Ein Buch erinnert an die „Donauwiese“

Allen, die sich noch an das Überschwemmungsgebiet erinnern können, aber auch all jenen, die wissen wollen, was „vor der Donauinsel war“, sei ein Buch empfohlen, das 2019 im Verlag Winkler-Hermaden erschienen ist:

„Die Donauwiese. Das Inundationsgebiet – Ein verschwundenes Wahrzeichen“ von Matthias Marschik.

Dr. Matthias Marschik, Historiker und Kulturwissenschaftler, Lehrbeauftragter an mehreren Universitäten und im 21. Bezirk wohnend, zeigte bei der Buchpräsentation am 6. Mai 2019 im Bezirksmuseum Floridsdorf, wie er sich dem Phänomen „Donauwiese“, das er bereits in seiner Kindheit als „Abenteuerspielplatz“ kennengelernt hatte, von verschiedensten Seiten angenähert hat.


Dr. Matthias Marschik (l.) bei der Präsentation seines Buches im Bezirksmuseum Floridsdorf am 6. Mai 2019 (Fotos: G. Jordan).

Entstanden im Zuge der Donauregulierung 1870-75, sollte der 475 Meter breite Wiesenstreifen am linken Ufer des neuen Strombettes die Stadt Wien vor Überschwemmungen schützen, indem er die Wassermassen bis zum Hubertusdamm aufnehmen sollte. Dies gelang zwar nur zum Teil – es kam auch danach noch zu legendären Hochwässern wie jenem im Jahr 1954 -, doch in den rund 100 Jahren ihres Bestehens wurde die über sechs Quadratkilometer große Fläche zu einem (nicht kommerziellen) Erholungsgebiet, welches sich die Bevölkerung auf verschiedenste Weise „aneignete“.

Der Autor schildert die Landschaft, die weit über ein bloße Wiese hinausging, und behandelt zahlreiche Aspekte wie Brücken, Verkehr (vom Dampfschiff bis zum Segelflugzeug), Auswirkungen der Hochwässer, Planungen (inklusive nicht realisierter) usw. bis zu den vielfältigen Arten der Freizeitgestaltung und der Donauwiese als Treffpunkt unterschiedlichster „Kulturen“.

Das „Ende“ des Inundationsgebiets kam mit der Schaffung der heutigen „Neuen Donau“ und Donauinsel in den Jahren 1973-87;  nur „an einem nebeligen Novembernachmittag auf der fast menschenleeren Insel“, so schreibt Marschik, könne man „noch ein wenig von der damaligen Atmosphäre erschnuppern“…

Das Buch – mit zahlreichen historischen Fotos aus unterschiedlichen Quellen – eignet sich auch gut als Weihnachtsgeschenk.

Gerhard Jordan

 

Meilenstein „Leitbild Grünräume“

1905 wurde der sogenannte „Wiener Wald- und Wiesengürtel“ vom damaligen Gemeinderat einstimmig beschlossen. Damals sicherte die schnell wachsende Stadt im Westen den Wienerwald.

Zum einen weil er als Naherholungsgebiet dienen sollte, zum anderen aber auch für die „Durchlüftung“ der Stadt – in Wien kommt der Wind meist aus dem Westen, was bis heute an heißen Sommertagen für eine Abkühlung mit frischer Luft aus dem Wienerwald sorgt.

Knapp 115 Jahre später treffen wir eine historische Entscheidung und legen für das gesamte Stadtgebiet Zonen fest, in denen zukünftig eine Siedlungsentwicklung ausgeschlossen ist. Dort wird Grünraum für die nächsten Generationen erhalten und in manchen Gebieten sogar ausgebaut (beispielsweise wenn Gärtnereien oder Glashäuser einmal nicht mehr gebraucht werden sollten.)

Das Leitbild Grünräume beinhaltet auch das Wiener Freiraumnetz. Ein engmaschiges Netz, das sich durch die Gassen und Straßen der Stadt zieht und von jedem Wiener, von jeder Wienerin in maximal 250 Metern erreichbar sein soll. Das kann von begrünten Straßen bis zu über 100 Meter breiten Landschaftsräumen gehen. Dieses Freiraumnetz stellt sicher, dass es begrünte Verbindungen zu den großen Grünräumen der Stadt gibt.

In neuen Stadtentwicklungsgebieten sollen darüber hinaus große Stadtparks mit über 10 Hektar Fläche entstehen.

