2012 alljährlich Aktivitäten zur Erinnerung an Ereignisse der jüngeren Vergangenheit mit Schwerpunkt auf die Bezirke 21 und 22 setzt, beging den 85. Jahrestag des Februar-Aufstands 1934 mit einer Gedenkwanderung am 10. Februar 2019, bei der der Historiker Dr. Kurt Bauer zu Schauplätzen der Februar-Kämpfe in Floridsdorf führte.
Rund 100 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil, und auch die anschließende – teils kontroverse – Diskussion war gut besucht.

Im Kreis der TeilnehmerInnen spiegelte sich die Breite der Überparteilichen Gedenkplattform:  SPÖ-Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, die Klubobleute der Grünen aus Floridsdorf und Donaustadt (Mit-OrganisatorInnen Heinz Berger und Heidi Sequenz), die Klubobfrau der NEOS Floridsdorf (Monika Ruschka), die SprecherInnen der KPÖ Floridsdorf und Donaustadt – um nur einige aus der Politik zu nennen, diesmal besonders viele HistorikerInnen von verschiedenen akademischen Einrichtungen und aus der Zivilgesellschaft sowie zahlreiche engagierte und interessierte BürgerInnen.

 
Rund 100 Interessierte versammelten sich vor dem Bahnhof Floridsdorf, um am Gedenkrundgang teilzunehmen (Fotos: G. Jordan).


Vor dem heutigen „Haus der Begegnung“, an dessen Stelle sich 1934 das Floridsdorfer Arbeiterheim befand.


Blick über die Angererstraße zum damals umkämpften Gebäude des ehemaligen Nordbahnhofs (in der Mitte); auf der Eisenbahnbrücke (rechts) war ein Scharfschütze des Schutzbunds postiert.

Kurt Bauer hat in seinem zum Jahreswechsel 2018/19 erschienenen Buch „Der Februar Aufstand 1934. Fakten und Mythen“ die Ereignisse vom 12. bis 14. Februar detailliert aufgearbeitet und versucht, alle Todesopfer – jene des sozialdemokratischen Schutzbunds, der Exekutive bzw. Truppen des Regimes und rechter Verbände wie Heimwehr sowie unbeteiligter Personen – namentlich zu erfassen und ist dabei auf 357 Personen gekommen.
Die härtesten Kämpfe spielten sich in Floridsdorf ab, wo auch die meisten Toten zu beklagen waren.


Das Polizeikommissariat Ecke Hermann-Bahr-Straße (Bild oben, links) konnte von den Aufständischen nicht eingenommen werden, das 1924 errichtete Gebäude der Feuerwache in der heutigen Weisselgasse (Bildmitte) wurde hingegen am 13. Februar 1934 von einem Polizeitrupp gestürmt.


Bei dem 1964 errichteten Denkmal für den am 15. Februar 1934 hingerichteten Schutzbund-Führer und Feuerwehr-Angehörigen Ing. Georg Weissel an der Prager Straße. Auch die 1958/59 von der „Sozialbau AG“ errichtete Genossenschafts-Wohnanlage in der Gerichtsgasse ist nach Weissel benannt.


Auch um die Straßenbahnremise in der Gerichtsgasse gab es Gefechte.


Im Dachbereich des 1925/26 errichteten „Schlingerhof“, Ecke Brünner Straße, waren MG-Schützen postiert. Am 13. Februar gegen Mittag wurde der Gemeindebau von Artillerie beschossen und eingenommen. Im Zuge des Abtransports von 350 Gefangenen wurden bei Schießereien mehrere Menschen getötet. (Auf dem Bild ist über dem „Tabak Trafik“-Symbol die Stelle zu sehen, an der jahrzehntelang – bis zu ihrer Versetzung – eine Gedenktafel für die Februar-Opfer angebracht war.)

Bei der Diskussion in den Räumlichkeiten der Gebietsbetreuung „GB*nord“ sprach Heinz Berger, Historiker und Mitbegründer der Gedenkplattform, einleitende Worte, in denen er auf die Mythenbildung und auf die Rezeption des Februar 1934 hinwies und auf den Zustand der damaligen gespaltenen Gesellschaft, der es total an Zusammenhalt fehlte.


