Das Freiraumkonzept Donaufeld ist vielen AnrainerInnen nicht egal

Heftige Diskussionen beim „Stadttratsch“ An der Schanze

Am 26. August 2020 nutzten viele Interessierte die Einladung des Stadtteilmanagement Donaufeld, um ihrem Unmut über die geplante Bebauung im östlichen Teil des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld Ausdruck zu verleihen.

Die beiden Landschaftsplaner Joachim Kräftiger und Samuel Bucher kamen kaum dazu, wie geplant das „Freiraumkonzept für das Quartier An der Schanze“ vorzustellen, da die von den Organisatoren René Ziegler und Denis Witzke von der Gebietsbetreuung gestellte Eingangsfrage „Wie grün bleibt das Donaufeld?“ eine Grundsatzdiskussion auslöste.


Kontroverse Diskussionen beim „Stadttratsch“ (Fotos: Heinz Berger).

Als jemand der Anwesenden vorschlug, lieber bereits versiegelte Flächen (Parkplätze und Supermärkte) zu überbauen, griff die grüne Bezirksrätin Gabriele Tupy den Hinweis auf, um eine Liste von über hundert Supermärkten in Floridsdorf, die überbaut werden könnten, an SPÖ-Bezirksrat Dieter Preinerstorfer zu übergeben, der in Vertretung des Bezirksvorstehers an der Veranstaltung teilnahm.

Bezirksrätin Gabriele Tupy überreicht ihre Recherchen zu möglichen Supermarkt-Überbauungen in Floridsdorf.

In der Folge entspann sich eine sehr angeregte Diskussion über eine veröffentlichte Interview-Aussage von Bezirksvorsteher Papai zum Donaufeld: „Wenn man die Wohnungen nicht braucht, hat man mit mir den ersten Kämpfer dafür, dass man dort nicht baut.“

Da bisher die Anzahl der 6.000 hier geplanten Wohnungen absolut nicht diskutierbar war, freuen wir uns sehr über diesen Schwenk des Bezirksvorstehers und treten gerne in Verhandlungen über den Erhalt von mehr Grünflächen für die lokale Nahversorgung mit frischem Gemüse ein!

Bezirksrat Heinz Berger

„Leitbild Grünräume“ beschlossen!

Das „Leitbild Grünräume neu“ ist ein Meilenstein in der Wiener Grünraumplanung.  Damit sichert und erweitert Wien nachhaltig Grün- und Freiräume für die Stadt.

Grünräume leisten einen wesentlichen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel und indirekt auch zum Klimaschutz. Wien setzt mit dem „Leitbild Grünräume neu“, das am 24. Juni 2020 von Rot-Grün im Gemeinderat beschlossen wurde, einen wichtigen Schritt zur langfristigen Sicherung und Weiterentwicklung der vielfältigen und wertvollen Grünräume und Wasserflächen in der Stadt. Das Leitbild, das federführend von der Abteilung für Stadtentwicklung und Stadtplanung (MA 18) erstellt wurde, schafft Planungssicherheit für das gesamte Stadtgebiet, in dem unterschiedliche Grünraumkategorien definiert und festgeschrieben werden.

Wien hat mit über 50 Prozent bereits jetzt einen sehr hohen Grünanteil. Mit dem neuen Leitbild stellen wir sicher, dass auch in Zukunft Wälder, Wiesen und Parks erhalten und neu geschaffen werden. Mit dem Konzept, das heute im Ausschuss beschlossen wird, können wir den Wohnraum besser und im Einklang mit den Bedürfnissen der BewohnerInnen unserer Stadt planen. So werden wir auch in Zukunft die grünste Stadt der Welt bleiben.

Konkret werden Bereiche gekennzeichnet, in denen in alle Zukunft keine Siedlungsentwicklung stattfinden darf und solche, die langfristig von der Siedlungsentwicklung ausgenommen sind. Dadurch schafft es planerische Grundlagen für die Stadtteilplanung und die Erstellung von Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen. Die als „Wiener Immergrün“ bezeichneten Flächen sind für immer als hochwertige Grünräume geschützt. Sie sind prinzipiell frei von Bebauung; ausgenommen bauliche Einrichtungen für Erholung oder Forst- und Landwirtschaft.

