Gute Nachrichten für das Stadtbild: Schutzzone Am Spitz beschlossen; Bauordnungs-Novelle stoppt Abrisse auch in Transdanubien

Zwei positive Entwicklungen im Bereich Stadtbildschutz waren in den letzten  Monaten in Wien zu verzeichnen.

1.)  Schutzzone im Zentrum Floridsdorf

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig das Plandokument Nr. 8216 und damit die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um das Amtshaus am Floridsdorfer Spitz.
Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk 2010/11  über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses 2014  gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments vom 12. März bis 24. Mai 2018 (inklusive begleitender Informations-Ausstellung im Haus der Begegnung Floridsdorf am 3. Mai) und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni über acht Jahre hinzog, abgeschlossen.


Am 3. Mai 2018 fand im Haus der Begegnung eine Informations-Ausstellung statt.  (Fotos: Gerhard Jordan)

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, in der er auch auf die Entwicklung des Bereiches um den Spitz als repräsentatives Zentrum einging und dessen Bedeutung, die bis auf die Zeit vor der Eingemeindung nach Wien zurück geht, hervorhob. Bis jetzt waren es ja hauptsächlich gründerzeitliche Viertel im innerstädtischen Bereich gewesen, denen größere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.


Die Häuser Am Spitz 11 (ehemalige Gemeinde-Sparkasse aus 1894/95), 12 und 13 („Sild-Haus“, errichtet 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Weidenberg) sowie Prager Straße 1 (v.l.n.r.) liegen nun in der Ortsbild-Schutzzone im Zentrum Floridsdorfs. (Foto: Molly Wurth)

Zwar kam leider für die Gebäude der Pferdefleischerei Schuller in der Schwaigergasse 29-31 die am 23. September 2015 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Bausperre zu spät, aber in der nördlichen Floridsdorfer Hauptstraße wurden die teilweise auf die Zeit des Vormärz zurück gehenden Häuser nicht nur in die Schutzzone einbezogen, sondern auch deren Bauhöhe (großteils Bauklasse III mit 13,5 m) wurde reduziert (auf Bauklasse I mit 8,5 m), was Abrisse auch wirtschaftlich weniger lukrativ macht und somit der Erhaltung schützenswerter Bausubstanz dient.


Die Häuser Schwaigergasse 29 und 31, Teil des Ensembles Schwaigergasse, wurden leider kurz vor der Verhängung der Bausperre abgerissen (Fotos aus 2009).


Die Schwaigergasse 29-33 heute.


Teil der Schutzzone, auch mit Reduktion der gewidmeten Bauhöhe auf 8,5 Meter:  Floridsdorfer Hauptstraße 41 bis 45.

2.)  Bauordnungs-Novelle zum Schutz der gründerzeitlichen Bausubstanz

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, GRÜNEN und FPÖ eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude die bisher NICHT in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes“ beschränkt.

Im § 60 (1) ist nun festgelegt, dass nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig ist, sondern auch „der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden, wenn der Anzeige des Abbruchs gemäß § 62a Abs. 5a keine Bestätigung des Magistrats angeschlossen ist, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht“.
Spätestens 4 Wochen vor dem geplanten Beginn der Arbeiten ist vom Bauherrn der Abbruch schriftlich der Behörde anzuzeigen. Erst wenn eine Bestätigung der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgelegt wird, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht, kann mit einem Abbruch begonnen werden.

Dieser wichtige und von zivilgesellschaftlichen Initiativen seit langem geforderte Schritt hatte zur Folge, dass es in den Tagen vor dem Inkrafttreten Ende Juni 2018 zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam – teilweise wohl auch mit Spekulations-Absicht, um sich eine Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Objekte zu ersparen und nach Abrissen Platz für größere und gewinnbringende Neubauten zu schaffen. Teilweise wurden Abbrüche über Nacht sogar von Häusern begonnen, in denen noch MieterInnen wohnten.
Laut Medienberichten hat die Wiener Baupolizei in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Ein Beispiel dafür ist im Donaustädter Abschnitt der Donaufelder Straße zu sehen:
Bei dem 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer (für einen Oberlehrer aus Stadlau) errichteten Mehrfamilienhaus in der Donaufelder Straße 193, dessen Mittelrisalit spätsecessionistischen Dekor aufweist, wurde die Demolierung von der Rückseite her begonnen. AnrainerInnen und die grüne Donaustädter Klubobfrau Heidi Sequenz verständigten die MA 37, und so konnte auch dieses Juwel vorerst gerettet werden.

Der Abriss des spätgründerzeitlichen Hauses Donaufelder Straße 193 (errichtet 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer) wurde im Juli 2018 von der Baupolizei gestoppt.

Was den 21. Bezirks betrifft, so wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden, und brachten für die Bezirksvertretungssitzung am 12. September 2018 eine Anfrage ein.
In seiner Antwort nannte Bezirksvorsteher Papai 6 Gebäude im 21. Bezirk, bei denen die Baupolizei Anfang Juli die Einstellung eines Abbruchs verfügte.
4 dieser Objekte – auf dem Jedlersdorfer Platz 20, in der Prießnitzgasse 19, in der Rußbergstraße 60 und in der Theodor-Körner-Gasse 14 – waren zwar vor 1945 errichtet, es handelte sich jedoch nicht um Bauten aus der Gründerzeit, sondern zumeist aus den 1930er-Jahren. Daher wurden von der Behörde Bescheide ausgestellt, dass an der Erhaltung kein öffentliches Interesse besteht, und die Abrisse konnten schließlich fortgesetzt werden.

