Gute Nachrichten für das Stadtbild: Schutzzone Am Spitz beschlossen; Bauordnungs-Novelle stoppt Abrisse auch in Transdanubien

Zwei positive Entwicklungen im Bereich Stadtbildschutz waren in den letzten  Monaten in Wien zu verzeichnen.

1.)  Schutzzone im Zentrum Floridsdorf

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig das Plandokument Nr. 8216 und damit die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um das Amtshaus am Floridsdorfer Spitz.
Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk 2010/11  über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses 2014  gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments vom 12. März bis 24. Mai 2018 (inklusive begleitender Informations-Ausstellung im Haus der Begegnung Floridsdorf am 3. Mai) und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni über acht Jahre hinzog, abgeschlossen.


Am 3. Mai 2018 fand im Haus der Begegnung eine Informations-Ausstellung statt.  (Fotos: Gerhard Jordan)

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, in der er auch auf die Entwicklung des Bereiches um den Spitz als repräsentatives Zentrum einging und dessen Bedeutung, die bis auf die Zeit vor der Eingemeindung nach Wien zurück geht, hervorhob. Bis jetzt waren es ja hauptsächlich gründerzeitliche Viertel im innerstädtischen Bereich gewesen, denen größere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.


Die Häuser Am Spitz 11 (ehemalige Gemeinde-Sparkasse aus 1894/95), 12 und 13 („Sild-Haus“, errichtet 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Weidenberg) sowie Prager Straße 1 (v.l.n.r.) liegen nun in der Ortsbild-Schutzzone im Zentrum Floridsdorfs. (Foto: Molly Wurth)

Zwar kam leider für die Gebäude der Pferdefleischerei Schuller in der Schwaigergasse 29-31 die am 23. September 2015 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Bausperre zu spät, aber in der nördlichen Floridsdorfer Hauptstraße wurden die teilweise auf die Zeit des Vormärz zurück gehenden Häuser nicht nur in die Schutzzone einbezogen, sondern auch deren Bauhöhe (großteils Bauklasse III mit 13,5 m) wurde reduziert (auf Bauklasse I mit 8,5 m), was Abrisse auch wirtschaftlich weniger lukrativ macht und somit der Erhaltung schützenswerter Bausubstanz dient.


Die Häuser Schwaigergasse 29 und 31, Teil des Ensembles Schwaigergasse, wurden leider kurz vor der Verhängung der Bausperre abgerissen (Fotos aus 2009).


Die Schwaigergasse 29-33 heute.


Teil der Schutzzone, auch mit Reduktion der gewidmeten Bauhöhe auf 8,5 Meter:  Floridsdorfer Hauptstraße 41 bis 45.

2.)  Bauordnungs-Novelle zum Schutz der gründerzeitlichen Bausubstanz

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, GRÜNEN und FPÖ eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude die bisher NICHT in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes“ beschränkt.

Im § 60 (1) ist nun festgelegt, dass nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig ist, sondern auch „der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden, wenn der Anzeige des Abbruchs gemäß § 62a Abs. 5a keine Bestätigung des Magistrats angeschlossen ist, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht“.
Spätestens 4 Wochen vor dem geplanten Beginn der Arbeiten ist vom Bauherrn der Abbruch schriftlich der Behörde anzuzeigen. Erst wenn eine Bestätigung der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgelegt wird, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht, kann mit einem Abbruch begonnen werden.

Dieser wichtige und von zivilgesellschaftlichen Initiativen seit langem geforderte Schritt hatte zur Folge, dass es in den Tagen vor dem Inkrafttreten Ende Juni 2018 zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam – teilweise wohl auch mit Spekulations-Absicht, um sich eine Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Objekte zu ersparen und nach Abrissen Platz für größere und gewinnbringende Neubauten zu schaffen. Teilweise wurden Abbrüche über Nacht sogar von Häusern begonnen, in denen noch MieterInnen wohnten.
Laut Medienberichten hat die Wiener Baupolizei in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Ein Beispiel dafür ist im Donaustädter Abschnitt der Donaufelder Straße zu sehen:
Bei dem 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer (für einen Oberlehrer aus Stadlau) errichteten Mehrfamilienhaus in der Donaufelder Straße 193, dessen Mittelrisalit spätsecessionistischen Dekor aufweist, wurde die Demolierung von der Rückseite her begonnen. AnrainerInnen und die grüne Donaustädter Klubobfrau Heidi Sequenz verständigten die MA 37, und so konnte auch dieses Juwel vorerst gerettet werden.

Der Abriss des spätgründerzeitlichen Hauses Donaufelder Straße 193 (errichtet 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer) wurde im Juli 2018 von der Baupolizei gestoppt.