In den Räumlichkeiten der Gebietsbetreuung wurde lebhaft diskutiert. (Bild unten: Heinz Berger mit dem Buchautor Kurt Bauer)

Kurt Bauer formulierte seine Thesen, u.a.
– dass durch das Vorgehen im Februar 1934 maßgeblich dem späteren „Anschluss“ an das Dritte Reich 1938 in die Hände gespielt wurde;
– dass „der einzige Sieger Adolf Hitler war“;
– dass das (von der sozialdemokratischen SDAP, deren stv. Vorsitzender Otto Bauer eine zwiespältige Haltung einnahm, ausgeschlagene) Koalitionsangebot des christlichsozialen Bundeskanzlers Seipel im Jahr 1931 vielleicht die letzte Chance war, die Demokratie zu retten;
– dass Engelbert Dollfuß, Kanzler ab 1932, immer mehr unter den Einfluss des italienischen Faschistenführers Mussolini geriet und ab 1933 zunehmend diktatorisch herrschte;
– und dass unter den Todesopfern ZivilistInnen, die sich nicht an den Kämpfen beteiligt hatten, die größte Gruppe stellten.

In der lebhaften Diskussion gab es auch Kritik an der Verwendung interner Polizeiberichte bei Bauers Recherchen. Eine Teilnehmerin, deren Vater selbst an den Kämpfen im Schlingerhof beteiligt war, wies den Begriff „Aufrührer“ zurück und wies darauf hin, dass die Arbeiterschaft 1934 den ersten offenen Widerstand gegen den aufkeimenden Faschismus in Europa geleistet habe und gar keine andere Wahl hatte, als sich gegen die Provokationen des Dollfuß-Regimes zu wehren.

Ein anderer Diskussionsteilnehmer, der aus bäuerlichem Milieu stammt und dessen Vater 1934 auf Seiten des Bundesheers beim Karl-Marx-Hof gestanden war, merkte an, dass die Situation auf dem Land völlig anders war als in den industriell geprägten Städten (Kurt Bauer ergänzte, dass die Kämpfe beim „Juliputsch“ 1934 der Nazis weitgehend auf dem Land stattfanden).

Es wurde auch die Frage gestellt, ob es sich beim Februar 1934 um einen „Bürgerkrieg“ oder um einen „Aufstand“ gehandelt habe. Kurt Bauer hatte früher selbst den Ausdruck „Bürgerkrieg“ verwendet, sieht dies aber heute nicht mehr so:  Es gab relativ wenige Tote (357 in ganz Österreich, davon 76 in Floridsdorf), kein geschlossenes von den Aufständischen kontrolliertes Territorium (lediglich einige Wohnsiedlungen und Gebäude der ArbeiterInnenbewegung) und die Kämpfe waren nicht lang andauernd, sondern im Wesentlichen nach zwei Tagen vorbei.

Zur Frage der Spaltung der Gesellschaft und der Zunahme autoritärer Tendenzen heute (von Ländern wie Ungarn und Polen bis hin zu USA, Philippinen oder Brasilien) meinte Kurt Bauer, dass die Situation mit den 1930er-Jahren nicht vergleichbar sei:  Damals betrug der Arbeitslosen-Anteil in Floridsdorf – ebenso wie unter den Februar-Opfern – rund 40%, die Not war erdrückend und führte zu Demoralisierung. Die soziale Situation sei heute wesentlich besser, Österreich hat einen funktionierenden Verfassungsgerichtshof und es finden keine bewaffneten Aufmärsche und Auseinandersetzungen statt. Der Februar 1934 müsse historisch betrachtet werden.

In weiteren Diskussionsbeiträgen wurden die „1918 verlorene Räterepublik“, das „Kapital als Gewinner der gesellschaftlichen Spaltung“ und die Frage, ob „Widerstand leisten“ nur mit Waffengewalt oder auch anders möglich sei, zur Sprache gebracht.