Anders war die Lage in den restlichen beiden Fällen, wo die Erhaltung der Objekte verfügt und der Abbruch gestoppt wurde. In der Anton-Störck-Gasse 83, nahe der Prager Straße, war bei einem wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden, und auch im Erdgeschoß sind die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen.


Abrisse verhindert:  Die Gründerzeithäuser Anton-Störck-Gasse 83 (oben) und Gerstlgasse 7 (unten) im 21. Bezirk.

In der Gerstlgasse 7 handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das laut Friedrich Achleitner („Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, Band III/3, Seite 191) im Jahr 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Vor allem im obersten Geschoß lässt sich der begonnene und gestoppte Abriss feststellen. Die Entscheidung der Baupolizei war in diesem Fall absolut richtig, denn das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/Neujedlersdorf, welches zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist (auch das Hotel Karolinenhof gehörte zu diesem Ortsbild).

Es ist zu hoffen, dass die beiden Objekte wiederhergestellt werden, und dass es mittelfristig dem Gesetzgeber gelingt, Bedingungen zu schaffen die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss, der oft in „gesichtslose Investoren-Architektur“ und in die Zerstörung bestehender Ensembles mündet.

Bezirksrat Gerhard Jordan 

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Baugruppen-Initiativen in Donaufeld

Bei der Umwidmung des östlichen Teils des Stadterweiterungsgebiets Donaufeld – westlich der Dückegasse, bis einschließlich des Grünzug-Abschnittes zwischen Donaufelder Straße und Alter Donau – im Wiener Gemeinderat wurde am 15. Dezember 2017 (gegen die Stimmen von FPÖ, ÖVP und NEOS) ein Beschlussantrag angenommen, der die Reservierung eines Bauplatzes im sogenannten „Ereignisband“ für ein Baugruppen-Projekt vorsieht.


Im Bereich des Straßenzugs An der Schanze soll das künftige „Ereignisband“ liegen  (Foto: Gerhard Jordan).

Derzeit gibt es zwei Baugruppen-Initiativen, die sich für das Stadtentwicklungsgebiet Donaufeld bewerben wollen:

„TREIBHAUS DONAUFELD“

Das Donaufeld zeichnet sich durch seine Nähe zur Stadt und zur Natur aus. Besonders die in Fußwegdistanz gelegene Alte Donau bietet Erholungsraum zum Entdecken in unmittelbarer Nachbarschaft.
Hier plant das „Treibhaus Donaufeld“ – eine Baugemeinschaft – ein offenes und ökologisches Haus, mit dem Ziel ein Stück Heimat in der Stadt zu schaffen. Denn Heimat bedeutet für sie Verbundenheit mit den Menschen in der Umgebung, mit der Stadt mit der Natur.


Grafik: Sandbichler Architekten.

Die zukünftigen Bewohner*innen des Treibhauses suchen noch Mitgestalter*innen die offen für ökologische und kreative Ideen bei der Umsetzung des Hauses sind, eine Hausgemeinschaft schätzen und zu dieser aktiv beitragen möchten.

Der nächste Kennenlern- und Infoabend findet am 13. September 2018 um 18:30 Uhr im „realitylab“, Ernst-Melchior-Gasse 11/1/G1 (Eingang: Jakov-Lind-Straße), 1020 Wien, statt.

Um Anmeldung unter  info@treibhausdonaufeld.at  wird gebeten!
Mehr Informationen zum Projekt unter  www.treibhausdonaufeld.at .

 

„ZUSAMMEN_BAUEN“

Inspiriert von „Que[e]rbau“ in der Seestadt Aspern, hat sich die Initiative für Baugruppen im Donaufeld im Februar 2015 vor Ort vorgestellt, um ihre Gedanken zu einem künftigen Gemeinschaftshaus zu formulieren. Ihr Motto lautet: „Jede_r für sich und manches zusammen…“ –  Que[e]rbau steht für Vielfalt und Offenheit: d.h. diverse Formen des Zusammenlebens, individuelles Mitgestalten bei der eigenen Wohnung und gemeinsame Erarbeitung der gemeinschaftlich genutzten Räume. Mit dem Augenmerk auf die Leistbarkeit der Wohnform, soll möglichst jede_r mitmachen können.

Wohnen in einer guten Nachbarschaft fördert im Alltag das Tauschen und Teilen. Wieviel jede_r zu gemeinschaftlichen Themen beitragen kann, ist aufgrund der privaten bzw. familiären Situation unterschiedlich. Es werden Methoden gefunden, wie Entscheidungen getroffen werden und welches Engagement jede_r aufbringen kann. In den gemeinsamen Treffen spielen neben den Gemeinschaftsthemen und der Diversität auch die Architektur, die Mobilität und der Freiraum im Donaufeld eine Rolle.

Ein wichtiges Ziel ist, mit Aktivitäten nach außen in die Nachbarschaft zu wirken und bestehende Initiativen im Donaufeld einzuladen. Dazu soll ein Nachbarschaftscafé als zentraler Ort für Kommunikation und Veranstaltungen im neuen Wohnprojekt errichtet werden.