Was den 21. Bezirks betrifft, so wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden, und brachten für die Bezirksvertretungssitzung am 12. September 2018 eine Anfrage ein.
In seiner Antwort nannte Bezirksvorsteher Papai 6 Gebäude im 21. Bezirk, bei denen die Baupolizei Anfang Juli die Einstellung eines Abbruchs verfügte.
4 dieser Objekte – auf dem Jedlersdorfer Platz 20, in der Prießnitzgasse 19, in der Rußbergstraße 60 und in der Theodor-Körner-Gasse 14 – waren zwar vor 1945 errichtet, es handelte sich jedoch nicht um Bauten aus der Gründerzeit, sondern zumeist aus den 1930er-Jahren. Daher wurden von der Behörde Bescheide ausgestellt, dass an der Erhaltung kein öffentliches Interesse besteht, und die Abrisse konnten schließlich fortgesetzt werden.

Anders war die Lage in den restlichen beiden Fällen, wo die Erhaltung der Objekte verfügt und der Abbruch gestoppt wurde. In der Anton-Störck-Gasse 83, nahe der Prager Straße, war bei einem wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden, und auch im Erdgeschoß sind die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen.


Abrisse verhindert:  Die Gründerzeithäuser Anton-Störck-Gasse 83 (oben) und Gerstlgasse 7 (unten) im 21. Bezirk.

In der Gerstlgasse 7 handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das laut Friedrich Achleitner („Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, Band III/3, Seite 191) im Jahr 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Vor allem im obersten Geschoß lässt sich der begonnene und gestoppte Abriss feststellen. Die Entscheidung der Baupolizei war in diesem Fall absolut richtig, denn das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/Neujedlersdorf, welches zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist (auch das Hotel Karolinenhof gehörte zu diesem Ortsbild).

Es ist zu hoffen, dass die beiden Objekte wiederhergestellt werden, und dass es mittelfristig dem Gesetzgeber gelingt, Bedingungen zu schaffen die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss, der oft in „gesichtslose Investoren-Architektur“ und in die Zerstörung bestehender Ensembles mündet.

Bezirksrat Gerhard Jordan 

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Gedenken an Roma auf Bezirksebene

Seit 15. Juni 2018 wird an die in Floridsdorf lebenden Lovara, Sinti und Roma nicht nur durch Straßennamen, sondern auch mit einer Gedenkstele erinnert – in der Franklinstraße, vor der „Business School“, auf dem Grünstreifen zwischen dem Hallenbad und dem Gymnasium Franklinstraße 26.


Die am 15. Juni 2018 enthüllte Gedenkstele in der Franklinstraße 24  (Fotos:  Gerhard Jordan).

Die Vorgeschichte

Dass der 21. Bezirk ein bevorzugter Aufenthalts- und Wohnort von Roma – vor allem der um 1920 aus Ungarn kommenden Lovara, die sich damals großteils als Pferdehändler betätigten – war, ist schon länger bekannt. Ein Antrag der Grünen aus dem Jahr 1996 in der Bezirksvertretung auf Benennung einer Verkehrsfläche nach dieser Volksgruppe führte 5 Jahre später zur Benennung von Lovaraweg – sowie auch von Romaplatz und Sintiweg – auf dem Bruckhaufen, nahe der Arbeiterstrandbadstraße.


1996 beantragt, 2001 benannt:  der von der Arbeiterstrandbadstraße zur Alten Donau führende Lovaraweg.

Romane Thana

Während sich ältere FloridsdorferInnen an die Roma auf dem Mühlschüttel und in anderen Teilen des Bezirkes noch erinnern können (noch heute leben Lovara bevorzugt in Floridsdorf, allerdings auf Wohnungen im ganzen Bezirk verteilt), so war dieser Teil der Bezirksgeschichte den jüngeren kaum bekannt. Hier leistete im Jahr 2015 die Ausstellung „Romane Thana. Orte der Roma und Sinti“ im „WIEN MUSEUM“ eine ganz wichtige Bewusstseinsarbeit. Zu den damaligen Rahmenveranstaltungen gehörten auch Spaziergänge, die Willi Silvester Horvath auf den Spuren der ehemaligen Wohnorte seiner Verwandten, die sich vor fast 100 Jahren als Pferdehändler auf dem Mühlschüttel niedergelassen hatten, abhielt.


Willi S. Horvath bei einer Exkursion des „WIEN MUSEUM“ in der Floridusgasse (2015).

Die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ schlug vor, eine Erinnerungsstätte zu schaffen, die auf den Ringelseeplatz (damals zwischen Ringelseegasse und Franklinstraße gelegen, dem bis 1965 dort befindlichen Fußballplatz des SR Donaufeld benachbart) hinweisen soll, der bis in die frühen 1960er-Jahre ein Treffpunkt verschiedener Roma-Gruppen aus mehreren Ländern Europas war. Nicht nur Lovara, sondern auch Sinti, Roma die entweder aus Jugoslawien oder 1956 nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution nach Österreich kamen, Durchreisende, „Jenische“, Schausteller-Familien aus Italien usw. hielten sich für kürzere oder längere Zeit hier auf. Erst ab etwa 1963 verschwand dieser Sammelpunkt, und es wurden in der Umgebung öffentliche Gebäude errichtet:  das Gymnasium (Nr. 26, errichtet 1963-66), die Handelsakademie (Nr. 24, 1964-66), das Hallenbad (Nr. 22, 1964-67) und der Kindergarten (Nr. 28, 1969-72).