Aber es werden auch Flächen, die zu Grünräumen entwickelt werden, wenn sich die derzeitige Nutzung ändert („Zukunftsgrün“) ausgewiesen, das Wiener Freiraumnetz und andere Kategorien.

Der zentrale Donaufeld-Grünzug ist übrigens als „Immergrün“ ausgewiesen und damit nach der Widmung vom Dezember 2017 noch durch einen weiteren Beschluss in seinem Bestand gesichert.

Gemeinderat Peter Kraus, Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung  (Foto: Grüne Wien)

Zur Zukunft des Donaufelds. Stimmen aus der Zivilgesellschaft

Agnes BERNHART
(Buchautorin aus der Siedlung Alfred-Nobel-Straße)

Mein ganzes – schon langes – Leben verfolge ich die Geschichte und „Geschichterln“ vom Donaufeld, schreibe sie auf, dass sie nicht vergessen werden.
In den nächsten Jahren werden hier viele Menschen eine neue Heimat finden. Ich hoffe, das ländliche Flair dieser Gegend wird auch ihnen Freude und Lebensqualität bringen.


Agnes Bernhart  (Foto: privat).


Martin FREIMÜLLER
(Bio-Gärtner, An der Schanze)

Ich bin stolz darauf, dass es im Donaufeld noch Landwirtschaftsbetriebe gibt und mein Brombeerfeld ein Teil davon sein darf. Die sichere Nahversorgung mit gesunden Lebensmitteln und der direkte Kontakt zum Kunden ist mir sehr wichtig!
Da meine Brombeerplantage im bereits gewidmeten Teil des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeldes liegt (Widmungen: teilweise Grünland/Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel, Park, Bauland und Straßenflächen), bin ich jedoch potenziell unmittelbar in meiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Ich hoffe, es lassen sich für alle Beteiligten positive Lösungen finden!


Martin Freimüller  (Foto: G. Jordan)


Christine RUNGE
(Aktiv im Nachbarschaftsgarten „Paradeisgartl Donaufeld“,  Bewohnerin des Frauenwohnprojekts „Johanna-Dohnal-Haus“ in Kagran)

Es ist sehr wichtig, dass große freie Flächen zum Spazierengehen, Rad fahren, Laufen, und die freie Sicht auf den Himmel erhalten bleiben. Die biologische Gärtnerei „Bioschanze“ ist eine nahe Einkaufsmöglichkeit mit toller Qualität. Solche Möglichkeiten wünsche ich mir viele in Wien. Es braucht auch in Zukunft unverbaute große Gebiete, die vielseitig von den AnrainerInnen genutzt werden können.
Wir brauchen hier einen Richtungswechsel: Nicht nur neue Häuser, sondern auch den Erhalt von Naturflächen, wo Menschen Erholung und Abkühlung finden. Auch die „G’stätten“ haben einen Wert, es entwickelt sich dort eine reichere Tier- und Pflanzenwelt als in Parks.
Wir müssen die vorhandenen Gebäude besser nutzen, den Leerstand abbauen und insbesondere auch leer stehende Büroräume für Wohnzwecke adaptieren.


Christine Runge  (Foto: privat).


Kornelia ZIPPER
(Agrarökologin, „Autofreie Mustersiedlung“)

Ich wohne seit 20 Jahren im Donaufeld und habe mit großer Freude die Etablierung von lokalen Angeboten an Bio-DirektvermarkterInnen (Gemüse und Brombeeren) sowie Selbsternteflächen mitverfolgt. Somit ist das Donaufeld mit lokaler Nahversorgung und Urban Gardening „am Puls der Zeit“. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ist vielen AnrainerInnen bewusst geworden, wie wertvoll regionale Nahrungsmittelproduktion ist.
Da ich mich beruflich mit Nachhaltigkeit und Landwirtschaft beschäftige, ist es mir ein großes Anliegen dass der fruchtbare Auboden im Donaufeld, der hochwertigstes Ackerland ist, nicht auf der gesamten Fläche unwiederbringlich verloren geht.
Auf diesen Böden gedeiht alles, von Artischocke bis Zucchini – wahre Bodenschätze, die wir für nachfolgende Generationen erhalten sollten!!!