„Que[e]rbau Wien“ unterstützt die Baugruppe bei der Gruppenbildung und beim Planen. Der Verein baut dabei auf die Erfahrung vorheriger Projekte auf und möchte damit zu einem vielfältigen Angebot für gemeinschaftliche Wohnformen beitragen.


Der „Yella Yella!“ Nachbar_innentreff als Beispiel für eine aktive Gemeinschaft  (Foto: „Que[e]rbau“).

Ein nächstes Gruppen- und Info-Treffen im „Que[e]rbau Seestadt“ (inkl. Besichtigung im Rahmen des Open-House Wien) findet am 15. September 2018 zwischen 14:00 und 17:00 Uhr, Eingang:  „Yella Yella!“ Nachbar_innentreff, Maria-Tusch-Straße 2/1, 1220 Wien, statt.

Anmeldung und Kontakt:  E-Mail  donaufeld@queerbau.at
Website:  www.queerbau.at

„Donaufeld wird am meisten geliebt“ – Gespräch mit der GB*nord

Die Organisation der Beteiligung rund um das Entstehen des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld ging mit Anfang 2018 vom Büro „stadtland“ auf die „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ über. Gerhard Jordan sprach mit DIin Angela Salchegger und Mag.a Magdalena Hubauer vom GB*-Team über deren Vorhaben.

GJ: Was ist Ihr Zugang zum Donaufeld und seiner Entwicklung?

AS: Ich wohne eigentlich im 2. Bezirk, komme aber aus der Landschaftsplanung. In diesem Bereich habe ich mich vor sechs Jahren selbständig gemacht, mit dem Büro „stadtluft“. Bisher habe ich bei der Gebietsbetreuung Stadterneuerung für die Bezirke 9, 17 und 18 mitgearbeitet, jetzt wurde die Gebietsbetreuung Stadterneuerung für die Bezirke 21 und 22 neu ausgeschrieben und wir haben uns beworben. Unser Auftrag kommt von der MA 25 und gilt für drei Jahre, wobei eine Verlängerung möglich ist.
Die Bezirke jenseits der Donau sind die spannendsten – es gibt sowohl gewachsene Strukturen, wie jene rund um den Spitz, als auch viele große Bauvorhaben wie „Neu-Leopoldau“ im ehemaligen Gaswerk oder das Gebiet Berresgasse in der Donaustadt. Wir sind ein 15-köpfiges Team, das viele Kompetenzbereiche abdeckt – neben Stadtentwicklung und dem Sozialthema auch digitale Partizipation, neue Medien, Raumplanung, usw.

MH: Ich war bisher im Quartiersmanagement der Caritas aktiv, jetzt im 21. und 22. Bezirk.


Magdalena Hubauer (l.) und Angela Salchegger (r.) bei einem Vortrag in der „Autofreien Siedlung“ am 26. Mai 2018  (Fotos: Gerhard Jordan).

Wo sind Sie zu finden?

AS: Wir sind im April vom Lokal der bisherigen GB*21 im Dag-Hammerskjöld-Hof auf den Floridsdorfer Markt übersiedelt, in das Lokal eines ehemaligen Gasthauses im Schlingerhof. Das Lokal ist groß, und es kann auch von der Bevölkerung niederschwellig mitgenutzt werden. Wir bieten kostenlose Mietrechts-Beratung, sowohl für BewohnerInnen von privaten als auch von Genossenschaftswohnungen, stehen gerne auch mit Tipps zur Grün- und Freiraumplanung zur Verfügung. Regelmäßig findet gemeinsames Kochen am Markt statt, wir führen aber auch Projekte mit SchülerInnen durch.

MH: Was Donaufeld betrifft, so öffnet ab Ende Juni auch wieder der „Infopoint“, ein Container an der Ecke Dückegasse/An der Schanze. Jeden Dienstag stehen wir von 16-18 Uhr vor Ort für Fragen zur Verfügung und informieren über aktuelle Entwicklungen. Wir initiieren „Impuls-Tage“, organisieren spannende Veranstaltungen und bieten auch Stadtspaziergänge zu unterschiedlichen Thematiken an.

Was ist das Besondere an Donaufeld aus Ihrer Sicht?

AS: Wir haben den Eindruck, dass es in Donaufeld eine viel größere emotionale Verbindung zum eigenen Grätzl gibt als in anderen Bezirksteilen. Es gibt hier viele „tolle NachbarInnen“, die wir in diesem Prozess begleiten möchten. Die alten und neuen Stadtteile müssen sich mehr verzahnen, auch die alten sollen von den neuen Entwicklungen profitieren. Unsere Aufgabe ist es, Sorgen und Ideen aufzugreifen und Anregungen z.B. zur Gestaltung des öffentlichen Raums zu fördern und an richtiger Stelle zu deponieren.

MH: Donaufeld wird am meisten geliebt, das ist uns aufgefallen. Die gute Luft, die Gärtnereien, die ländliche Umgebung. Das wird als „Schatz“ gesehen. Wir wollen das Wissen über diese Identität weiter tragen.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit.


Bei der Wieder-Eröffnung des Info-Containers am 26. Juni 2018 verhinderte Regen die Kräuterwanderung. Doch es kamen trotzdem Interessierte, um sich über die Entwicklung im Donaufeld zu informieren.

 

Donaufeld-Widmung beschlossen – Grünzug gesichert!

