Gute Nachrichten für das Stadtbild: Schutzzone Am Spitz beschlossen; Bauordnungs-Novelle stoppt Abrisse auch in Transdanubien

Zwei positive Entwicklungen im Bereich Stadtbildschutz waren in den letzten  Monaten in Wien zu verzeichnen.

1.)  Schutzzone im Zentrum Floridsdorf

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig das Plandokument Nr. 8216 und damit die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um das Amtshaus am Floridsdorfer Spitz.
Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk 2010/11  über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses 2014  gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments vom 12. März bis 24. Mai 2018 (inklusive begleitender Informations-Ausstellung im Haus der Begegnung Floridsdorf am 3. Mai) und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni über acht Jahre hinzog, abgeschlossen.


Am 3. Mai 2018 fand im Haus der Begegnung eine Informations-Ausstellung statt.  (Fotos: Gerhard Jordan)

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, in der er auch auf die Entwicklung des Bereiches um den Spitz als repräsentatives Zentrum einging und dessen Bedeutung, die bis auf die Zeit vor der Eingemeindung nach Wien zurück geht, hervorhob. Bis jetzt waren es ja hauptsächlich gründerzeitliche Viertel im innerstädtischen Bereich gewesen, denen größere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.


Die Häuser Am Spitz 11 (ehemalige Gemeinde-Sparkasse aus 1894/95), 12 und 13 („Sild-Haus“, errichtet 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Weidenberg) sowie Prager Straße 1 (v.l.n.r.) liegen nun in der Ortsbild-Schutzzone im Zentrum Floridsdorfs. (Foto: Molly Wurth)

Zwar kam leider für die Gebäude der Pferdefleischerei Schuller in der Schwaigergasse 29-31 die am 23. September 2015 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Bausperre zu spät, aber in der nördlichen Floridsdorfer Hauptstraße wurden die teilweise auf die Zeit des Vormärz zurück gehenden Häuser nicht nur in die Schutzzone einbezogen, sondern auch deren Bauhöhe (großteils Bauklasse III mit 13,5 m) wurde reduziert (auf Bauklasse I mit 8,5 m), was Abrisse auch wirtschaftlich weniger lukrativ macht und somit der Erhaltung schützenswerter Bausubstanz dient.


Die Häuser Schwaigergasse 29 und 31, Teil des Ensembles Schwaigergasse, wurden leider kurz vor der Verhängung der Bausperre abgerissen (Fotos aus 2009).


Die Schwaigergasse 29-33 heute.


Teil der Schutzzone, auch mit Reduktion der gewidmeten Bauhöhe auf 8,5 Meter:  Floridsdorfer Hauptstraße 41 bis 45.

2.)  Bauordnungs-Novelle zum Schutz der gründerzeitlichen Bausubstanz

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, GRÜNEN und FPÖ eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude die bisher NICHT in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes“ beschränkt.

Im § 60 (1) ist nun festgelegt, dass nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig ist, sondern auch „der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden, wenn der Anzeige des Abbruchs gemäß § 62a Abs. 5a keine Bestätigung des Magistrats angeschlossen ist, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht“.
Spätestens 4 Wochen vor dem geplanten Beginn der Arbeiten ist vom Bauherrn der Abbruch schriftlich der Behörde anzuzeigen. Erst wenn eine Bestätigung der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgelegt wird, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht, kann mit einem Abbruch begonnen werden.

