Geschichten mit Donaufeld-Bezug von Agnes Bernhart

Zu den in letzter Zeit erschienenen Werken mit Floridsdorf-Bezug gesellt sich eine interessante Neu-Erscheinung:  das Buch „einst & jetzt. Omageschichten aus Floridsdorf“ von Agnes Bernhart.

Die Autorin, gelernte Fotografin, Religionslehrerin i.R. und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Bezirksmuseums Floridsdorf, schildert darin auf humorvolle Weise autobiografische Erinnerungen, die einen sehr starken Donaufeld-Lokalbezug haben. Frau Bernhart hat einen Teil ihrer Kindheit und Jugend bei ihrer Tante in der Siedlung zwischen Donaufelder Straße und Nordmanngasse verbracht und beschreibt das damalige Leben aus ihrer Sicht.
Einzelne „Grätzl“ und Gebäude wie sie damals aussahen und was heute dort ist laden zu einem Vergleich ein.

Die Grünen Floridsdorf laden zu einer LESUNG MIT AGNES BERNHART aus ihrem Buch.

Wann?  –  Donnerstag, 21. März 2019,  18:30 Uhr.

Wo? –  Nordmanngasse 25-27 („Autofreie Mustersiedlung“), Salon „Aquarium“ im Hof.  Erreichbarkeit:  Beim Eingang Donaufelder Straße 50 am Spielplatz vorbei. Karte

 


Autorin Agnes Bernhart  (Foto: privat).

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Eindrucksvolles Kunstprojekt in Donaufeld

Bereits im Oktober fand die erste Sitzung des „Parlaments der Organismen“, einer innovativen Performance der internationalen KünstlerInnengruppe „Club Real“ in einem leer stehenden ehemaligen Gewächshaus an der Nordmanngasse statt. Das von „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR) geförderte Projekt „Jenseits der Natur – Volksherrschaft im Garten“ im Überschneidungsbereich von Kunst, Politik, Natur und Landwirtschaft läuft bis Herbst 2019.

Am 6. Oktober 2018 startete die international besetzte Performance von „Club Real“ mit der Eröffnung der ersten Sitzung des „Parlaments der Organismen“ im ehemaligen Gewächshaus in der Nordmanngasse 60. Zum Geleit sprachen Martina Taig von der Geschäftsführung von „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR), Bezirksrätin Astrid Pany in Vertretung von Bezirksvorsteher Georg Papai und Hannes Anbelang (Georg Reinhardt) von der Universität Helsinki, wobei letztere Rede bereits Teil der Performance war.

Das Team von „Club Real“ inszeniert gemeinsam mit ExpertInnen, Profi- und Laiendarstellerlnnen im Stadtentwicklungsgebiet Donaufeld die Auseinandersetzung der Lebewesen – die sich im Rahmen der Performance zu Parteien formieren – um den umkämpften Naturraum. In einer vielschichtigen Darstellung wird nicht nur der Kampf der Pflanzen und Tiere um ihren Platz in der sich stark wandelnden Umwelt auf der einen Ebene dargestellt, sondern als metaphorische Überlagerung auch auf Verdrängungsprozesse in der menschlichen Gesellschaft, insbesondere im Zusammenhang mit der Mobilität von Menschen hingewiesen: Lebewesen versuchen die politische Macht über ihren Lebensraum zu erlangen und verteidigen diese gegen andere. Es wurden Konflikte zwischen alteingesessenen und neu angesiedelten Pflanzen abgehandelt, und das Recht auf Asyl von Organismen, die in Wien oder Niederösterreich vom Aussterben bedroht sind, wurde diskutiert und entschieden.


Die Angelobung der „ParlamentarierInnen“ im „Parlament der Organismen“  (Fotos: Heinz Berger).

Am 26. Oktober fand dann als zweite öffentliche Performance der „Tag der Gartenexekutive“ statt, und am 14. Dezember als Weihnachtsfeier ein Treffen mit den „ParlamentarierInnen“ zu einem „Volksentscheid über die Entwürfe zum geplanten Denkmal für die 200 Salatköpfe“ bei Glühwein im ehemaligen Glashaus.

Die zweite Sitzung des „Gartenparlaments“, wird am 11. Mai 2019 um 16:30 Uhr wieder im Gewächshaus der „Volksherrschaft im Garten“ in der Nordmanngasse 60 stattfinden. Der Eintritt ist frei.