Am 17. März 2016 unterstrich die Gedenkplattform ihre Forderung mit einer Kundgebung in der Franklinstraße, an die sich ein Gespräch mit ZeitzeugInnen im Gasthaus Birner anschloss. Die Grünen hatten bereits am 10. Februar 2016 in der Bezirksvertretung Floridsdorf einen Antrag auf Schaffung einer Erinnerungsstätte gestellt, der (gegen die Stimmen der FPÖ) der Kultur- und Benennungskommission zugewiesen wurde.
Mit Unterstützung des Bezirks kümmerten sich der Vorsitzende der Kommission, Bezirksrat Kurt Schmidt (SPÖ) und Bezirksrat Gerhard Jordan (GRÜNE) in den folgenden beiden Jahren um die Umsetzung. Ein Antrag an die KÖR („Kunst im öffentlichen Raum GmbH“) zur Ausschreibung eines KünstlerInnen-Wettbewerbs wurde schließlich an die Magistratsabteilung 7 (Kulturamt der Stadt Wien) verwiesen, die die Errichtung einer Stele in ihrem bewährten sogenannten „WIENKL-Design“ vorschlug.

Mit Hilfe von Willi Horvath wurde Kontakt mit der Roma-Community aufgenommen, ein Text formuliert und abgestimmt, und die Dienststellen der Stadt Wien prüften bei einer Ortsverhandlung den Standort. Der Termin der Enthüllung wurde, nachdem die Bezirksvorstehung von einem geplanten viertägigen Fest des Kulturvereins „Romano Svato“ erfahren hatte, mit diesem zusammengelegt, um entsprechende Synergien zu nutzen.

Die Enthüllung

Die Enthüllung fand am 15. Juni 2018 statt, und es nahmen zwischen 100 und 200 Menschen daran teil – auch zwei Schulklassen aus dem GRG 21, Franklinstraße 21. Zahlreiche VertreterInnen aus der Roma-Community (Verein Lovara Österreich, Romano Centro, Kulturverein österreichischer Roma, Romano Svato, romblog.at, etc.), MandatarInnen von 5 Parteien der Floridsdorfer Bezirksvertretung, AktivistInnen der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“ und interessierte AnrainerInnen waren gekommen.

Die Reden von Willi S. Horvath, Gerhard Jordan, Nuna Stojka (Schwiegertochter der 2013 verstorbenen Malerin und Autorin Ceija Stojka) und Bezirksvorsteher Georg Papai begleitete die Gruppe „Amenza Ketane“ (mit Hojda Stojka, dem Sohn von Ceija) musikalisch.


Auch Medieninteresse war gegeben  (Fotos: Molly Wurth).


Willi Silvester Horvath sprach über die Vergangenheit seiner Familie und über die gesellschaftliche Rolle der Lovara auf dem Mühlschüttel in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.


„Amenza Ketane“ steuerte Musik der Lovara zu der Feier bei.


Gerhard Jordan erzählte, wie sich die Erinnerungskultur im Bezirk entwickelt hat und wies auf den günstigen Zeitpunkt der Enthüllung der Stele hin: einerseits rechtzeitig zum 25. Jahrestag der Anerkennung der österreichischen Roma, Sinti und Lovara als Volksgruppe, andererseits als wichtiges Zeichen in einer Zeit, wo wieder verstärkt „Sündenböcke“ gesucht werden.


Nuna Stojka erinnerte an ihre Schwiegermutter Ceija und appellierte an den gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Bezirksvorsteher Georg Papai erläuterte die Rolle des Bezirks und der Kulturkommission beim Zustandekommen der Stele.


Die feierliche Enthüllung (v.l.n.r.: Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, Kulturkommissions-Vorsitzender Bezirksrat Kurt Schmidt, Bezirksrat Gerhard Jordan und Bezirksvorsteher Georg Papai aus Floridsdorf; ganz rechts Grüne Donaustadt-Klubobfrau Bezirksrätin Heidi Sequenz, Mitbegründerin der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“).


AktivistInnen der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“ mit Nuna Stojka nach der Enthüllung der Stele.