Dieser wichtige und von zivilgesellschaftlichen Initiativen seit langem geforderte Schritt hatte zur Folge, dass es in den Tagen vor dem Inkrafttreten Ende Juni 2018 zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam – teilweise wohl auch mit Spekulations-Absicht, um sich eine Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Objekte zu ersparen und nach Abrissen Platz für größere und gewinnbringende Neubauten zu schaffen. Teilweise wurden Abbrüche über Nacht sogar von Häusern begonnen, in denen noch MieterInnen wohnten.
Laut Medienberichten hat die Wiener Baupolizei in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Ein Beispiel dafür ist im Donaustädter Abschnitt der Donaufelder Straße zu sehen:
Bei dem 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer (für einen Oberlehrer aus Stadlau) errichteten Mehrfamilienhaus in der Donaufelder Straße 193, dessen Mittelrisalit spätsecessionistischen Dekor aufweist, wurde die Demolierung von der Rückseite her begonnen. AnrainerInnen und die grüne Donaustädter Klubobfrau Heidi Sequenz verständigten die MA 37, und so konnte auch dieses Juwel vorerst gerettet werden.

Der Abriss des spätgründerzeitlichen Hauses Donaufelder Straße 193 (errichtet 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer) wurde im Juli 2018 von der Baupolizei gestoppt.

Was den 21. Bezirks betrifft, so wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden, und brachten für die Bezirksvertretungssitzung am 12. September 2018 eine Anfrage ein.
In seiner Antwort nannte Bezirksvorsteher Papai 6 Gebäude im 21. Bezirk, bei denen die Baupolizei Anfang Juli die Einstellung eines Abbruchs verfügte.
4 dieser Objekte – auf dem Jedlersdorfer Platz 20, in der Prießnitzgasse 19, in der Rußbergstraße 60 und in der Theodor-Körner-Gasse 14 – waren zwar vor 1945 errichtet, es handelte sich jedoch nicht um Bauten aus der Gründerzeit, sondern zumeist aus den 1930er-Jahren. Daher wurden von der Behörde Bescheide ausgestellt, dass an der Erhaltung kein öffentliches Interesse besteht, und die Abrisse konnten schließlich fortgesetzt werden.

Anders war die Lage in den restlichen beiden Fällen, wo die Erhaltung der Objekte verfügt und der Abbruch gestoppt wurde. In der Anton-Störck-Gasse 83, nahe der Prager Straße, war bei einem wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden, und auch im Erdgeschoß sind die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen.


Abrisse verhindert:  Die Gründerzeithäuser Anton-Störck-Gasse 83 (oben) und Gerstlgasse 7 (unten) im 21. Bezirk.

In der Gerstlgasse 7 handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das laut Friedrich Achleitner („Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, Band III/3, Seite 191) im Jahr 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Vor allem im obersten Geschoß lässt sich der begonnene und gestoppte Abriss feststellen. Die Entscheidung der Baupolizei war in diesem Fall absolut richtig, denn das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/Neujedlersdorf, welches zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist (auch das Hotel Karolinenhof gehörte zu diesem Ortsbild).

Es ist zu hoffen, dass die beiden Objekte wiederhergestellt werden, und dass es mittelfristig dem Gesetzgeber gelingt, Bedingungen zu schaffen die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss, der oft in „gesichtslose Investoren-Architektur“ und in die Zerstörung bestehender Ensembles mündet.

Bezirksrat Gerhard Jordan 

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Floridsdorf: Schutzzone kommt endlich!

Der Abriss des „Hopf-Hauses“, eines Jugendstilgebäudes in der Donaufelder Straße 241 (mit einem sympathischen Gastronomiebetrieb darin), führte 2014 zu heftigen Protesten. Mangels Denkmalschutz oder Schutzzone war die Zerstörung nicht zu verhindern.

Damit Ähnliches nicht auch im historischen Zentrum von Floridsdorf, um den Spitz, passiert, kämpfen die Grünen seit Jahren für eine Ortsbild-Schutzzone. Bereits im Februar 2011 wurde ein diesbezüglicher  Vorschlag  im Bezirksbauausschuss eingebracht,  2014 ein neuerlicher Antrag.

Leider passierte dann lange nichts, sodass es inzwischen zum Abriss eines im Kern klassizistischen Hauses in der Floridsdorfer Hauptstraße 40 kam, und auch der Abriss der eingeschossigen bzw. ebenerdigen Gründerzeithäuser Schwaigergasse 29-31 ist leider nicht mehr zu verhindern, da es bereits eine Baubewilligung für einen Neubau gibt.