Kornelia Zipper  (Foto:  (c)grafik.at).


Aus der CHARTA DONAUFELD
(dem gebündelten Ergebnis des BürgerInnenbeteiligungsprozesses zum Zielgebiet Donaufeld, 2018):

Identität erhalten und weiterentwickeln
Gärtnerische Nutzungen sind das wichtigste identitätsstiftende Merkmal im heutigen Donaufeld und bilden die Grundlage für die Entwicklung von Grün- und Freiräumen. Diese Identität soll sich in Freiraumstrukturen widerspiegeln und in Form einer naturnahen Gestaltung und vielfältigen Nutzungen umgesetzt werden. (Seite 13)

Donaufeld NEU DENKEN

Sowohl die Klimakrise als auch die Covid19-Pandemie sind Anlass innezuhalten und viele unserer Pläne zu überdenken. Auch die Stadtentwicklung muss sich erst einmal neu orientieren und die vorliegenden Pläne bezüglich Klima- und Pandemieverträglichkeit adaptieren.

ZIELE:   Öffentliche Zugänglichkeit schaffen, möglichst viel unversiegelte Fläche und Nahversorgung vor Ort erhalten

Wir streben die öffentliche Zugänglichkeit des Grünzugs Donaufeld an. Das bedeutet, dass die Stadt Wien alle Anstrengungen unternimmt, um durch Kauf, Grundstückstausch oder auf dem Weg städtebaulicher Verträge in den Besitz der Grundstücke zu kommen, die eine durchgängige öffentliche Wegverbindung von der Donaufelder Straße bis zur Alten Donau ermöglichen. In einem zweiten Schritt bemüht sich die Stadt Wien auch, alle anderen Flächen des Grünzugs Donaufeld für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen. Analog dazu muss auch auf die Durchwegung und Zugänglichkeit des geplanten westlichen Grünzugs geachtet werden.

Im Zuge der weiteren Planungen, Flächenwidmungen und Bauträgerwettbewerbe im Norden und Westen von Donaufeld ist es unser klares Ziel, möglichst viele zusätzliche Flächen unversiegelt zu erhalten. Angesichts der einzigartigen Qualität des Bodens und der Sensibilität des regionalen Umfeldes ist es notwendig, dass ausgehend vom vorliegenden Leitbild ein größerer Anteil der Flächen vor allem südlich des geplanten urbanen „Ereignisbandes“ als Grünland erhalten bleibt.

Sowohl die Klimakrise als auch die Corona-Krise haben uns deutlich vor Augen geführt wie wichtig lokale Nahrungsmittel-Resilienz ist. Deshalb bemühen wir uns darum, dass auf den hervorragenden Schwemmlandböden im Donaufeld dauerhaft Flächen für die Gemüseproduktion sichergestellt werden. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass es vor Ort Flächen mit wertvollen Biozertifikaten gibt (z.B. Gärtnerei „Bioschanze“), die bereits heute bei den AnrainerInnnen sehr geschätzt werden und die ein wertvolles Qualitätsmerkmal auch für das zukünftige Donaufeld darstellen.


Der Andrang bei der Gärtnerei „Bioschanze“ stieg während der Corona-Krise nochmals an  (Foto: Gerda Daniel).