Mit dem Beschluss des Gemeinderats über das Plandokument Nr. 8130 am 15. Dezember 2017, das die Umwidmung des Stadterweiterungsgebietes westlich der Dückegasse beinhaltet, trat eines der größten Planungs-Projekte links der Donau in eine entscheidende Phase ein. Mehrere Jahre hindurch wurden Leitbilder und Konzepte diskutiert, und hunderte BürgerInnen brachten sich bei einem Beteiligungsverfahren ein.

Die nunmehrige Widmung ermöglicht vorerst den Bau von rund 1.300 Wohnungen nördlich des Drygalskiwegs.


Der Bereich zwischen An der Schanze, Dückegasse, Drygalskiweg und Grünzug wird zuerst entwickelt  (Fotos: G. Jordan).

Was aber das Entscheidende ist:  Ein rund 14 Hektar großer zentraler Grünzug zwischen Donaufelder Straße und Alter Donau wird ebenfalls gewidmet, und zwar großteils als „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“!
Damit geht eine der zentralen Forderungen von BürgerInneninitiativen und Grünen in Erfüllung.

Die GEMEINDERATS-DEBATTE , kurz zusammengefasst von Gerhard Jordan

Zeitpunkt:  Freitag, 15.12.2017,  ab ca. 23:30 Uhr.

ZuhörerInnen:  (fast) keine.

Wortmeldungen:  Gemeinderat Stefan Gara (NEOS), GR Christoph Chorherr (GRÜNE), GR Michael Niegl (FPÖ), GR Rüdiger Maresch (GRÜNE).

Kritik von NEOS und FPÖ:  u.a. zu wenige Schulplätze und Gesundheitsversorgung, zu dichte Bebauung, zu wenige Parkplätze, keine Beachtung des Zustandes der Alten Donau, die Straßenbahnlinie 25 kommt zu spät.

FPÖ-Sager:  Autofreie Siedlungen sind Leitbilder einer linksideologischen Hippiebewegung; der Zuzug bringt keinen Wert, er erfolgt ausschließlich ins Sozialsystem.

Chorherr/GRÜNE:   Der bereits eröffnete Schulcampus Attemsgasse deckt die Bildungs-Infrastruktur ab. Zentral ist der Grünzug, doppelt so groß wie der Stadtpark.  Das Mobilitätskonzept ist zukunftsweisend, es soll urbane Qualitäten geben, auch ein Baugruppenprojekt. Die Mitwirkung der BürgerInnen war wichtig.

Maresch/GRÜNE:   Die FPÖ war bei den Beteiligungs-Angeboten nicht anwesend. Die Förderung von Gemeinschaftsgärten ist wichtig, positive Beispiele in der Umgebung sind das Paradeisgartl“, und auch die Gärtnerei Bioschanze. Im ÖV neue Wege gehen, Services wie die Mobilitätsmappe anbieten.

Beschlussantrag von Grün-Rot:  u.a. abgestufte Höhenentwicklung zu den bestehenden Siedlungen, ein Bauplatz für ein Baugruppenprojekt, Einrichtung eines Quartiersmanagements, Berücksichtigung eines Gewässerbiotops im Grünzug, öffentliche Zugänglichkeit nicht genutzter Grünflächen des Wohnfonds Wien.
Mehrheitlich angenommen (SPÖ, GRÜNE dafür; FPÖ, ÖVP, NEOS dagegen).

Zusätzliches Grün

In einem Abänderungsantrag zum Plandokument wurde außerdem (mit rot-grüner Mehrheit) beschlossen, in einem kleinen Bereich An der Schanze, in der Nähe der Brombeerplantage, ein Strukturgebiet einzurichten, das nur gemeinsam entwickelt werden kann. Sollten sich die GrundbesitzerInnen also nicht auf eine gemeinsame Vorgangsweise einigen, so bleibt der Status Quo – ohne neue Verbauung – bestehen.

Gegenüber dem in der Öffentlichen Auflage (27. April bis 8. Juni 2017) präsentierten Entwurf des Plandokuments wird in einem Bereich, der dort mit Bauklasse III festgelegt war, nunmehr eine gärtnerisch auszugestaltende Fläche festgelegt.
Dem Beschlussantrag (Faksimile oben) folgend, wird der Wohnfonds Wien den ihm gehörenden Teil – der derzeit weder landwirtschaftlich genutzt noch in nächster Zeit für einen Wohnbau benötigt wird – öffentlich zugänglich belassen.


Diese außerhalb des neu gewidmeten Grünzugs (an dessen Ostgrenze) liegende Grünfläche, im Besitz des Wohnfonds, wird bis auf Weiteres unbebaut und öffentlich zugänglich bleiben.

Kleingartenanlage An der Schanze erhält Ganzjähriges Wohnen

Die Kleingartenanlage zwischen Drygalskiweg und An der Schanze, eine Gruppe des Vereins „Donaufelder Kleingärtner“, wird von „Ekl“ auf „Eklw“ umgewidmet, also für ganzjähriges Wohnen. Diesem Wunsch war schon im Planungsausschuss des Gemeinderats am 29. November 2017 entgegengekommen worden – was der FPÖ entgangen sein dürfte, weil sie in einem eigenen Beschlussantrag (der gegen die Stimmen von FPÖ und NEOS abgelehnt wurde) u.a. genau dies forderte.