Auch die Frage, warum die Gedenktafel für die Februarkämpfer, die um 1947 vom (kommunistischen) Arbeiterbetriebsrat des Austro-Fiat-Werks an der Ecke Brünner Straße/Floridsdorfer Markt angebracht worden war, vor Jahren entfernt und an die weniger sichtbare Ostseite des Schlingerhofs – bei Stiege 18 – versetzt worden war, wurde gestellt (und konnte leider nicht beantwortet werden).

 Gerhard Jordan


Die früher an der Ecke zur Brünner Straße angebrachte Gedenktafel an ihrem heutigen Platz an der Ostseite des Schlingerhofs.

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Geschichten mit Donaufeld-Bezug von Agnes Bernhart

Zu den in letzter Zeit erschienenen Werken mit Floridsdorf-Bezug gesellt sich eine interessante Neu-Erscheinung:  das Buch „einst & jetzt. Omageschichten aus Floridsdorf“ von Agnes Bernhart.

Die Autorin, gelernte Fotografin, Religionslehrerin i.R. und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Bezirksmuseums Floridsdorf, schildert darin auf humorvolle Weise autobiografische Erinnerungen, die einen sehr starken Donaufeld-Lokalbezug haben. Frau Bernhart hat einen Teil ihrer Kindheit und Jugend bei ihrer Tante in der Siedlung zwischen Donaufelder Straße und Nordmanngasse verbracht und beschreibt das damalige Leben aus ihrer Sicht.
Einzelne „Grätzl“ und Gebäude wie sie damals aussahen und was heute dort ist laden zu einem Vergleich ein.

Die Grünen Floridsdorf laden zu einer LESUNG MIT AGNES BERNHART aus ihrem Buch.

Wann?  –  Donnerstag, 21. März 2019,  18:30 Uhr.

Wo? –  Nordmanngasse 25-27 („Autofreie Mustersiedlung“), Salon „Aquarium“ im Hof.  Erreichbarkeit:  Beim Eingang Donaufelder Straße 50 am Spielplatz vorbei. Karte

 


Autorin Agnes Bernhart  (Foto: privat).

10.2.: Gedenkrundgang zum Februar-Aufstand 1934

Die Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien, die seit 2012 alljährlich Aktivitäten setzt, lädt zu einem Gedenk-Rundgang anlässlich des 85. Jahrestags des Februar-Aufstands 1934, der eines seiner Zentren im 21. Wiener Gemeindebezirk hatte, ein.

Der Historiker Dr. Kurt Bauer, Autor des Buches „Der Februar Aufstand 1934. Fakten und Mythen (Böhlau Verlag, 2019), führt zu einigen der damaligen Schauplätze.

Im Anschluss findet eine Diskussion im Lokal der Gebietsbetreuung im Schlingerhof statt.

Treffpunkt:  10. Februar 2019,  15 Uhr, Franz-Jonas-Platz.

 

EINLADUNG:

 


Denkmal für Brandoberkommissär Ing. Georg Weissel (Ecke Prager Straße/Gerichtsgasse, entworfen vom Floridsdorfer Bildhauer Karl Nieschlag und errichtet 1964), der am 15. Februar 1934 vom Dollfuß-Regime hingerichtet wurde.  (Foto u. folgende drei: G. Jordan).


Der ehemalige Bahnhof Floridsdorf (Nordbahnanlage 9) heute. Am 13. und 14. Februar 1934 war das im Bezirksteil Donaufeld gelegene Gebäude heftig umkämpft.


Der am 13.2.1934 von Artillerie beschossene Gemeindebau „Schlingerhof“ heute.

 


Das Lokal der Gebietsbetreuung „GB*nord“, 2018 in einem ehemaligen Gasthaus im Schlingerhof eröffnet.


Das neu erschienene Buch von Kurt Bauer über den Februar-Aufstand.

 

 

 

Joseph-Samuel-Bloch-Park neugestaltet

Rechtzeitig zum Jahresende 2018 wurde die Neugestaltung des – nach dem ersten Rabbiner der Floridsdorfer Jüdischen Gemeinde benannten – Joseph Samuel Bloch-Parks auf dem Hoßplatz beendet.