Interessensausgleich

Derzeit liegt für den Westen nur das Leitbild, aber noch keine konkrete Widmung vor. Auch wenn aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen im Zuge der Konkretisierung dieses Leitbildes Flächen im zentralen und im südlichen Teil des westlichen Planungsgebietes zumindest teilweise unversiegelt und so weiterhin für Landwirtschaft und Erholung nutzbar bleiben, so sollen die verschiedenen Vertragspartner auch ein Minimum an Planungssicherheit erwarten können. Dafür wäre eine klare Willensäußerung der Stadt sinnvoll, die eine Konzentration der Baumassen und der mehrgeschossigen Bauwerke zwischen Donaufelder Straße und dem sogenannten „Ereignisband“ vorsehen. Bebauung im zentralen und südlichen Teil sollte mit deutlich geringerer Dichte, geringerer Höhe möglich sein, aber vor allem an den Rändern des Planungsgebietes ausgeführt werden.

Urbanität und Grünraum: Win-Win-Situation

Das „Ereignisband“ zwischen den beiden Bezirkszentren in Floridsdorf und Donaustadt soll mit lebendigerer Erdgeschoßnutzung und sozialer Infrastruktur ein urbaneres Umfeld entstehen lassen, als es bisher in dieser Stadtregion möglich war. In der Mitte dieser Achse sollte im Bereich des Planungsgebietes Donaufeld gerade deshalb diese Lücke mit einer dichteren Bebauung geschlossen werden, so dass erstmals eine attraktive, urbane Querverbindung in Transdanubien entstehen kann. Die urbane Achse (Ereignisband) und der freigehaltene Grünraum südlich davon ergeben gemeinsam ein sehr attraktives Wohnumfeld mit resilienter Lebensmittelversorgung, während eine gleichmäßig dichte Bebauung im gesamten Planungsgebiet keine der positiven Möglichkeiten nutzen würde.

Bauprojekte müssen in Zukunft generell daraufhin bewertet werden, ob sie den AnrainerInnen Kompensation für den verlorenen Grünraum anbieten. Dabei wird das Augenmerk vor allem auf öffentlich zugänglichen Funktionen liegen (Grünflächen, Urban Gardening, Spielplätze, Parks, Kaffeehäuser, Aufenthaltsraum im Freien, Kultureinrichtungen, etc.). Das heißt, dass bereits bei der Planung nicht nur der vorgeschriebene Anteil von Grünflächen, sondern auch andere öffentlich zugängliche Angebote mitgedacht werden und gegenüber exklusiven Angeboten für die BewohnerInnen der Vorzug gegeben wird. Diese sollen bereits im Zuge des Widmungsverfahrens festgelegt und im Bauträgerverfahren konkretisiert werden.

Heinz Berger und Ursula Hofbauer, Die Grünen Floridsdorf



(Fotos: Grüne Wien, Klaus Pahlich)

Meilenstein „Leitbild Grünräume“

1905 wurde der sogenannte „Wiener Wald- und Wiesengürtel“ vom damaligen Gemeinderat einstimmig beschlossen. Damals sicherte die schnell wachsende Stadt im Westen den Wienerwald.

Zum einen weil er als Naherholungsgebiet dienen sollte, zum anderen aber auch für die „Durchlüftung“ der Stadt – in Wien kommt der Wind meist aus dem Westen, was bis heute an heißen Sommertagen für eine Abkühlung mit frischer Luft aus dem Wienerwald sorgt.

Knapp 115 Jahre später treffen wir eine historische Entscheidung und legen für das gesamte Stadtgebiet Zonen fest, in denen zukünftig eine Siedlungsentwicklung ausgeschlossen ist. Dort wird Grünraum für die nächsten Generationen erhalten und in manchen Gebieten sogar ausgebaut (beispielsweise wenn Gärtnereien oder Glashäuser einmal nicht mehr gebraucht werden sollten.)

Das Leitbild Grünräume beinhaltet auch das Wiener Freiraumnetz. Ein engmaschiges Netz, das sich durch die Gassen und Straßen der Stadt zieht und von jedem Wiener, von jeder Wienerin in maximal 250 Metern erreichbar sein soll. Das kann von begrünten Straßen bis zu über 100 Meter breiten Landschaftsräumen gehen. Dieses Freiraumnetz stellt sicher, dass es begrünte Verbindungen zu den großen Grünräumen der Stadt gibt.