Die Kleingartenanlage im Bereich An der Schanze erhielt eine „Eklw“-Widmung.

Abgestufte Höhenentwicklung

Gegenüber, also östlich des Weges der Kleingartenanlage, wird die unmittelbar angrenzende Bebauung mit 9,5 Meter Traufenhöhe beschränkt. Der im Beteiligungsverfahren mehrfach geäußerte Wunsch nach einer abgestuften Höhenentwicklung zu den Siedlungsgebieten hin wird auch am Drygalskiweg berücksichtigt:  Gegenüber der GESIBA-Reihenhausanlage Weinwurmweg 1 beträgt die Traufenhöhe 7,5 Meter (was einer beschränkten Bauklasse I entspricht), im östlichsten Abschnitt, gegenüber Nr. 22, also der Nordseite der „Glorit“-Wohnanlage Siebeckstraße 2a, wurde Bauklasse II festgelegt (in der öffentlichen Auflage war es noch Bauklasse III gewesen).


Gewässerbiotop und Baugruppenprojekt

Die im Beschlussantrag enthaltene Berücksichtigung eines Gewässerbiotops im nördlichen Teil des künftigen Grünzugs zur Entlastung des Nutzungsdruckes auf die Alte Donau ging auf einen Grün-Antrag zurück, der in der Bezirksvertretungssitzung Floridsdorf am 14. September 2016 mehrheitlich beschlossen wurde (übrigens gegen die Stimmen der FPÖ, der die Alte Donau angeblich am Herzen liegt).

Der Wunsch nach Baugruppenprojekten kam aus der Bevölkerung und wird von zahlreichen interessierten DonaufelderInnen geteilt, es gab dazu bereits am 20. Februar 2015 eine gut besuchte Informationsveranstaltung in der „Autofreien Mustersiedlung“.
Mehr Infos unter  http://baugruppen-donaufeld.at/ .


Schul-Standorte

In der Diskussion im Gemeinderat wurde auch die mangelnde Schul-Versorgung des Gebietes kritisiert. Doch die Widmung erfolgte bewusst erst nach der Fertigstellung des von „querkraft architekten“ konzipierten Bildungscampus Attemsgasse 22, der mit Beginn des Schuljahres 2017/18 seinen Betrieb aufnahm. Er deckt die Versorgung des östlichen Teiles des Stadtentwicklungsgebietes ab. Im Norden – Donaufelder Straße 77 – gibt es bereits seit 2013 den Campus Donaufeld.  Ein weiterer Bildungscampus ist mittelfristig im sogenannten „Ereignisband“ des Stadterweiterungsgebietes vorgesehen, und zwar westlich des Grünzugs (in jenem Gebiet, das als nächster Schritt in den kommenden Jahren umgewidmet werden soll).


Der Bildungscampus Attemsgasse wurde im September 2017 eröffnet.

Beteiligung

Viele der nunmehrigen Verbesserungen wurden im Rahmen des mehrjährigen Beteiligungsprozesses von aktiven BürgerInnen vorgeschlagen und führten zur Erarbeitung eines Mobilitäts- und eines Freiraumkonzeptes, sowie zur Sammlung der Ideen in der „Charta Donaufeld“.

 

 

Bilanz des Donaufeld-Beteiligungsprozesses

Am 16. Dezember 2017 fand beim „Info-Container“ Ecke Dückegasse/An der Schanze die Abschluss-Veranstaltung eines seit Herbst 2013 laufenden intensiven Beteiligungs-Verfahrens in Form einer „Finissage“ statt. Das Team des LandschaftsplanerInnen-Büros „stadtland“ verabschiedete sich bei den interessierten DonaufelderInnen, die sie in den letzten Jahren mit Ideen, Engagement und Kritik begleitet hatten.


Vorweihnachtliche „Finissage“ am 16. Dezember 2017:  Die letzte Veranstaltung im „Info-Container“ an der Dückegasse  (Foto: G. Jordan).

Auf verschiedenste Weise wurden Themen angesprochen und diskutiert – von Verkehr und Wohnen bis zu Zusammenleben und Umweltschutz. Dabei wurden durchaus auch kontroverse Fragen wie jene der Baudichte oder der Sicherstellung öffentlicher Grün- und Freiräume angesprochen.

Am 18. Oktober 2017 beispielsweise wurde über das in Deutschland entstandene Instrument der „Internationalen Bauausstellung“ (IBA), das nun auch in Österreich – u.a. mit einem Projektgebiet im Donaufeld – zur Anwendung kommen soll, informiert.

Univ.-Prof. DI Rudolf Scheuvens, Dekan der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien, präsentierte „best practices“ aus dem Ausland, von historischen Beispielen (Werkbundsiedlung Weißenhof in Stuttgart) bis zu aktuellen wie dem  „Energiebunker“  im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, wo in den Jahren 2010-13 im Rahmen einer IBA ein Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg zu einem regenerativen Kraftwerk umgebaut wurde.

DI Kurt Hofstetter, der stellvertretende Leiter des Teams der „IBA_Wien 2022“, referierte über Beispiele des sozialen Wohnbaus in Wien, erwähnte die Herausforderungen (z.B. Wachstum der Stadt und steigende Grundstückspreise), stellte die Struktur der IBA und den Zeitplan (2020 eine Zwischenpräsentation, 2022 Präsentation der Ergebnisse) vor. Es soll nicht nur um die Errichtung von Wohnungen gehen, sondern vor allem auch um soziale Qualitäten (Leistbarkeit, Gemeinwesenarbeit, Beteiligung, Schulprojekte, Angebote für Junge und Alte, etc.) und um gesellschaftliche Innovation.