Es war dies eines der sogenannten 21 Projekte für den 21. Bezirk – Beispiele, durch die das Bezirksbudget erlebbar und die Verwendung der der Bezirksvertretung Floridsdorf zur Verfügung stehenden Gelder nachvollziehbar gemacht werden sollten.


Der Bloch-Park während der Umgestaltung, im September 2018  (Fotos: G. Jordan).

Die dreieckige Parkanlage zwischen Patrizigasse und Schlosshofer Straße war in die Jahre gekommen.  Mit einer budgetierten Summe von 630.000 € wurde sie für die NutzerInnen attraktiver gestaltet.

Es entstand eine offene und transparente Parkanlage mit Neupflanzungen, einladenden Aufenthaltsbereichen und barrierefreien Querungsmöglichkeiten. Zusätzlich wurden auch der Kinderspielplatz erneuert und den heutigen Ansprüchen angepasst und der Bereich der Straßenbahnstationen umgebaut.


Kindergerechte Umgestaltung:  Ringschaukel, Sandkiste mit Wasserspiel oder Kletterturm mit Rutsche machen den Park auch für die Jüngsten interessant.

Die bei der Parkbenennung am 5. Mai 2002 enthüllte Tafel mit dem Hinweis auf Bloch wurde durch eine Tafel im neuen, hellgrünen Design ersetzt und selbstverständlich wurde auch die 2013 eröffnete „Station der Erinnerung“ – vier in den Boden eingelassene Tafeln, die auf die jüdischen Opfer aus Floridsdorf, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer fielen, hinweisen – nach der Umgestaltung wieder angebracht.

Gerhard Jordan

Sowohl die Tafel mit dem Hinweis auf Joseph Samuel Bloch (oben) als auch die „Station der Erinnerung“ (unten) geben der Parkanlage eine überregionale Bedeutung.

 


Aufenthaltsqualität durch Trinkbrunnen, Bank-Tisch-Kombinationen, alte (Platanen) und neu gepflanzte Bäume, sowie durch Sitzgelegenheiten entlang der Wege.


Beiderseits des Wartehäuschens bei der Doppelhaltestelle der Straßenbahnlinien 25 und 26 befinden sich Bepflanzungen mit Stauden und Gräsern.

 

 

Donaufeld wird „frauenbewegt“ und international!

Seit Jahren setzen sich die Floridsdorfer Grünen dafür ein, dass bei Verkehrsflächen-Benennungen bevorzugt Frauen zum Zug kommen sollen.
Besonders für das Stadterweiterungsgebiet Donaufeld war uns dies wichtig – ebenso wie ein Signal über die Bezirksgrenzen hinaus, zumal ja das Donaufeld als eines der Zielgebiete der ersten in Österreich stattfindenden „Internationalen Bauausstellung“ – der IBA Wien 2022 – fungiert.

Alle drei von uns vorgeschlagenen Namen wurden am 7. November 2018 einstimmig von der Bezirksvertretung beschlossen, sozusagen als „transdanubischer Beitrag zur österreichischen EU-Ratspräsidentschaft“:

Neben der Auschwitz-Überlebenden Antonie Lehr (1907-1997), die in der NS-Zeit aus Frankreich nach Wien zurückkehrte, um in der Floridsdorfer Lokomotivfabrik Widerstandsarbeit zu leisten, sind dies die bisher einzigen Frauen, die Präsidentinnen des Europaparlaments waren:  die französischen Politikerinnen Simone Veil (1927-2017), ebenfalls Holocaust-Überlebende, frauenpolitisch engagiert und von 1979-82 EP-Präsidentin, und die katholisch-liberale Nicole Fontaine (1942-2018), die von 1999-2002 dieses Amt in Brüssel innehatte.


Floridsdorfer Grüne begrüßen die Benennungen mit Frauen- und Europa-Bezug  (Foto: Heinz Berger).