Gegen den Flächenfraß

Der Wildwuchs an Bodenversiegelung ist eine große Herausforderung. Täglich wird in Österreich eine Fläche von 20 (!) Fußballfeldern verbaut – für Gebäude, Gewerbegebiete und Verkehrsflächen. Wien ist hier eine Ausnahme in Österreich. Nicht nur haben die Wienerinnen und Wiener den niedrigsten Bodenverbrauch pro Kopf, er nimmt auch ab – und zwar um 15% zwischen den Jahren 2005 und 2017.

Wenn wir verhindern wollen, dass die Bodenversiegelung ungesteuert weitergeht, dann müssen wir auf zwei wichtige Säulen setzen: Zum einen weiterhin eine urbane, dichte Bauweise in Wien verfolgen. Die städtische Bauweise in Wien ist in Sachen Energie, Bodenverbrauch, Klimaverträglichkeit, usw. um ein Vielfaches besser als ein Wildwuchs an Reihenhaussiedlungen im Speckgürtel. Zum anderen der langfristige Schutz von Grünräumen, welchen wir mit dem Leitbild Grünräume nun sicherstellen.

Die nächsten Schritte

Das „Leitbild Grünräume“ wurde in der nächsten Stadtentwicklungskommission am 10. Dezember 2019 beschlossen. Der finalisierte Plan wird 2020 den Gremien zum politischen Beschluss vorgelegt. Das detaillierte Leitbild wird nach dem Beschluss veröffentlicht und gilt dann als Grundlage für alle weiteren Planungen und Projekte in Wien.

Gemeinderat Peter Kraus,  Planungssprecher der Wiener Grünen und Vorsitzender des Gemeinderatsausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung

 

Frisches Grün im Mengergassen-Viertel

Noch 2019 wurden die ersten neuen Bäume gepflanzt, und im neuen Jahr geht es dann mit vollem Einsatz für das Mikroklima weiter.

Aufgrund einer Förderung durch das Büro von Vizebürgermeisterin Birgit Hebein konnten noch im Jahr 2019 zehn neue Bäume in der Ostmarkgasse gepflanzt werden.

Neu gesetzter Baum in der Ostmarkgasse 10, Ecke Bertlgasse  (Fotos: Heinz Berger).

Bei den Verhandlungen für das Bezirksbudget 2020 haben sich die Floridsdorfer Grünen – wie schon im Vorjahr – für verstärkte Klimaschutzmaßnahmen eingesetzt. Die Bezirksvertretung hat erfreulicherweise beschlossen, dass 2020 das Budget für Maßnahmen gegen die Hitzeinseln im Mengergassen-Viertel verdoppelt wird.


Auch vor der Ostmarkgasse 11 wurde begrünt.

Auch wenn das im Bezirk erst ein Anfang ist:  Für die betroffenen Gassen sind das wichtige Maßnahmen für das Mikroklima vor der Haustüre, die außerdem zur Verschönerung der Umgebung beitragen.

Bezirksrat und Klubobmann Heinz Berger

Gutes Klima in Donaufeld

Donaufeld könnte ein Pilotprojekt für klimafreundlichen Wohnbau werden.

Das Stadtwachstum ist eine große klimapolitische Herausforderung. Einerseits belastet der Bodenverbrauch das Klima, aber andererseits kann der Neubau aufgrund von gezielten Klimaschutzmaßnahmen auch zu einer klimatischen Entlastung beitragen.

„Neu-Donaufeld“ könnte aufgrund der vorgeschriebenen Dachbegrünungen, der nachhaltigen Energieversorgung und auch aufgrund des über 12 Hektar großen Grünzugs mit dem darin vorgesehenen Gewässer zu einem Klima-Vorzeigeprojekt werden!

Heinz Berger

Begrünte Idylle in Donaufeld  (Foto: Heinz Berger).

Neuer Verbindungsweg in Donaufeld

Im Sommer 2019 ist endlich der lange geforderte Verbindungsweg als Nord-Süd-Verbindung zwischen der Nordmanngasse (bei Nr. 66) und der Gasse An der Schanze (zwischen den Nummern 17 und 21) für den Geh- und Radverkehr realisiert worden.

Wir freuen uns, dass gerade in Zeiten des Klimawandels dieses besonders zukunftweisende Signal als erste erlebbare Maßnahme im Stadtentwicklungsgebiet schon vor Baubeginn gesetzt wurde und der Weg bereits seit dem Sommer viel genützt wird!