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Leider nicht mehr zu retten:  Die Gründerzeithäuser Schwaigergasse 29 und 31.  (Fotos: G. Jordan).

Nun kam endlich der Durchbruch:  Im Auftrag der MA 19 (Magistratsabteilung für Architektur und Stadtgestaltung) wurde von einem Experten der TU Wien (Architekt DI Mag. Cristian Abrihan) ein Konzept erstellt, und der Bezirks-Bauausschuss beschloss einstimmig die Unterstützung desselben. Am 17. Juni 2015 wurde dies von der Floridsdorfer Bezirksvertretung zustimmend zur Kenntnis genommen – jetzt muss nur noch der Gemeinderat sein Okay geben.

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Jugendstil-Juwel im Kernbereich der künftigen Schutzzone:  Das Sild-Haus, Am Spitz 13, errichtet von Friedrich Dietz von Weidenberg. Der Einfluss Otto Wagners ist deutlich erkennbar.

In dem Konzept wird die Bedeutung des identitätsstiftenden Zentrums hervorgehoben, und es werden drei Kernbereiche für die Schutzzone vorgeschlagen: die Zone mit Resten der ehemaligen Dorfstruktur (mit einer Bausubstanz die auf die Zeit des Vormärz zurückgeht) im nördlichsten Bereich der Floridsdorfer Hauptstraße, das repräsentative Zentrum um das Amtshaus mit den Gebäuden der ehemaligen Gemeindesparkasse, dem Sild-Haus und dem ehemaligen Kaufhaus Wodicka (meist mit Geschäftslokalen in den Erdgeschoßzonen), und schließlich ein nahezu geschlossenes hochgründerzeitliches Ensemble mehrstöckiger bürgerlicher Mietshäuser im östlichen Bereich der Schwaigergasse, die in der Zeit zwischen 1986 und 1910 großteils nach Plänen des Otto Wagner-Schülers Friedrich Dietz von Weidenberg (1871-1941), der selbst Am Spitz – im Haus Nr. 9 – wohnte, errichtet wurden.

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Erinnerung an das „alte“ Floridsdorf:  Eine Gruppe von Häusern Am Spitz und in der Floridsdorfer Hauptstraße.

Es ist sehr erfreulich, dass sich endlich das Bewusstsein durchsetzt, dass es im 21. Bezirk auch außerhalb der dörflichen Ortskerne architektonisch und historisch wertvolle Bauwerke und Ensembles gibt.
Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou  hat übrigens im März 2015  zwei Vorschläge  gemacht, deren Umsetzung den Schutz erhaltenswerter Objekte zumindest erleichtern würde:
1.)  Die Abschaffung der sogenannten „technischen Abbruchreife“, die vor allem der Spekulation (mutwilliges Verfallen-Lassen, um dann „leider abreißen zu müssen“) dient.
2.)  Eine Änderung der Bauordnung dahin gehend, dass alle Abbrüche von Altbauten, also auch solche außerhalb von Schutzzonen (dies wäre z.B. beim „Hopf-Haus“ der Fall gewesen) bekannt gegeben werden müssen und die MA 19 binnen drei Monaten prüfen darf, ob es sich um historisch schützenswerte Bausubstanz handelt.
Ob sich dafür auch eine politische Mehrheit findet, wird sich erst zeigen. Lohnenswert, zumindest für das Wiener Stadtbild, wäre dies auf jeden Fall.

 

Erkundungsreise durch Alt-Leopoldau

Am 14. März 2015 fand wieder einer der bezirks-geschichtlichen Grätzl-Rundgänge mit Bezirksrat Gerhard Jordan statt – diesmal durch Alt-Leopoldau.