Das Donaufeld war auch bereits im Juni 2018 Schauplatz einer kleinen „Europa-Kundgebung“:  Claude Brouir, ein belgischer Grünpolitiker, kam im Zug einer Reise durch die EU-Gründungsstaaten mit seinem Solar-Tandem auch in der „Autofreien Siedlung“ vorbei, wo er sich mit europapolitisch Interessierten traf. Neben der städtepolitisch sehr aktiven grünen Europaparlaments-Abgeordneten Monika Vana war auch der grüne Bundessprecher Werner Kogler mit dabei, der inzwischen zum Spitzenkandidaten für die EP-Wahl 2019 designiert wurde.

Wir werden beide im kommenden Wahlkampf aktiv unterstützen und freuen und auf viel grünen Schwung gegen den Rechtsruck und für ein solidarisches Europa!

Bezirksrat Gerhard Jordan

Werner Kogler, designierter Spitzenkandidat für die Europaparlamentswahl 2019, und EP-Abgeordnete Monika Vana mit dem belgischen Grünen Claude Brouir in der „Autofreien Mustersiedlung“ (Foto: Brigitte Parnigoni).

 

 

Pius-Parsch-Platz NEU

Zwischen April und November 2018 wurde der Pius-Parsch-Platz umgestaltet.
Anlässlich der Fertigstellung wurde am 22. November der symbolische Schlussstein durch Bürgermeister Michael Ludwig, die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und Bezirksvorsteher Georg Papai gesetzt und der Platz feierlich eröffnet.
Statt einer unattraktiven PKW-Abstellfläche (für die Autos wurde eine Tiefgarage errichtet) gibt es nunmehr einen Aufenthaltsbereich mit Begrünung, Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel.


Planungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou mit Bürgermeister Ludwig und Bezirksvorsteher Papai bei der „Eröffnung“ des umgestalteten Pius-Parsch-Platzes. (Foto: Brigitte Parnigoni)

 

Ausstellung über das Jüdische Leben in Floridsdorf

Anlässlich des 80. Jahrestages der „Reichspogromnacht“ fanden in ganz Wien Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer der Shoa statt, so auch in Floridsdorf. Eine Ausstellung des Bezirksmuseums, die maßgeblich vom grünen Bezirksrat Gerhard Jordan mitgestaltet wurde, ist noch bis 3. Februar 2019 zu sehen.

Am Vormittag des 23. Oktober 2018 wurde in der Hopfengasse, am Rest des ehemaligen Tors beim FAC-Platz, von den Opferverbänden eine Gedenktafel enthüllt, die an das 1944/45 dort befindliche KZ-Nebenlager erinnert.


Die Gedenktafel am ehemaligen Lagertor in der Hopfengasse.  (Fotos: Heinz Berger, Gerhard Jordan)

Am Nachmittag und Abend fand im Bezirksmuseum eine Veranstaltung statt, die an die verschiedenen Aspekte des jüdischen Lebens in Floridsdorf erinnerte:

An den – ab 1880 – ersten Rabbiner Dr. Joseph Samuel Bloch (1850-1923), dessen Todestag sich im Oktober zum 95. Mal jährte, an die zahlreichen jüdischen Vereine, an die Geschäfte im Bezirkszentrum und an den jüdischen Friedhof in der Ruthnergasse, der in den 1990er-Jahren im Rahmen des Projekts „Schulen adoptieren Monumente“ von SchülerInnen und Lehrkräften des Gymnasiums Ödenburger Straße wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Dazu gab es einen Rückblick mit zwei damals Beteiligten (Mag. Tatjana Tupy und Mag. Johann Schrammel).


Johann Schrammel (damals Lehrer, l.) und Tatjana Tupy (damals Schülerin) erinnern sich an ihr Projekt.

Die Direktorin des Ella-Lingens-Gymnasiums in der Gerasdorfer Straße, Frau Mag. Eveline Trenner-Moser, und die Maturantin Nina Brugger sprachen über die Namensgeberin ihrer Schule.

Vorträge und Präsentationen widmeten sich dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben, unbekannten Aspekten wie der tragenden Rolle jüdischer Sportfunktionäre bei den vor dem 2. Weltkrieg sehr erfolgreichen Floridsdorfer Fußballklubs Admira und FAC, der Verfolgung und Vernichtung der Gemeinde nach 1938 sowie der Gedenkkultur von 1945 bis heute.