Bezirksrat Heinz Berger, Klubobmann Grüne Floridsdorf

Der neue Verbindungsweg wird bereits gut genützt  (Blick von Höhe Nordmanngasse nach Süden,  Foto: Grüne Floridsdorf).

Blick von An der Schanze, neben der Gärtnerei „Bioschanze“, nach Norden zur Nordmanngasse. Dahinter, in der Bildmitte, der Margarete-Schütte-Lihotzky-Hof, Donaufelder Straße 99  (Foto: Gerhard Jordan).

„Expedition“ zur Flora und Fauna des Donaufelds

Organisiert von der „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ für den 21. und 22. Bezirk (GB*nord), fand am 17. September 2019 ein „Impulstag“ statt, bei dem die Pflanzen- und Tierwelt des Donaufelds erkundet werden konnte.

Start der „Expedition“ beim Infopoint Donaufeld  (Fotos: Gerhard Jordan).

Rund ein Dutzend Interessierte begaben sich – ausgerüstet mit „Insektenbechern“ – auf die naturkundliche Expedition mit dem Wildbiologen und Waldpädagogen Marcus Zuber und der bei zahlreichen Nachbarschaftsgarten-Projekten helfend beteiligten Landschaftsplanerin Susanne Staller.


Wildbiologe Marcus Zuber mit einem „Insektenbecher“.

Obwohl im Donaufeld keine Wildschweine vorkommen, war eine der ersten Fragen an den Wild-Experten, wie man/frau sich bei der Sichtung eines solchen Tiers verhalten solle. In der Regel sind sie friedlich, so Zuber, aber sollte es sich um eine Bache mit Frischlingen handeln, denen man zu nahe kommt, besser nicht in Panik davonlaufen (denn das Schwein ist schneller), sondern stehen bleiben und dann ruhig nach rückwärts weichen.

Nach dieser theoretischen Einleitung folgte die Praxis in Form eines Rundgangs durch die Vegetation in der Nähe des Infopoints Dückegasse/An der Schanze. Schon die Brennnesselstauden erwiesen sich als vielfältiger Lebensraum, von Käfern bis Raupen.

„Inspizierung“ der Brennnesselstauden und ihrer „Bewohner“.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis sich ein schwarzer, langgestreckter Laufkäfer in einem Insektenbecher fand und nach Betrachtung durch die Vergrößerungs-Linse wieder freigelassen wurde. Auch verschiedene Arten von Marienkäfern wurden registriert. Schlangen wurden diesmal nicht gesichtet, obwohl einige, laut Marcus Zuber, nicht nur die Sonne lieben, sondern auch Feuchtigkeit – z.B. die ungiftige Äskulapnatter, die auch in Auwäldern anzutreffen ist und gerne Mäuse jagt.

Bei den Pflanzen ragt vor allem die Kanadische Goldrute im wahrsten Sinne des Wortes heraus, wegen ihres hohen Wuchses. Als Ruderalpflanze ist sie (mit ihren buschigen, gelben Blüten) häufig anzutreffen, obwohl sie erst relativ spät aus Nordamerika nach Europa kam.  Ebenfalls gelb ist der wilde Lein, der in Teilen des Donaufelds ebenso anzutreffen ist wie der zu den Fuchsschwanzgewächsen gehörende Amaranth.

Wilder Lein und Amaranth gedeihen auf nicht bewirtschafteten Flächen.

Viele der in unserer Umgebung zu findenden Gewächse sind auch Heilpflanzen, so etwa der essbare Wiesenbocksbart oder die Ringelblume, deren Salbe schon Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert kannte.

Marcus Zuber mit einem Wiesenbocksbart, rechts Susanne Staller.

Es ist sicher wünschenswert, dass bei der Entwicklung des Donaufelds – sowohl bei der Ausgestaltung des zentralen „Grünzugs“ als auch beim wohnanlagen-bezogenen Grün – darauf geachtet wird, dass auch naturnahe Flächen bestehen bleiben. Naturwiesen, die nicht ständig gemäht werden, wegbegleitende Grünstreifen oder sogenannte „Gstettn“ können mit dazu beitragen, die Artenvielfalt wie sie jetzt im Donaufeld besteht, auch in Zukunft nach Möglichkeit zu erhalten.

G. Jordan

Natur erhalten – B 232 verhindern!