 

Gedenken an den 12. März 2018 in Aspern: Noch vor dem „Anschluss“ kam Himmler

Am 12. März 1938 kurz vor 5 Uhr landete der Reichsführer SS Heinrich Himmler am damaligen Flugfeld Aspern (wo sich heute die Seestadt befindet) mit etwa 50 seiner engsten Mitarbeiter, darunter dem Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich, um in einer ersten Verhaftungswelle die ohnehin schon stark nationalsozialistisch unterwanderte österreichische Polizei zu „säubern“ und gleichzuschalten.
Aus diesem Anlass organisierte die
„Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ am 12. März 2018 – genau 80 Jahre danach – am ehemaligen Flugfeld ihre seit 2012 bereits siebente Gedenkveranstaltung.

Beim Treffpunkt vor der U2-Endstation „Seestadt“ fanden sich trotz Regens etwa 70-80 Personen ein, darunter der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy und die stellvertretende Bezirksvorsteherin Ilse Fitzbauer aus Floridsdorf, zahlreiche VertreterInnen von SPÖ, GRÜNEN, NEOS, KPÖ und der Zivilgesellschaft.


Oben:  Der Treffpunkt bei der U2-Station „Seestadt“  (Fotos: Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien).
Unten (v.l.n.r.):  Andreas Konecny, Bernhard Gaishofer, Gerhard Jordan, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, Heinz Berger, Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy.

Nach dem kurzen Weg zum Gedenkwald sprach Gerhard Jordan über die Entstehung und die bisherigen Aktivitäten der Plattform. Unter anderem erwähnte er, dass sich die Forderung der Gedenkplattform-Kundgebung von 2016, nämlich ein Objekt zur Erinnerung an die bis Anfang der 1960er-Jahre beim Ringelseeplatz auf dem Mühlschüttel im 21. Bezirk lebenden Lovara, Sinti und Roma aufzustellen, in Umsetzung befindet und die Enthüllung in der Franklinstraße für Juni vorgesehen ist.


Reden von Gerhard Jordan (oben) und Heidi Sequenz (unten).

Heidi Sequenz bot einen Überblick über die Geschichte des Gedenkwaldes östlich der Seestadtstraße: 1987 wurde von Schülerlnnen im Andenken an die 65.000 Wiener jüdischen Opfer der Shoah jeweils ein Baum für jedes Opfer gepflanzt. 1988 wurde ein Gedenkstein in Erinnerung an die Ermordeten errichtet.


Der im Jahr 1988 errichtete Gedenkstein.

2015 stellten die Donaustädter Grünen in der Bezirksvertretung einen Antrag auf Errichtung eines Denkmals für die ZwangsarbeiterInnen, die beim Ausbau des Flughafens Aspern im zweiten Weltkrieg hier eingesetzt wurden. 2017 wurden schließlich zwei von Peter Pirker gestaltete Gedenkstege errichtet, in die 18 schmale Metalltafeln eingelassen sind, in die die Geschichte des Flugfeldes und der nationalsozialistischen Gewalt eingraviert ist.


Der 2017 errichtete Gedenksteg von der „Seestadt“ zum Gedenkwald.

Andreas Konecny von der Baugruppe „Que[e]rbau“ erzählte die dramatische Fluchtgeschichte der Familie Rothschild, die 1938 in Aspern beinahe gescheitert wäre.

Nach einem kurzen gemeinsamen Fußweg versammelten sich die TeilnehmerInnen im Nachbarschaftstreff „Yella Yella!“ der Baugruppe „Que[e]rbau“ in der Maria-Tusch-Straße 2.
Dort sprach der Historiker Heinz Berger über die
Geschichte des Flugfeldes und Querbezüge zur NS-Gewaltherrschaft, untermalt von einigen historischen Fotos und einem historischen Film.


Heinz Berger bei seinem Vortrag im Nachbarschaftstreff „Yella Yella!“.

Bernhard Gaishofer von der KPÖ Donaustadt stellte mit seinen Ausführungen zur FPÖ-Ablehnung von Straßenbezeichnungen nach NS-Opfern, zu rechten Tendenzen und zum Donaustädter Burschenschafter Martin Graf im Nationalrat den Bezug zur Gegenwart wieder her.


Bernhard Gaishofer sprach aktuelle rechtsextreme Tendenzen an.

Abschließend präsentierte Hilde Grammel von der Baugruppe die im Lokal befindliche aktuelle Ausstellung über die Frauenrechtlerin und Friedenskämpferin Yella Hertzka (1873-1948) und erzählte über ihr Leben und ihren Weg ins Exil im Jahr 1939. Nach ihr ist nämlich der an das Bauprojekt angrenzende Park im Westen der „Seestadt“ benannt.


Hilde Grammel bei der Präsentation der Ausstellung über Yella Hertzka.

Gedenkplattform Transdanubien: 80 Jahre nach dem 12. März 1938

Die 2011/12 von engagierten BürgerInnen, von AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft und Initiativen sowie Mitgliedern politischer Parteien der Bezirke 21 und 22 gegründete „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ organisiert auch 2018, im 80. Jahr des „Anschlusses“, eine Veranstaltung, die an die Ereignisse des Jahres 1938, die in der Folge in den Zweiten Weltkrieg und in den Mord an Millionen Menschen führen sollten, zu erinnern. Gerade in einer Zeit, in der Mitglieder deutschnationaler und rechtsextremer Burschenschaften in staatliche Funktionen aufrücken, ist Information über die Vergangenheit, über die Opfer und über die Rolle der Täter, mehr denn je vonnöten.