In neuen Stadtentwicklungsgebieten sollen darüber hinaus große Stadtparks mit über 10 Hektar Fläche entstehen.

Gegen den Flächenfraß

Der Wildwuchs an Bodenversiegelung ist eine große Herausforderung. Täglich wird in Österreich eine Fläche von 20 (!) Fußballfeldern verbaut – für Gebäude, Gewerbegebiete und Verkehrsflächen. Wien ist hier eine Ausnahme in Österreich. Nicht nur haben die Wienerinnen und Wiener den niedrigsten Bodenverbrauch pro Kopf, er nimmt auch ab – und zwar um 15% zwischen den Jahren 2005 und 2017.

Wenn wir verhindern wollen, dass die Bodenversiegelung ungesteuert weitergeht, dann müssen wir auf zwei wichtige Säulen setzen: Zum einen weiterhin eine urbane, dichte Bauweise in Wien verfolgen. Die städtische Bauweise in Wien ist in Sachen Energie, Bodenverbrauch, Klimaverträglichkeit, usw. um ein Vielfaches besser als ein Wildwuchs an Reihenhaussiedlungen im Speckgürtel. Zum anderen der langfristige Schutz von Grünräumen, welchen wir mit dem Leitbild Grünräume nun sicherstellen.

Die nächsten Schritte

Das „Leitbild Grünräume“ wurde in der nächsten Stadtentwicklungskommission am 10. Dezember 2019 beschlossen. Der finalisierte Plan wird 2020 den Gremien zum politischen Beschluss vorgelegt. Das detaillierte Leitbild wird nach dem Beschluss veröffentlicht und gilt dann als Grundlage für alle weiteren Planungen und Projekte in Wien.

Gemeinderat Peter Kraus,  Planungssprecher der Wiener Grünen und Vorsitzender des Gemeinderatsausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung

 

Frisches Grün im Mengergassen-Viertel

Noch 2019 wurden die ersten neuen Bäume gepflanzt, und im neuen Jahr geht es dann mit vollem Einsatz für das Mikroklima weiter.

Aufgrund einer Förderung durch das Büro von Vizebürgermeisterin Birgit Hebein konnten noch im Jahr 2019 zehn neue Bäume in der Ostmarkgasse gepflanzt werden.

Neu gesetzter Baum in der Ostmarkgasse 10, Ecke Bertlgasse  (Fotos: Heinz Berger).

Bei den Verhandlungen für das Bezirksbudget 2020 haben sich die Floridsdorfer Grünen – wie schon im Vorjahr – für verstärkte Klimaschutzmaßnahmen eingesetzt. Die Bezirksvertretung hat erfreulicherweise beschlossen, dass 2020 das Budget für Maßnahmen gegen die Hitzeinseln im Mengergassen-Viertel verdoppelt wird.


Auch vor der Ostmarkgasse 11 wurde begrünt.

Auch wenn das im Bezirk erst ein Anfang ist:  Für die betroffenen Gassen sind das wichtige Maßnahmen für das Mikroklima vor der Haustüre, die außerdem zur Verschönerung der Umgebung beitragen.

Bezirksrat und Klubobmann Heinz Berger

Gutes Klima in Donaufeld

Donaufeld könnte ein Pilotprojekt für klimafreundlichen Wohnbau werden.

Das Stadtwachstum ist eine große klimapolitische Herausforderung. Einerseits belastet der Bodenverbrauch das Klima, aber andererseits kann der Neubau aufgrund von gezielten Klimaschutzmaßnahmen auch zu einer klimatischen Entlastung beitragen.

„Neu-Donaufeld“ könnte aufgrund der vorgeschriebenen Dachbegrünungen, der nachhaltigen Energieversorgung und auch aufgrund des über 12 Hektar großen Grünzugs mit dem darin vorgesehenen Gewässer zu einem Klima-Vorzeigeprojekt werden!