Prof. Rudolf Scheuvens (oben) und DI Kurt Hofstetter (unten) bei der IBA-Informationsveranstaltung am 18. Oktober 2017  (Fotos: G. Jordan).

Die Bilanz des Beteiligungsprozesses kann sich sehen lassen:

Insgesamt hatten mehrere Dutzend Feldvorlesungen, Info-Veranstaltungen, Runde Tische und Workshops, ja sogar Grätzlspaziergänge (z.B. „Essbares Donaufeld“  am 20. September 2015), stattgefunden.


Exkursion „Essbares Donaufeld“ am 20. September 2015:  Besuch bei Biobauer Florian Kothny (Mitte) von der Gärtnerei „Bioschanze“, An der Schanze 17 (Foto: G. Jordan).

Engagierte BürgerInnen, PolitikerInnen, akademische und beamtete ExpertInnen, GrundeigentümerInnen, Wohnungssuchende und viele andere nützten die Möglichkeit, sich einzubringen und sich mit Andersdenkenden auszutauschen.
Außer in den Ferienzeiten stand auch an einem Nachmittag in der Woche eine Auskunftsperson vor Ort für Fragen zur Verfügung.

Der Weg zur „Charta Donaufeld“

Bezeichnend ist allerdings, dass von jenen rechten Parteien, die in der Bezirksvertretung (am 14. Juni 2017) und im Gemeinderat (am 15. Dezember 2017) gegen die Donaufeld-Widmung – Plandokument Nr. 8130 – gestimmt haben, kaum jemand bei den Veranstaltungen zu sehen war.

Nur so ist es erklärbar, dass von dieser Seite z.B. ein Mobilitätskonzept gefordert wurde, das es längst gab und das sogar mehrfach vorgestellt und öffentlich mit Interessierten diskutiert wurde (z.B. am 13. Dezember 2016 im Haus der Begegnung Floridsdorf), oder dass die fehlende Prüfung der Auswirkungen des Stadtentwicklungsgebiets auf die Alte Donau beklagt wurde, obwohl am 3. Juni 2015 genau zu diesem Thema eine Veranstaltung und Diskussion mit dem Input eines Fachexperten der MA 45 stattgefunden hatte.


DI Dr. Thomas Ofenböck (MA 45) bei der Veranstaltung zum Thema „Alte Donau“ am 3. Juni 2015  (Foto: Anna Karall).

Am Ende des Prozesses steht eine Sammlung der Ideen und Anregungen, die zu einer  „Charta Donaufeld“  zusammengefasst und im November 2017 in Form einer Ausstellung präsentiert wurde.


Tafel der „Charta Donaufeld“-Ausstellung  am 11. November 2017  (Foto: G. Jordan).

Ab 2018 wird ein Quartiersmanagement, das sich aus MitarbeiterInnen der Gebietsbetreuung GB*9/17/18 und der „Caritas Stadtteilarbeit“ gebildet hat, den Prozess weiterführen und hoffentlich auf den Ergebnissen und Erfahrungen aufbauen.

An dieser Stelle ein DANKE für das Engagement, die Geduld und die positive Einstellung des „stadtland“-Teams!


Das Team von „stadtland“, v.l.n.r.:  Christina Kirchmair, Herbert Bork und Philip Krassnitzer  (Foto: G. Jordan).

B232: Bei einem Bau droht in Donaufeld ein Verkehrskollaps

Seit 2007 hat sich die „Verkehrsinitiative Donaufeld“ mit kräftiger Unterstützung der Floridsdorfer Grünen erfolgreich für eine Beruhigung des motorisierten Individualverkehrs und für einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs eingesetzt.

In überregionaler Zusammenarbeit mit anderen Bürgerinitiativen (Siedlung Draugasse) wandte man sich konsequent gegen die geplante Errichtung der Bundesstraße B232, einer in den 1990er-Jahren Stück für Stück gewidmeten Nord-Süd-Verbindung zwischen dem Rendezvousberg an der Landesgrenze in Stammersdorf und der B3 (Angyalföldstraße) in der Nähe des damaligen Schicht-Werks. Ihre Errichtung würde eine Einfallsschneise ins Donaufeld öffnen, die den ohnehin schon überbordenden Verkehr quer durch die Wohngebiete an der Leopoldauer Haide schleusen würde.

Da es gegen den nördlichsten Teil der Straße, an der Wohnanlage Gerasdorfer Straße 153/Draugasse vorbei, seit Jahrzehnten Widerstand gibt, existieren bis jetzt –  vom Gaswerk Leopoldau (Tauschekgasse) nach Süden – der Straßenzug Richard-Neutra-Gasse – Josef-Brazdovics-Straße, und als südlichstes Stück die Hans-Czermak-Gasse. Lediglich ein Feld entlang des Teresa-Tauscher-Parks zwischen Leopoldauer Straße und Satzingerweg, östlich der Seniorensiedlung „Fortuna“ und der „Edelstein-Siedlung“, verhindert eine „Autolawine“.