Das Gebiet der heutigen „Seestadt Aspern“, damals ein Flughafen, war der erste Schauplatz, an dem die Besetzung Österreichs in den frühen Morgenstunden ihren Anfang nahm – mit der Landung des „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler, der sofort mit der rücksichtslosen Verfolgung von Oppositionellen und GegnerInnen des NS-Regimes begann.
Bei dem 1987 angelegten Gedenkwald nahe der Seestadtstraße mit dem 2017 errichteten „Gedenk-Steg“, sowie anschließend im „NachbarInnen-Treff“ der Baugruppe „que(e)rbau“ wird über die Vorgänge des Jahres 1938 informiert.

Treffpunkt:  Montag, 12. März 2018,  17 Uhr,  U2-Endstelle „Seestadt“.
Download:  EINLADUNG

Einige der BISHERIGEN AKTIVITÄTEN der Gedenkplattform:
2014.  Lesung mit Erinnerungen an Donaufeld  mit dem Zeitzeugen Univ.-Prof. Peter Weinberger
2015:  70 Jahre Befreiung Transdanubiens – Gedenkwanderung zu Stätten der Verfolgung und des Terrors
2016   Gedenken an die Lovara, Sinti und Roma im Bereich des Ringelseeplatzes  (voraussichtlich im Juni 2018 wird eine damals geforderte Erinnerungsstätte in Form einer Gedenkstele in der Franklinstraße errichtet werden – siehe unten, NACHTRAG)https://donaufeld.wordpress.com/2016/03/20/gedenken-an-die-lovara-sinti-und-roma-im-bereich-des-ringelseeplatzes/
2017:  Anni Haider – eine antifaschistische Widerstandskämpferin in Kaisermühlen  Videofilm aus 1983, in dem die Zeitzeugin interviewt wurde
NACHTRAG:

20 Jahre „FrauenWerkStadt“

In den 1990er-Jahren wurden im 21. Bezirk einige Innovationen im Wohnbau ausprobiert. Vor allem Donaufeld war hier ein Brennpunkt.
Eines der bekanntesten damals realisierten Pilotprojekte war die sogenannte „FrauenWerkStadt“, die später offiziell Schütte-Lihotzky-Hof benannt wurde – nach der Ehrenvorsitzenden der Jury, der damals fast 100-jährigen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000).


„FrauenWerkStadt“ bzw. Margarete-Schütte-Lihotzky-Hof,  Bauteil der Wohnbauvereinigung der Privatangestellten, Carminweg 6  (Fotos: Gerhard Jordan).

Das Besondere an der ab 1992 geplanten und 1995-1997 errichteten Wohnanlage im Bereich Donaufelder Straße 99/Carminweg 6 und 8 mit 357 Wohnungen (ein Bauteil von der Gemeinde Wien und einer von der Wohnbauvereinigung der Privatangestellten):  die Planung erfolgte durch vier Frauen – die Architektinnen Liselotte Peretti, Gisela Podreka, Elsa Prochazka und Franziska Ullmann. Weitere an der Umsetzung beteiligte Frauen waren die Landschaftsarchitektin Maria Auböck (zuständig für die Freiraumgestaltung), die damalige Direktorin der WBV-GPA Elisabeth Weihsmann und als Initiatorin die damalige Leiterin der MA 57 (Frauenförderung) Eva Kail.


MieterInnen-Vertreter Alois Seiz (rechts) mit beteiligten Frauen aus der Entstehungszeit des Wohnprojekts:  v.l.n.r. Elsa Prochazka, Gisela Podreka, Franziska Ullmann und Eva Kail.

Das Konzept der „Frauen-Werk-Stadt“ besteht in der Planung einer Anlage unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen von Haus- und Familienarbeit, einer angstfreien Ausgestaltung sowohl der Innen- als auch der Außenräume, der MieterInnenmitbestimmung in der Planungsphase sowie der Schaffung vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten aufgrund der Infrastruktur. Bei der Lage der „Hausnebenräume“ (Kinderwagenabstellraum, Waschküche, etc.), der Hauseingänge, der Wegeführung (z.B. zu den Kleinkinderspielflächen), der Orientierung der Aufenthaltsräume, der Beleuchtung und bei vielen anderen Details wurde auf dieses Konzept Rücksicht genommen.


„FrauenWerkStadt“, Bauteil der Gemeinde Wien, Ecke Donaufelder Straße 99 (oben) und Carminweg 8 (unten).

In der Anlage befinden sich u.a. ein Kindergarten, Wohnungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Geschäftslokale, Arztpraxen, eine Apotheke und ein Polizeiwachzimmer.