Am 7. September 2019 machten wieder viele AnrainerInnen und verkehrspolitisch Interessierte trotz Schlechtwetters bei der Radfahrt gegen die B 232 auf den wertvollen Grünraum aufmerksam, der durch diese sinnlose Straße zerstört würde. Angesichts der Klimakrise wirken die veralteten Straßenbaupläne geradezu zynisch. Der Bau der B 232 würde noch mehr Verkehr auf die bereits heute völlig überlasteten Straßen bringen!

Am 11. September 2019 beantragten daher die Floridsdorfer Grünen in der Bezirksvertretung, eine Umwidmung der Trasse von der Widmungskategorie „Verkehrsband“ (VB) in die Widmungskategorie „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“ (SWW) in die Wege zu leiten.
Leider wurde dieser Antrag von SPÖ, FPÖ, ÖVP und WIFF abgelehnt.

Es ist höchste Zeit, dass wir auch in Floridsdorf die Warnsignale des Klimas wirklich ernst nehmen, Konsequenzen ziehen und die Verkehrswende einleiten!

Gegen B232 unterschreiben

Bezirksrat Heinz Berger, Klubobmann Grüne Floridsdorf

Trotz Schlechtwetters beteiligten sich auch 2019 viele AnrainerInnen an der Radfahrt gegen die B 232  (Foto: Heinz Berger).

 

Kunstprojekt: Die „Volksherrschaft im Garten“ tagt

Im Herbst 2018 eröffnete das von KÖR („Kunst im Öffentlichen Raum“) geförderte  Kunstprojekt „Volksherrschaft im Garten“  seinen „eigenen Staat“ in einer ehemaligen Gärtnerei in der Nordmanngasse 60, auf der Leopoldauer Haide.

Im Rahmen einer Performance kommen die in einer landwirtschaftlichen bzw. gärtnerischen Flora und Fauna vorhandenen Organismen – vertreten durch Menschen – zu Wort. Sie schaffen sich eine eigene Verfassung, wählen ein Parlament und artikulieren ihre Interessen.


Die Verfassung der „Volksherrschaft im Garten“  (Fotos: Gerhard Jordan).

Nicht nur das KünstlerInnenkollektiv „Club Real“ ist daran beteiligt, sondern auch DonaufelderInnen machen – oft spontan – bei den Aktionen mit.

Am 11. Mai 2019 stand u.a. die zweite Sitzung des „Parlaments der Organismen“ auf dem Programm.
Doch zunächst führte „Evolutionsbiologe“ Dr. Hannes Anbelang interessierte BesucherInnen durch das Gelände, auf dem in den 1960er-Jahren eines der größten Glashäuser Österreichs stand – von dem heute noch das Gerüst steht – und wo Salat in großen Mengen produziert wurde.

Bei der Vereidigung der „ParlamentarierInnen“ – durchgeführt von Flora Schwanda, der „Allegorie der Volksherrschaft“ – waren sowohl Pflanzen (wie Spitzahorn oder Kanadische Goldrute) also auch Tiere (Braunbrustigel, Rauchschwalbe, Weinbergschnecke, Laubfrosch u.a.) vertreten, ja sogar Bakterien.


Angelobung von Anna Karall, Vertreterin des „Engerlingsschirmlings“.

Im Anschluss daran wurde der Entwurf einer „Hymne der Volksherrschaft“ vorgelesen und angenommen.

Danach wurde ein Denkmal zur Erinnerung an 20.000 im Jahr 1987 „hingemetzelte“ Salatköpfe enthüllt.


Flora, die „Allegorie der Volksherrschaft“, bei der Enthüllung des Denkmals für die Salatköpfe.

Begleitet wurde die Feier von Liedern über Floridsdorf, die der in der Region bestens verankerte „Nordbahnbundchor“ beisteuerte.


Der Floridsdorfer „Nordbahnbundchor“ in Aktion.

Schließlich kam es zu den intensiven und teilweise kontroversen „politischen Debatten“ der Organismen, bzw. der „menschlichen VertreterInnen“ ihrer Interessen.


Die Diskussion der „ParlamentarierInnen“ bei ihrer zweiten Sitzung.

Das Gelände ist übrigens frei zugänglich und kann „erkundet“ werden. Die dritte Sitzung des „Parlaments der Organismen“ findet am Samstag, den 14. September 2019 um 16:30 Uhr statt.


Treffpunkt für Mensch, Tier und Pflanze:  Die „Volksherrschaft im Garten“ in der Nordmanngasse 60.