Dieses Feld – rechts im Bild der Teresa-Tauscher-Park – bildet die letzte Barriere gegen eine „Autolawine“  (Foto: Heinz Berger).

Bei Beseitigung dieses Hindernisses für den Durchzugsverkehr würde die Kreuzung Donaufelder Straße/B3, die heute bereits überlastet ist, noch vor der Besiedlung des Stadtentwicklungsgebietes Donaufeld völlig aus dem Ruder laufen, und die AnrainerInnen würden noch mehr Schadstoffen ausgesetzt.


Über die Kreuzung Hans-Czermak-Gasse/Angyalföldstraße, beim ehemaligen Areal der Schicht-Werke, würde der Durchzugsverkehr in die B3 münden  (Foto: Gerhard Jordan).

Es wäre wirklich viel vernünftiger, die derzeit von einigen Parteien in Floridsdorf – z.B. in der Bezirksvertretungssitzung am 13. Dezember 2017, anlässlich einer Widmung im Bereich Gerasdorfer Straße – wieder entfachte Diskussion über die Hochleistungsstraße gleich wieder einzustellen, und das (ohnehin kaum verfügbare) Geld für dringend notwendige soziale oder ökologische Infrastruktur zu verwenden!

Bezirksrat Heinz Berger

20 Jahre „FrauenWerkStadt“

In den 1990er-Jahren wurden im 21. Bezirk einige Innovationen im Wohnbau ausprobiert. Vor allem Donaufeld war hier ein Brennpunkt.
Eines der bekanntesten damals realisierten Pilotprojekte war die sogenannte „FrauenWerkStadt“, die später offiziell Schütte-Lihotzky-Hof benannt wurde – nach der Ehrenvorsitzenden der Jury, der damals fast 100-jährigen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000).


„FrauenWerkStadt“ bzw. Margarete-Schütte-Lihotzky-Hof,  Bauteil der Wohnbauvereinigung der Privatangestellten, Carminweg 6  (Fotos: Gerhard Jordan).

Das Besondere an der ab 1992 geplanten und 1995-1997 errichteten Wohnanlage im Bereich Donaufelder Straße 99/Carminweg 6 und 8 mit 357 Wohnungen (ein Bauteil von der Gemeinde Wien und einer von der Wohnbauvereinigung der Privatangestellten):  die Planung erfolgte durch vier Frauen – die Architektinnen Liselotte Peretti, Gisela Podreka, Elsa Prochazka und Franziska Ullmann. Weitere an der Umsetzung beteiligte Frauen waren die Landschaftsarchitektin Maria Auböck (zuständig für die Freiraumgestaltung), die damalige Direktorin der WBV-GPA Elisabeth Weihsmann und als Initiatorin die damalige Leiterin der MA 57 (Frauenförderung) Eva Kail.


MieterInnen-Vertreter Alois Seiz (rechts) mit beteiligten Frauen aus der Entstehungszeit des Wohnprojekts:  v.l.n.r. Elsa Prochazka, Gisela Podreka, Franziska Ullmann und Eva Kail.

Das Konzept der „Frauen-Werk-Stadt“ besteht in der Planung einer Anlage unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen von Haus- und Familienarbeit, einer angstfreien Ausgestaltung sowohl der Innen- als auch der Außenräume, der MieterInnenmitbestimmung in der Planungsphase sowie der Schaffung vielfältiger Kommunikationsmöglichkeiten aufgrund der Infrastruktur. Bei der Lage der „Hausnebenräume“ (Kinderwagenabstellraum, Waschküche, etc.), der Hauseingänge, der Wegeführung (z.B. zu den Kleinkinderspielflächen), der Orientierung der Aufenthaltsräume, der Beleuchtung und bei vielen anderen Details wurde auf dieses Konzept Rücksicht genommen.


„FrauenWerkStadt“, Bauteil der Gemeinde Wien, Ecke Donaufelder Straße 99 (oben) und Carminweg 8 (unten).

In der Anlage befinden sich u.a. ein Kindergarten, Wohnungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Geschäftslokale, Arztpraxen, eine Apotheke und ein Polizeiwachzimmer.

Am 1. Dezember 2017 wurde das 20jährige Bestehen der Wohnanlage gefeiert.

Alois Seiz, der Vorsitzende des Mieterbeirates, organisierte aus diesem Anlass ein kleines Fest im Innenhof, mit Punsch, Maroni und selbst gemachten Köstlichkeiten.

Zahlreiche damals Beteiligte kamen und berichteten aus ihren Erinnerungen. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Bezirksvorsteher Georg Papai betonten die Wichtigkeit des sozialen Wohnbaus und wiesen darauf hin, was sich in den letzten zwei Jahrzehnten zum Positiven verändert hat.


Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hob die Bedeutung des Projektes „FrauenWerkStadt“ hervor.

Zum Abschluss sprach auch ein „Bewohner der ersten Stunde“, der grüne Bezirksrat Heinz Berger. Er informierte über die bevorstehende Widmung des ersten Teils des Stadterweiterungsgebietes Donaufeld und über die Chancen, die sich aus dieser neuen Nachbarschaft ergeben können.


Bezirksrat und Bewohner Heinz Berger bei seiner Ansprache.

Die Floridsdorfer Grünen gratulierten den BewohnerInnen mit einer feministischen Geburtstags-Torte, die Bezirksrätin Gabriele Tupy besorgt hatte.