Heinz Berger

Begrünte Idylle in Donaufeld  (Foto: Heinz Berger).

„Expedition“ zur Flora und Fauna des Donaufelds

Organisiert von der „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ für den 21. und 22. Bezirk (GB*nord), fand am 17. September 2019 ein „Impulstag“ statt, bei dem die Pflanzen- und Tierwelt des Donaufelds erkundet werden konnte.

Start der „Expedition“ beim Infopoint Donaufeld  (Fotos: Gerhard Jordan).

Rund ein Dutzend Interessierte begaben sich – ausgerüstet mit „Insektenbechern“ – auf die naturkundliche Expedition mit dem Wildbiologen und Waldpädagogen Marcus Zuber und der bei zahlreichen Nachbarschaftsgarten-Projekten helfend beteiligten Landschaftsplanerin Susanne Staller.


Wildbiologe Marcus Zuber mit einem „Insektenbecher“.

Obwohl im Donaufeld keine Wildschweine vorkommen, war eine der ersten Fragen an den Wild-Experten, wie man/frau sich bei der Sichtung eines solchen Tiers verhalten solle. In der Regel sind sie friedlich, so Zuber, aber sollte es sich um eine Bache mit Frischlingen handeln, denen man zu nahe kommt, besser nicht in Panik davonlaufen (denn das Schwein ist schneller), sondern stehen bleiben und dann ruhig nach rückwärts weichen.

Nach dieser theoretischen Einleitung folgte die Praxis in Form eines Rundgangs durch die Vegetation in der Nähe des Infopoints Dückegasse/An der Schanze. Schon die Brennnesselstauden erwiesen sich als vielfältiger Lebensraum, von Käfern bis Raupen.

„Inspizierung“ der Brennnesselstauden und ihrer „Bewohner“.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis sich ein schwarzer, langgestreckter Laufkäfer in einem Insektenbecher fand und nach Betrachtung durch die Vergrößerungs-Linse wieder freigelassen wurde. Auch verschiedene Arten von Marienkäfern wurden registriert. Schlangen wurden diesmal nicht gesichtet, obwohl einige, laut Marcus Zuber, nicht nur die Sonne lieben, sondern auch Feuchtigkeit – z.B. die ungiftige Äskulapnatter, die auch in Auwäldern anzutreffen ist und gerne Mäuse jagt.

Bei den Pflanzen ragt vor allem die Kanadische Goldrute im wahrsten Sinne des Wortes heraus, wegen ihres hohen Wuchses. Als Ruderalpflanze ist sie (mit ihren buschigen, gelben Blüten) häufig anzutreffen, obwohl sie erst relativ spät aus Nordamerika nach Europa kam.  Ebenfalls gelb ist der wilde Lein, der in Teilen des Donaufelds ebenso anzutreffen ist wie der zu den Fuchsschwanzgewächsen gehörende Amaranth.

Wilder Lein und Amaranth gedeihen auf nicht bewirtschafteten Flächen.

Viele der in unserer Umgebung zu findenden Gewächse sind auch Heilpflanzen, so etwa der essbare Wiesenbocksbart oder die Ringelblume, deren Salbe schon Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert kannte.

Marcus Zuber mit einem Wiesenbocksbart, rechts Susanne Staller.

Es ist sicher wünschenswert, dass bei der Entwicklung des Donaufelds – sowohl bei der Ausgestaltung des zentralen „Grünzugs“ als auch beim wohnanlagen-bezogenen Grün – darauf geachtet wird, dass auch naturnahe Flächen bestehen bleiben. Naturwiesen, die nicht ständig gemäht werden, wegbegleitende Grünstreifen oder sogenannte „Gstettn“ können mit dazu beitragen, die Artenvielfalt wie sie jetzt im Donaufeld besteht, auch in Zukunft nach Möglichkeit zu erhalten.

G. Jordan