Am 1. Dezember 2017 wurde das 20jährige Bestehen der Wohnanlage gefeiert.

Alois Seiz, der Vorsitzende des Mieterbeirates, organisierte aus diesem Anlass ein kleines Fest im Innenhof, mit Punsch, Maroni und selbst gemachten Köstlichkeiten.

Zahlreiche damals Beteiligte kamen und berichteten aus ihren Erinnerungen. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Bezirksvorsteher Georg Papai betonten die Wichtigkeit des sozialen Wohnbaus und wiesen darauf hin, was sich in den letzten zwei Jahrzehnten zum Positiven verändert hat.


Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hob die Bedeutung des Projektes „FrauenWerkStadt“ hervor.

Zum Abschluss sprach auch ein „Bewohner der ersten Stunde“, der grüne Bezirksrat Heinz Berger. Er informierte über die bevorstehende Widmung des ersten Teils des Stadterweiterungsgebietes Donaufeld und über die Chancen, die sich aus dieser neuen Nachbarschaft ergeben können.


Bezirksrat und Bewohner Heinz Berger bei seiner Ansprache.

Die Floridsdorfer Grünen gratulierten den BewohnerInnen mit einer feministischen Geburtstags-Torte, die Bezirksrätin Gabriele Tupy besorgt hatte.

 


Alois Seiz und Bezirksvorsteher Georg Papai (Mitte) mit Festgästen.

Aus grüner Sicht noch eine kleine Fußnote:
Bei der Europaparlamentswahl am 13. Juni 1999 umfasste der Wahlsprengel 177 die 12 Stiegen der Anlage Carminweg 6. Die Grünen erhielten dort sensationelle 43,27% der Stimmen. Dies war damals der zweithöchste Grün-Anteil aller Wahlsprengel Wiens!  Auch in Floridsdorf wurde er seither nicht mehr übertroffen. Der Widerstand gegen die damals hinter der Wohnanlage errichtete Bundesstraße B3 mag zu diesem Ergebnis beigetragen haben.


Heinz Berger mit einem historischen Foto, das die Architektinnen mit der Jury-Ehrenvorsitzenden Margarete Schütte-Lihotzky zeigt.

 

Floridsdorf-Tipps

Zwei interessante Neu-Erscheinungen befassen sich auf kritisch-originelle Weise mit dem 21. Bezirk und seinen sehens- und hörenswerten Seiten.

TIPP  1

Am 6. November 2017 wurde im Gasthaus Birner das vom Aktionsradius Augarten in der Reihe StadtFlanerien Wien herausgegebene HÖRBUCH FLORIDSDORF präsentiert.

Auf rund 68 Minuten gibt es allgemeine Infos und Fakten über den Bezirk (gesprochen von der Projekt-Initiatorin Carola Timmel) und dazwischen Interviews mit in Floridsdorf aufgewachsenen Persönlichkeiten sowie einige Auszüge aus Liedern, in denen ein Bezirksbezug vorkommt – z.B. von Ernst Molden („De Beag“ – Bisamberg), Willi Resetarits („Floridsdorfer Bahnhof“ – Franz-Jonas-Platz) oder dem Nino aus Wien („Am heißesten Tag des Sommers“ – Alte Donau).


Carola Timmel, Initiatorin der „Hörbuch-Reihe“, und Uschi Schreiber vom „Aktionsradius Augarten“ bei der Präsentation im Gasthaus Birner am 6. November 2017  (Fotos: Gerhard Jordan).

Die älteste interviewte „Zeitzeugin“ ist die 88-jährige Christiane Schönborn-Buchheim, Tochter von Manfred Mautner-Markhof, die im Gebäude des heutigen Bezirksmuseums aufgewachsen  ist und sich an die damals dort befindliche Brauerei St. Georg erinnert.
Inputs gibt es auch über die Industriegeschichte Floridsdorfs (Historiker Hans Hautmann), den Weinbau (Winzer Peter Ullreich), die Flora und Fauna des Bisambergs (Landschaftsplaner Heinz Wiesbauer), die Veränderung des Stadtbildes und den „Identifikationspunkt Donau“ (Zirkuspädagogin Ruth Schleicher), den Floridsdorfer Fußball (Trainer Peter Pacult) und über die Geschichte des Bruckhaufens der einst eine Mülldeponie war (von Willi Resetarits, der dort aufwuchs).