 


Alois Seiz und Bezirksvorsteher Georg Papai (Mitte) mit Festgästen.

Aus grüner Sicht noch eine kleine Fußnote:
Bei der Europaparlamentswahl am 13. Juni 1999 umfasste der Wahlsprengel 177 die 12 Stiegen der Anlage Carminweg 6. Die Grünen erhielten dort sensationelle 43,27% der Stimmen. Dies war damals der zweithöchste Grün-Anteil aller Wahlsprengel Wiens!  Auch in Floridsdorf wurde er seither nicht mehr übertroffen. Der Widerstand gegen die damals hinter der Wohnanlage errichtete Bundesstraße B3 mag zu diesem Ergebnis beigetragen haben.


Heinz Berger mit einem historischen Foto, das die Architektinnen mit der Jury-Ehrenvorsitzenden Margarete Schütte-Lihotzky zeigt.

 

Neue Flächenwidmung für Donaufeld

Die Zukunft des Stadtentwicklungsgebietes Donaufeld ist seit langer Zeit Gegenstand engagierter und manchmal auch kontroverser öffentlicher Diskussionen. Bis 8. Juni 2017 läuft nun die öffentliche Auflage des Entwurfes für die neue Flächenwidmung – den Teil westlich der Dückegasse betreffend.

Seit den frühen 1990er-Jahren gibt es Pläne, auf der sogenannten Leopoldauer Haide mehrere Tausend neue Wohnungen zu errichten. Es handelt sich dabei um ein Gebiet zwischen Fultonstraße, Donaufelder Straße, Dückegasse, Drygalskiweg und Alter Donau, das bis heute zu einem Gutteil von Gärtnereien geprägt ist. Für den Ostteil des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld gibt es nun einen Flächenwidmungsplan, der seit 27. April in der Servicestelle Stadtplanung, in der Bezirksvorstehung Floridsdorf oder auf der Homepage der Stadt Wien zur Einsichtnahme aufliegt. Es besteht die Möglichkeit in der Servicestelle oder online eine Stellungnahme abzugeben.

Nach langjährigen Planungen durch die MA 21 und die Planungsbüros stadtland und querkraft, und nach einem dreijährigen BürgerInnenbeteiligungsverfahren, das nicht zuletzt aufgrund der Forderungen von AnrainerInnen und der Initiative Donaufeld nach einer moderaten Bebauung und dem Erhalt von Grünflächen eingerichtet wurde, beginnt jetzt das konkrete Widmungsverfahren entlang der Dückegasse für ein Gebiet mit 33 Hektar. In der ersten Entwicklungsphase werden rund 1.300 Wohnungen entstehen.


Derzeit wächst in Donaufeld noch der Salat, schon bald soll hier ein neuer Stadtteil entstehen.  (Foto: Heinz Berger)

Die Pläne sehen in einem sogenannten „zentralen Ereignisband“ zwischen der verlängerten Arakawastraße und der verlängerten Prandaugasse eine relativ dichte und auch etwas höhere Bebauung, andererseits aber auch höhere Erdgeschoßzonen für gewerbliche Nutzung vor. Auch Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Nahversorgung und soziale Infrastruktur werden sich hier finden. Im südlichen Bereich ist eine weniger dichte und niedrigere Bebauung vorgesehen, während nördlich davon der Großteil noch keine Bebauungsbestimmungen erhält. Westlich davon bildet ein zwischen 100 und 300 Meter breiter Grünzug den Abschluss, der großteils als Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel gewidmet wird – eine der zentralen Qualitäten des neuen Stadterweiterungsgebiets.

Wir setzen uns für eine Abstufung der Bauhöhe zu den angrenzenden Siedlungen (Reihenhäuser und Kleingärten) im Süden ein und haben dazu am 15. Februar 2017 einen Antrag in der Floridsdorfer Bezirksvertretung eingebracht, der noch verhandelt wird.


Zum Entwurf des Plandokuments können noch bis zum 8.6.2017 Stellungnahmen abgegeben werden.

Darüber hinaus wollen wir, dass bereits in der ersten Bauphase ein Bus in das Siedlungsgebiet hinein fährt, um zu gewährleisten, dass möglichst viele neue BewohnerInnen die öffentlichen Verkehrsmittel benützen, um nicht mit dem Auto auf den angrenzenden Straßen im Stau zu landen. Dazu soll auch eine reduzierte Stellplatzverpflichtung (70%) und die Einrichtung von Mobility Points beitragen. Im Grünzug sollte nach Möglichkeit auch ein zusätzliches Gewässer  angelegt werden.
Weiters unterstützen wir die Bemühungen, das Donaufeld als Projekt im Rahmen der
Internationalen Bauausstellung (IBA) Wien 2022 als Stadtteil von möglichst hoher Qualität weiter zu entwickeln.

Heinz Berger und Gerhard Jordan


Info (bis 8. Juni 2017):

– Servicestelle Stadtentwicklung: 1., Rathausstraße 14-16, 1. Stock.
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 8-12:30 und Di. und Do. bis 17:30 Uhr.

– Bezirksvorstehung Floridsdorf, 21., Am Spitz 1, 2. Stock, Zimmer 206.
Zeit: 11. 5., 18.5. und 8.6. 2017 von 14:30-17:30 Uhr.