Heinz Berger

 

Donaufeld wird „frauenbewegt“ und international!

Seit Jahren setzen sich die Floridsdorfer Grünen dafür ein, dass bei Verkehrsflächen-Benennungen bevorzugt Frauen zum Zug kommen sollen.
Besonders für das Stadterweiterungsgebiet Donaufeld war uns dies wichtig – ebenso wie ein Signal über die Bezirksgrenzen hinaus, zumal ja das Donaufeld als eines der Zielgebiete der ersten in Österreich stattfindenden „Internationalen Bauausstellung“ – der IBA Wien 2022 – fungiert.

Alle drei von uns vorgeschlagenen Namen wurden am 7. November 2018 einstimmig von der Bezirksvertretung beschlossen, sozusagen als „transdanubischer Beitrag zur österreichischen EU-Ratspräsidentschaft“:

Neben der Auschwitz-Überlebenden Antonie Lehr (1907-1997), die in der NS-Zeit aus Frankreich nach Wien zurückkehrte, um in der Floridsdorfer Lokomotivfabrik Widerstandsarbeit zu leisten, sind dies die bisher einzigen Frauen, die Präsidentinnen des Europaparlaments waren:  die französischen Politikerinnen Simone Veil (1927-2017), ebenfalls Holocaust-Überlebende, frauenpolitisch engagiert und von 1979-82 EP-Präsidentin, und die katholisch-liberale Nicole Fontaine (1942-2018), die von 1999-2002 dieses Amt in Brüssel innehatte.


Floridsdorfer Grüne begrüßen die Benennungen mit Frauen- und Europa-Bezug  (Foto: Heinz Berger).

Das Donaufeld war auch bereits im Juni 2018 Schauplatz einer kleinen „Europa-Kundgebung“:  Claude Brouir, ein belgischer Grünpolitiker, kam im Zug einer Reise durch die EU-Gründungsstaaten mit seinem Solar-Tandem auch in der „Autofreien Siedlung“ vorbei, wo er sich mit europapolitisch Interessierten traf. Neben der städtepolitisch sehr aktiven grünen Europaparlaments-Abgeordneten Monika Vana war auch der grüne Bundessprecher Werner Kogler mit dabei, der inzwischen zum Spitzenkandidaten für die EP-Wahl 2019 designiert wurde.

Wir werden beide im kommenden Wahlkampf aktiv unterstützen und freuen und auf viel grünen Schwung gegen den Rechtsruck und für ein solidarisches Europa!

Bezirksrat Gerhard Jordan

Werner Kogler, designierter Spitzenkandidat für die Europaparlamentswahl 2019, und EP-Abgeordnete Monika Vana mit dem belgischen Grünen Claude Brouir in der „Autofreien Mustersiedlung“ (Foto: Brigitte Parnigoni).

 

 

Ausstellung über das Jüdische Leben in Floridsdorf

Anlässlich des 80. Jahrestages der „Reichspogromnacht“ fanden in ganz Wien Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer der Shoa statt, so auch in Floridsdorf. Eine Ausstellung des Bezirksmuseums, die maßgeblich vom grünen Bezirksrat Gerhard Jordan mitgestaltet wurde, ist noch bis 3. Februar 2019 zu sehen.

Am Vormittag des 23. Oktober 2018 wurde in der Hopfengasse, am Rest des ehemaligen Tors beim FAC-Platz, von den Opferverbänden eine Gedenktafel enthüllt, die an das 1944/45 dort befindliche KZ-Nebenlager erinnert.


Die Gedenktafel am ehemaligen Lagertor in der Hopfengasse.  (Fotos: Heinz Berger, Gerhard Jordan)

Am Nachmittag und Abend fand im Bezirksmuseum eine Veranstaltung statt, die an die verschiedenen Aspekte des jüdischen Lebens in Floridsdorf erinnerte:

An den – ab 1880 – ersten Rabbiner Dr. Joseph Samuel Bloch (1850-1923), dessen Todestag sich im Oktober zum 95. Mal jährte, an die zahlreichen jüdischen Vereine, an die Geschäfte im Bezirkszentrum und an den jüdischen Friedhof in der Ruthnergasse, der in den 1990er-Jahren im Rahmen des Projekts „Schulen adoptieren Monumente“ von SchülerInnen und Lehrkräften des Gymnasiums Ödenburger Straße wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Dazu gab es einen Rückblick mit zwei damals Beteiligten (Mag. Tatjana Tupy und Mag. Johann Schrammel).