Starkem Wind und fallweisen Regenschauern trotzend, waren 15 TeilnehmerInnen aus Floridsdorf und Donaustadt zum Treffpunkt bei der U1-Station Aderklaaer Straße gekommen, wo sich gleich ein Beispiel für die schnelle Entwicklung der Umgebung zeigte: Das kurz zuvor eröffnete Einkaufszentrum „City Gate“ und der Wohnkomplex mit zwei Hochhaus-Türmen und insgesamt rund 1.160 Wohnungen steht an der Stelle einer 1898 errichteten Dampfmühle, deren Silos bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts die Silhouette prägten.

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Von der Gegenwart zur Vergangenheit:  Auf dem Weg vom neuen Stadtteil „City Gate“ zum Ortskern. (Fotos: Ingrid Rapf)

Der beim 1679 errichteten Scheidewegpfeiler an der Aderklaaer Straße beginnende Ortskern von Leopoldau, seit 1978 Ortsbild-Schutzzone, führte in vergangene Zeiten. Die Statue des heiligen Leopold erinnert an den Babenberger-Markgrafen Leopold III., während dessen Herrschaft das Dorf als „Alpiltowe“ im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde.

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Vor der Statue des heiligen Leopold, beim ehemaligen Dorfanger.

Die Pfarrkirche auf dem Leopoldauer Platz, 1696 barock umgebaut, ist eine der ältesten im 21. Bezirk, auch der barocke Pfarrhof auf dem Leopoldauer Platz 12 ist sehenswert.

Zahlreiche ebenerdige alte Bauernhäuser aus dem 19. Jahrhundert finden sich auf dem Platz, dazwischen immer wieder Jugendstil-Zinshäuser aus den Jahren vor dem ersten Weltkrieg, die errichtet wurden, als örtliche Bauern nach der Eingemeindung 1904 (damals wurde Leopoldau Teil Wiens und des 21. Bezirks) und nach der Errichtung des zweiten Wiener Gaswerks ihren teilweise durch Grundverkäufe errungenen Reichtum auf diese Weise anlegten.

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Leopoldauer Platz 33:  eines der Jugendstilhäuser aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, errichtet 1912 von Baumeister Franz Aubrecht (der u.a. auch das Hotel Karolinenhof in Jedlesee baute).

In der Mitte des Ortskerns wird, unter Einhaltung der Denkmalschutz-Auflagen, bald auch mit dem Bau einer syrisch-orthodoxen Kirche begonnen werden, die hinter dem 1903 mit einer Jugendstil-Fassade versehenen ehemaligen Gasthof Baumann errichtet werden soll – ein weiteres Beispiel dafür, dass Leopoldau im Wandel begriffen ist.

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Vor der Leopoldauer Pfarrkirche. Links der ehemalige Gasthof Baumann, ganz rechts eine Gedenktafel für das 1970 abgerissene klassizistische Markthaus aus 1842, an dessen Stelle heute die Großfeldstraße in den Leopoldauer Platz einmündet.

Für jene, die den Rundgang (mit zahlreichen weiteren Details) versäumt haben:
Wer an weiteren Grätzl-Rundgängen mit Gerhard Jordan interessiert ist (auch Leopoldau wird demnächst wiederholt) kann sich unter  donaufeld@gruene.at  melden und wird über die nächsten Termine per Mail informiert.

 

Das Hopf-Haus ist Geschichte

Trotz Protestkundgebungen der Bevölkerung wurde das  Hopf-Haus , ein Jugendstil-Gebäude in der Donaufelder Straße 241, im Sommer 2014 nach fast 110 Jahren abgerissen. Es entsteht dort nun ein Neubau mit 24 Eigentumswohnungen.

Leider ist damit auch eine beliebte Gastronomie-Einrichtung, die das „Grätzl“ geprägt hat, verschwunden.

Um ähnliche Entwicklungen im Floridsdorfer Bezirkszentrum zu verhindern, kämpfen die Grünen schon seit Jahren für die Schaffung einer eine Ortsbild-Schutzzone um den Spitz. Wenn alles klappt, könnte es im Jahr 2015 endlich so weit sein.