Die Präsentationen von Gabriele Dorffner (oben), Matthias Marschik (Mitte) und Gerhard Jordan (unten).

Mag. Wolfgang Schellenbacher vom Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) stellte das Projekt „Memento Wien“ (eine Personendatenbank mit bezirks-bezogenen Informationen zu den Opfern des NS-Terrors) vor.


Wolfgang Schellenbacher (DÖW) stellt „Memento Wien“ vor.

Bei der Abendveranstaltung, musikalisch umrahmt von Klezmer-Musik des „LeChaim Trio“, las die in Floridsdorf aufgewachsene Schauspielerin Erika Pluhar aus eigenen Werken und erinnerte an ihre einstige Geschichtslehrerin im Gymnasium Franklinstraße 21, die schon früh offen und deutlich über die Judenvernichtung des Nazi-Regimes sprach. Der Andrang war so groß, dass eine Video-Übertragung aus dem Großen Saal ins Erdgeschoß angeboten werden musste.


Erika Pluhar bei ihrer Lesung aus eigenen Werken.

Die HistorikerInnen Dr. Gabriele Dorffner, Dr. Matthias Marschik und Mag. Gerhard Jordan gestalteten eine Ausstellung zum Thema „Gedenken an das Jüdische Leben in Floridsdorf“, die noch bis einschließlich 3. Februar 2019 im Bezirksmuseum, Prager Straße 33, zu sehen ist (zu den Öffnungszeiten Dienstag 15-17 und Sonntag 10-12 Uhr). Auch ein Museumsheft zum Thema kann dort um 8 € erworben werden.

Die Volkshochschule 21 organisierte außerdem einen Rundgang und eine Gedenkveranstaltung, und vor dem Standort der ehemaligen Floridsdorfer Synagoge in der Freytaggasse wurde am 8. November eine Lichtzeichen-Installation – ähnlich wie auch an anderen (ehemaligen) Synagogen-Standorten Wiens angebracht.

Brigitte Parnigoni

Franklinstraße: Freie Fahrt trotz Fahrverbot!

Die Franklinstraße war als Geh- und Radweg über Jahrzehnte auf Höhe Fahrbachgasse und auf Höhe Bentheimstraße durch Poller abgesperrt, sodass Kinder und Jugendliche ihren Schulweg auf gesicherten Routen zurücklegen konnten. Seit der Entfernung der Poller während der Errichtung der Wohnanlage Franklinstraße 23-25 im Jahr 2014 ist eine deutliche Zunahme der unerlaubten KFZ- und LKW-Fahrten auf der Schulmeile zu verzeichnen!

Seit dem Bezug des neuen Wohnhauses beklagen sich AnrainerInnen sowie Eltern von SchülerInnen immer öfter über den illegalen KFZ-Verkehr auf dem Geh- und Radweg. Leider wird diese Strecke zunehmend als Abkürzung von LieferantInnen verwendet, u.a. auch von Post oder Müllabfuhr, um Zufahrten zu Freizeiteinrichtungen, Schulen oder Wohnungen durch das Einbahnsystem zu vermeiden.


LKW-Zulieferverkehr hat in der Franklinstraße nichts verloren!  (Fotos: Molly Wurth)

Als Begründung für die Entfernung der Poller wurden in einer Anfragebeantwortung die Kosten aufgrund von Vandalismus an Pollern angeführt. Hier muss offenbar der Vandalismus an anderen Orten (Poller am Drygalskiweg) als Begründung für eine völlig unverständliche Maßnahme auf der Schulmeile herhalten. Nicht auszudenken, wenn solche Selbstjustiz-Maßnahmen Schule machen, und die Zerstörung missliebiger Einrichtungen zu deren tatsächlicher Entfernung führen würde.

Bedauerlicherweise wurde ein Antrag der Grünen zur Wiedereinsetzung der Poller in der Sitzung der Bezirksvertretung vom 7. November 2018 von SPÖ, FPÖ, ÖVP, WIFF und NEOS abgelehnt – ein trauriger Kniefall vor der Gesetzlosigkeit.

Bezirksrat Heinz Berger