Ein weiteres Interview aus dem „Hörbuch“ – jenes mit dem Musikproduzenten Stefan Redelsteiner, der u.a. den „Nino aus Wien“ (der seine Wurzeln im 22. Bezirk hat) entdeckte – wurde auch bei der Präsentation im Gasthaus Birner „live“ geführt. Stefan Redelsteiner, geb. 1982, wuchs in Großjedlersdorf auf. Seine Kindheitserinnerungen sind positiv – vor allem wegen der vielen Grün- und Freiflächen die es gab -, dies ändert sich jedoch mit dem Teenager-Alter, als der Mangel an „guten Fortgehlokalen“ und für Jugendliche interessanten „Szene-Hot spots“ merkbar wurde. Mit 20 Jahren kehrte er Floridsdorf den Rücken. Heute lebt er im 5. Bezirk und merkt bei jedem Besuch, dass sich wieder irgendwo ein großes Stück verändert hat.
Interessant auch das anschließende Gespräch von Uschi Schreiber (Aktionsradius Augarten) mit Nino, den sie in den 1990er-Jahren, als das „Kulturnetz“, bei dem sie damals tätig war, im Stadterweiterungsgebiet Süßenbrunner Straße Veranstaltungen organisierte, erstmals traf (er war damals noch ein Kind).


Höhepunkt des Abends:  Der Auftritt des „Nino aus Wien“.

 

TIPP 2

Am 14. November 2017 stellte der im Gemeindebau Autokaderstraße aufgewachsene und heute in Großjedlersdorf wohnende Journalist Mag. Uwe Mauch im voll besetzten Festsaal des Amtshauses sein Buch DAS ALTE FLORIDSDORF (Edition Winkler-Hermaden) vor, in dem er historische Fotos – großteils aus dem Fundus des Bezirksmuseums – mit aktuellen und höchst interessanten Erklärungen versehen hat.


Uwe Mauch mit dem Cover seines Floridsdorf-Buchs bei der Präsentation am 14. November 2017.

In seiner Präsentation erwähnte er den aus Niedersachsen stammenden Statthalter Erich von Kielmannsegg (dessen Vision im ausgehenden 19. Jahrhundert die „Niederösterreichische Landeshauptstadt Floridsdorf“ war) und verschiedene wenig bekannte Fakten über den 21. Bezirk. Viele davon – z.B. dass der jüdische Fußballverein „Hakoah“ von 1909-1922 bei der Alten Donau spielte – sind in dem 96-seitigen Buch zu finden.
Hervorzuheben ist, dass sich die Texte von Uwe Mauch – etwa in den Kapiteln „Straßen.Züge“ oder „Kultur.Gut“ – durch ihre kritische Herangehensweise von einigen „konventionell-heimatkundlichen“ positiv abheben.

Bei der Buchpräsentation sprach auch der in der Schwarzlackenau wohnende Historiker und Kulturwissenschafter Univ.-Doz. Dr. Matthias Marschik.
Er stellte fest, dass JournalistInnen aus „Zentral-Wien“ oft über Floridsdorf Stereotype verbreiten, ohne den Bezirk zu kennen und kritisierte das „Flach-Machen der Flächenbezirke“. Seine Feststellung „Wir sind eigentlich Cisdanubien“ zeugt jedenfalls von einem selbstbewussten Herangehen an die Lokalgeschichte.


Im Gespräch mit dem Historiker Dr. Matthias Marschik.

Beide hier vorgestellten Werke können in der  Buchhandlung Am Spitz  erworben werden.

„Station der Erinnerung“ in der Donaufelder Straße

Der  Verein „Steine der Erinnerung“  widmet sich seit 2005 dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, die er durch metallene Tafeln (an Hauswänden oder im Gehsteig eingesetzt) mit Namen und Geburts-/Sterbe-Datum an Orten, wo sie gewohnt hatten, vor dem Vergessenwerden bewahrt.


Daliah Hindler und Matthias Beier vom Verein „Steine der Erinnerung“  (Foto: Gerhard Jordan).

Die Initiative geht zumeist von Angehörigen aus. Bis heute wird auf diese Weise an rund 1.600 vom NS-Regime Ermordete erinnert.

Während es in der Leopoldstadt Dutzende solcher „Stationen der Erinnerung“ gibt, sind diese in Floridsdorf nur vereinzelt zu finden – eine zentrale wurde  im November 2013  auf dem Hoßplatz vor dem Joseph-Samuel-Bloch-Park eröffnet.

Eine weitere folgte nun am 21. Juni 2017, und zwar in der Donaufelder Straße 19.

An dieser Adresse befand sich vor dem „Anschluss“ 1938 das Möbelhaus von Bernhard Herškovics, der mit seiner Frau Hermine fünf Kinder hatte und schon 1933 starb.


Das Möbelgeschäft Herškovics vor 1938  (Foto: privat/Verein „Steine der Erinnerung“).

Seine jüngste Tochter, Sidonie, wurde am 3. April 1915 geboren. Sie war das einzige Mitglied dieser Floridsdorfer jüdischen Familie, das während der Nazi-Herrschaft in Wien blieb, weil sie auf die Freilassung ihres Verlobten, der zur Zwangsarbeit eingezogen worden war, hoffte.


Sidonie Herškovics, 1915-1942  (Foto: privat/Verein „Steine der Erinnerung“).