UPDATE 1,  DEZEMBER 2017:
Der Entwurf des Plandokuments mit der Schutzzone im Bereich Am Spitz dürfte voraussichtlich im Frühjahr 2018 in die Öffentliche Auflage kommen.

 

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Der Platz, an dem sich das Hopf-Haus befand, nach dem Abriss im Sommer 2014  (Foto: G. Jordan).

UPDATE 2,  DEZEMBER 2017:
Foto von dem Gebäude, das an der Stelle des „Hopf-Hauses“ errichtet wurde (24 Eigentumswohnungen von „Stubenvoll Immobilien“)
  

Hopf-Haus: Verpasste Gelegenheit – aber Chance für das Bezirkszentrum Floridsdorf?

Der leider rechtlich nicht mehr zu verhindernde Abriss des Hopf-Hauses hat nun bewirkt, dass das historische Floridsdorfer Bezirkszentrum eine Ortsbild-Schutzzone werden könnte.

Das Hopf-Haus in der Donaufelder Straße 241, errichtet 1905/06 vom Kagraner Architekten und Baumeister Franz-Josef Hopf (1871-1954), der dort auch selbst wohnte, wird abgerissen. Damit verschwindet nicht nur ein architektonisch interessantes Jugendstil-Gebäude, sondern es ging auch ein beliebtes Gastronomie-Angebot verloren.

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Am 5. April 2014 gaben zahlreiche „Hopf-Haus-Fans“ vor dem Gebäude ihrem Ärger bei einer Kundgebung, die spontan von einer Facebook-Initiative organisiert wurde, Ausdruck. Auch der Donaustädter Bezirksvorsteher Norbert Scheed solidarisierte sich mit dem Protest, musste jedoch einräumen, dass er nichts machen könne, da der Besitzer bei einem Gespräch nicht von seinem Vorhaben, das Objekt zu verkaufen und damit der Demolierung preiszugeben, abzubringen war.

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Der Donaustädter Bezirksvorsteher Norbert Scheed, Initiatorin Eva Fischer und AktivistInnen der „Initiative Denkmalschutz“ bei der Hopf-Haus-Kundgebung am 5. April 2014  (Fotos: Heidi Sequenz).

Leider ist die rechtliche Situation ausweglos: Das Gebäude steht weder unter Denkmalschutz, noch ist es Teil einer Ortsbild-Schutzzone nach §7 Wr. Bauordnung. Somit kann ein Abriss problemlos durchgeführt werden. Lukrativ macht einen solchen auch die Tatsache, dass in jenem Bereich der Donaufelder Straße eine Bauklasse III-Widmung gültig ist, die Gebäude mit 16 Metern Traufenhöhe (plus Dach) erlaubt. Ein ebenerdiges oder einstöckiges Gebäude, und sei es auch noch so schön, zu erhalten, erfordert da schon ein gewisses Maß an „altruistischem Denken“.

Grüne stimmten gegen Umwidmung

Die Umwidmung (Plandokument Nr. 7482) wurde übrigens schon am 24. Mai 2005 vom Gemeinderat beschlossen (davor waren nur 10,5 m Höhe erlaubt).  Die Grünen stimmten GEGEN diese Widmung.
Damals wäre es auch noch möglich gewesen, eine Schutzzone vom Wiener Gemeinderat beschließen zu lassen, denn es existierte noch das erforderliche nahezu vollständige Ensemble – im konkreten Fall von gründerzeitlichen Gebäuden aus den letzten Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg, die eine Verlängerung des alten Kagraner Ortskerns nach Westen darstellten. Heute ist dieses bereits auf ein paar Objekte geschrumpft, und auch diese werden immer weniger. Eine Schutzzone hätte bewirkt, dass über einen Abriss zumindest die für das Ortsbild zuständige Magistratsabteilung 19 mit entscheiden kann.

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Kleiner noch bestehender Rest des einstigen gründerzeitlichen Ensembles in der östlichen Donaufelder Straße:  Wie lange noch?