Die vier Geschwister und die Mutter (alle lebten zunächst in der Donaufelder Straße) waren ab den späten 1920er-Jahren bis 1938 in die USA, nach Palästina, nach China bzw. in die Schweiz und von dort nach Australien emigriert.

Bald kam Sidonie unter die Räder der NS-Terrormaschinerie. Zunächst wurde sie in eine Sammelwohnung im 2. Bezirk übersiedelt und schließlich am 17. August 1942 in einem Viehwaggon nach Maly Trostinec (bei Minsk, heute Weißrussland) deportiert, wo sie in einem Wald am 21. August erschossen wurde.

Bei der Gedenkfeier, bei der Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer Grußworte überbrachte und VertreterInnen des Vereins die Bedeutung des Erinnerns betonten, sprach auch Gary Hearst, der Neffe von Sidonie Herškovics. Er war mit seiner Frau aus Australien, wohin sein Vater Johannes (ein Bruder von Sidonie) im Jahr 1939 ausgewandert war, nach Wien gekommen.


Neffe Gary Hearst bei seiner Ansprache  (Foto: Gerhard Jordan).

Ein berührender Moment war, als er für seine Tante, die er nicht mehr persönlich kennenlernen konnte, das jüdische Totengebet Kaddisch sprach.


Gary Hearst (2.v.l.), Mitglieder des Vereins „Steine der Erinnerung“ und BezirkspolitikerInnen bei der Eröffnung  (Foto: Brigitte Parnigoni).

Danach wurden bei der neuen Tafel Blumen niedergelegt.


Gary Hearst mit seiner Frau bei der „Station der Erinnerung“  (Foto: Gerhard Jordan).

Das Haus, in dem sich das Möbelgeschäft der Famile Herškovics befand, wurde im Krieg zerstört und 1962/63 wieder aufgebaut. Heute befindet sich im Erdgeschoß eine Pizzeria.


Das Gebäude Donaufelder Straße 19 heute  (Foto: Gerhard Jordan).

Frühjahr 2017: Es tut sich was in Donaufeld

Grüne „Radrettung“

Alle Jahre wieder freuen sich RadlerInnen auf die „Grüne Radrettung“ – ein  Gratis-Fahrradcheck, der von den Wiener Grünen an zahlreichen Plätzen der Stadt von Frühjahr bis Herbst angeboten wird. Auch der 21. Bezirk ist stets dabei.  Am 29. April waren die FahrradmechanikerInnen beim „Campus Donaufeld“ in der Donaufelder Straße 73 im Einsatz und hatten alle Hände voll zu tun.


Alle Hände voll zu tun für die „Radrettung“  (Fotos: Grüne Floridsdorf).


Besuch in der „Autofreien Mustersiedlung“

In der „Autofreien Mustersiedlung“, Nordmanngasse 25-27, haben wieder die an einem Samstag im Monat abgehaltenen  Ab Hof-Märkte  begonnen. Ende April besuchte eine Gruppe von Abgeordneten aus der Region Stuttgart, die sich Wohnprojekte in Wien (u.a. die Seestadt Aspern) ansah, die AFS und wurde von der engagierten Bewohnerin Gerda Daniel durch die Anlage geführt – vom Keller bis zum Dach. 20 Jahre nach der Grundsteinlegung ist das internationale Interesse an diesem Projekt immer noch ungebrochen.


Ausstellung über geplante Umwidmung

Der Entwurf der  neuen Flächenwidmung  für den Bereich westlich der Dückegasse – also die erste Phase des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld, im östlichen Teil der Leopoldauer Haide, ging am 27. April 2017 in die öffentliche Auflage, die bis 8. Juni dauert. In dieser Zeit können alle Interessierten ihre Stellungnahmen abgeben, auch online.


Am 4. und 5. Mai wurde am „Infopoint“ des Beteiligungsverfahrens, Ecke An der Schanze/Dückegasse, eine Ausstellung mit den Plänen gezeigt, die an diesen beiden Tagen von über 200 Interessierten besucht wurde. Auch ExpertInnen der Magistratsabteilung 21 standen für Auskünfte zur Verfügung.

 

Grätzl-Rundgang Mühlschüttel

Ein bezirksgeschichtlicher Grätzlrundgang mit Gerhard Jordan durch den Mühlschüttel, veranstaltet vom  Bildungszentrum Floridsdorf  am 25. März, musste diesmal wegen des großen Interesses am 22. April wiederholt werden.


Die insgesamt rund 50 TeilnehmerInnen wurden über die Entstehung und Entwicklung des heutigen Bezirksteils informiert, durch den bis vor rund 180 Jahren noch ein kleiner Donauarm floss (dessen Verlauf am Freiligrathplatz teilweise noch im Gelände erkennbar ist), erfuhren Details über interessante Bauwerke und entdeckten einige der leider immer weniger werdenden Spuren des „alten Mühlschüttels“.