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Donaufelder Straße 237:  An der Stelle dieses Hauses, errichtet ebenfalls im Jahr 1906 von Franz Josef Hopf, steht bereits eine neue Wohnanlage (Foto: Gerhard Jordan, 2011).

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Donaufelder Straße 217:  Auch dieses bemerkenswerte Jugendstilhaus, errichtet 1900/01 von Bartholomäus Hansal, wird der Abrissbirne zum Opfer fallen  (Foto:  Gerhard Jordan, 2009).

Kommt eine neue Schutzzone für Floridsdorf?

Doch obwohl das Hopf-Haus leider nicht mehr zu retten war, hat der Protest doch indirekt etwas bewirkt: den  seit 2010  laufenden Bemühungen der Floridsdorfer Grünen für die Schaffung einer  Ortsbild-Schutzzone Am Spitz  wurde durch die mehrheitliche Annahme eines Antrags (s.u.) in der Floridsdorfer Bezirksvertretungssitzung am 9. April 2014 Rechnung getragen. Die Umgebung des Floridsdorfer Amtshauses, deren bekanntestes Gebäude wahrscheinlich das 1905-08 errichtete Sild-Haus des Otto-Wagner-Schülers Friedrich Dietz von Weidenberg (1871-1941) ist, war eine Zeitlang sogar als „repräsentativer Rathausplatz der Hauptstadt Niederösterreichs“ konzipiert. Dazu kam es nur deshalb nicht, weil die Großgemeinde Floridsdorf nach Wien eingemeindet wurde  (danach, von 1905 bis 1954, war übrigens auch die östliche Donaufelder Straße mit dem Hopf-Haus Teil des 21. Bezirks, seither gehört sie zur Donaustadt).

Was die Schutzzone betrifft, sind jetzt das Planungsressort und in letzter Instanz der Wiener Gemeinderat am Zug. Interessant war das Abstimmungsverhalten der konservativen und rechten Parteien in der Floridsdorfer Bezirksvertretung:  FPÖ, ÖVP und die Liste „WIFF“ von Hans-Jörg Schimanek stimmten GEGEN den Antrag – u.a. mit der Begründung, dass eine Schutzzone „Enteignung“ bedeute. Eine kuriose (und falsche) Argumentation, die höchstens dazu taugt, Spekulanten und Baulöwen Schützenhilfe zu leisten…

Der am 9. April 2014 von der Bezirksvertretung Floridsdorf  mehrheitlich angenommene Antrag:
Antrag Schutzzone Am Spitz und Umgebung – Bezirksvertretungssitzung Floridsdorf 9. April 2014

POSITIVE ANTWORT DER PLANUNGSSTADTRÄTIN

Die Antwort von Stadträtin Vassilakou an den Bezirk ist durchaus ermutigend:  Die MA 19 prüft die von ihr befürwortete Schutzzone bis zum Herbst 2014, und nach Vorliegen der Grundlagendarstellungenkann im Fall eines positiven Ergebnisses mit einer Schutzzonenfestlegung im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan begonnen werden!

Schutzzone Floridsdorf Antwort Vassilakou An Bezirk 26. Mai 2014

 

 

 

Trauriger Abschied vom „Hopf-Haus“

Am 17. September 2013 fand zum letzten Mal im „Hopf-Haus“ in der Donaufelder Straße 241 eine Veranstaltung statt. Das von uns sehr geschätzte Lokal (in den letzten Jahren waren alle Veranstaltungen, die die Grünen dort abgehalten haben, gut besucht), das sich überdies in einem historisch äußerst interessanten Bauwerk befand, ist Geschichte.  Den BesitzerInnen dürfte es aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich gewesen sein, den Betrieb inklusive Renovierungen etc. weiter zu betreiben.
Das Haus – das weder in einer Ortsbild-Schutzzone gem. § 7 der Bauordnung für Wien liegt noch unter Denkmalschutz steht – wird nun abgerissen werden. Es wird einem Wohnbau Platz machen, so wie jenes benachbarte auf der Donaufelder Straße 237, das übrigens gleichzeitig errichtet wurde und vom selben Architekten stammt.

HopfHausDonaufelderStrasse241erbaut1905bis1906

Der Architekt,  Franz Josef  HOPF  (1871-1954),  so ist dem Buch „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer in vier Bänden“, Band III/3, von Friedrich Achleitner zu entnehmen, entwarf vor dem ersten Weltkrieg mehrere Objekte in „Transdanubien“ – darunter die Zinshäuser Wilhelm-Raab-Gasse 5 in Floridsdorf (1910/11) und Donaufelder Straße 248 (1913/14) in der Donaustadt, oder die Simonsbrot-Fabrik in der Meißauergasse 11 (1914). Die Fassaden weisen secessionistische Elemente und Anklänge an die süddeutsche Heimatschutzarchitektur auf.

Das „Hopf-Haus“, errichtet 1905/06, ist (bald: war) wohl eines der markantesten Beispiele des sogenannten „Baumeister-Jugendstils“ nördlich der Donau.  Es ist schade, dass die (teils noch ebenerdigen) Gründerzeit-Häuser in der Donaufelder Straße nach und nach verschwinden. Mit dem „Hopf-Haus“ verliert Donaufeld/Kagran überdies eines der ohnehin nicht zahlreichen sympathischen Gastronomie-Angebote.

HopfHausDonaufelderStrasse241errichtet1905bis1906_AufschriftAufFassade_FotoSeptember2013

HopfHausDonaufelderStrasse241errichtet1905bis1906_Eingangstor_FotoSeptember2013

HopfHausDonaufelderStrasse241errichtet1905bis1906_BlickDurchsFensterInDenInnenraum_FotoSeptember2013

HopfHausDonaufelderStrasse241errichtet1905bis1906_Treppenhaus_FotoSeptember2013
Attraktive Gaststätten werden, so hoffen wir, bedingt durch den Zuzug nach Donaufeld und Umgebung, neu entstehen – doch das Stadtbild Transdanubiens ist unwiederbringlich um eines seiner interessantesten Objekte ärmer.

Gerhard Jordan

P.S.:
Auch am Spitz, im historischen Zentrum von Floridsdorf, fehlt eine Schutzzone.  Die Grünen brachten am 21. Februar 2011 einen Vorschlag im Bauausschuss der Bezirksvertretung Floridsdorf ein:

Schutzzone Am Spitz und Umgebung (Vorschlag Februar 2011)

 

Ausstellung „Kunst am Bau“ in Floridsdorf eröffnet

Am 30. September 2012 wurde die Ausstellung „Kunst am Bau in Floridsdorf. Ein Streifzug zu unbekannten Kunstwerken im 21. Bezirk“, die Bezirksrat Mag. Gerhard Jordan gemeinsam mit dem Bezirksmuseum Floridsdorf gestaltet hat, von Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig eröffnet.

Die Eröffnung der Ausstellung am 30. September mit Wohnbaustadtrat Ludwig.

Die Eröffnung der Ausstellung am 30. September mit Wohnbaustadtrat Ludwig.

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Ausstellung über „Kunst am Bau“ im Bezirksmuseum

Die sogenannte „Kunst am Bau“ in Floridsdorf war bereits bei den Grätzl-Rundgängen von Bezirksrat Gerhard Jordan im Sommer 2011 ein Thema. Daraus hat sich – dank der Fülle des Materials – das Projekt einer Sonder-Ausstellung des Bezirksmuseums Floridsdorf entwickelt, die am Sonntag, den 30. September 2012 um 11 Uhr von Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig eröffnet werden wird. Sie ist danach bis 25. November 2012 an Dienstagen von 15-18 Uhr und an Sonntagen von 9:30-12:30 Uhr bei freiem Eintritt im Bezirksmuseum, Prager Straße 33, zu sehen. Weiterlesen