Johann Schrammel (damals Lehrer, l.) und Tatjana Tupy (damals Schülerin) erinnern sich an ihr Projekt.

Die Direktorin des Ella-Lingens-Gymnasiums in der Gerasdorfer Straße, Frau Mag. Eveline Trenner-Moser, und die Maturantin Nina Brugger sprachen über die Namensgeberin ihrer Schule.

Vorträge und Präsentationen widmeten sich dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben, unbekannten Aspekten wie der tragenden Rolle jüdischer Sportfunktionäre bei den vor dem 2. Weltkrieg sehr erfolgreichen Floridsdorfer Fußballklubs Admira und FAC, der Verfolgung und Vernichtung der Gemeinde nach 1938 sowie der Gedenkkultur von 1945 bis heute.


Die Präsentationen von Gabriele Dorffner (oben), Matthias Marschik (Mitte) und Gerhard Jordan (unten).

Mag. Wolfgang Schellenbacher vom Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) stellte das Projekt „Memento Wien“ (eine Personendatenbank mit bezirks-bezogenen Informationen zu den Opfern des NS-Terrors) vor.


Wolfgang Schellenbacher (DÖW) stellt „Memento Wien“ vor.

Bei der Abendveranstaltung, musikalisch umrahmt von Klezmer-Musik des „LeChaim Trio“, las die in Floridsdorf aufgewachsene Schauspielerin Erika Pluhar aus eigenen Werken und erinnerte an ihre einstige Geschichtslehrerin im Gymnasium Franklinstraße 21, die schon früh offen und deutlich über die Judenvernichtung des Nazi-Regimes sprach. Der Andrang war so groß, dass eine Video-Übertragung aus dem Großen Saal ins Erdgeschoß angeboten werden musste.


Erika Pluhar bei ihrer Lesung aus eigenen Werken.

Die HistorikerInnen Dr. Gabriele Dorffner, Dr. Matthias Marschik und Mag. Gerhard Jordan gestalteten eine Ausstellung zum Thema „Gedenken an das Jüdische Leben in Floridsdorf“, die noch bis einschließlich 3. Februar 2019 im Bezirksmuseum, Prager Straße 33, zu sehen ist (zu den Öffnungszeiten Dienstag 15-17 und Sonntag 10-12 Uhr). Auch ein Museumsheft zum Thema kann dort um 8 € erworben werden.

Die Volkshochschule 21 organisierte außerdem einen Rundgang und eine Gedenkveranstaltung, und vor dem Standort der ehemaligen Floridsdorfer Synagoge in der Freytaggasse wurde am 8. November eine Lichtzeichen-Installation – ähnlich wie auch an anderen (ehemaligen) Synagogen-Standorten Wiens angebracht.

Brigitte Parnigoni

Grätzl-Rundgang Bruckhaufen

Am 20. Oktober 2018 fand wieder einer der vom Bildungszentrum Floridsdorf veranstalteten Grätzl-Rundgänge mit Bezirksrat Gerhard Jordan statt.

Diesmal ging es vom Wasserpark, einer vor 90 Jahren vom damaligen Stadtgartendirektor Friedrich Kratochwjle angelegten Parkanlage des „Roten Wien“, zum Bruckhaufen, wo die dortige Siedlungsgeschichte beleuchtet wurde – von der einstigen Mülldeponie bis zur beliebten und gefragten Wohngegend.

Bei dem Spaziergang trafen die TeilnehmerInnen zufällig auch einen Bewohner, der noch den populären Armenarzt Dr. Otto Benedik (1923-2002) gekannt hatte, der fast 50 Jahre lang in der Königsteingasse ordiniert hatte und nach dem 2006 der Platz mit dem Kreisverkehr am Schnittpunkt Kugelfanggasse/Friedstraße benannt worden war.

 


Im Wasserpark sind sowohl „echte“ – Graureiher auf dem Inselchen! – als auch „künstlerisch gestaltete“ Wasservögel zu finden: Bronzeplastik „Storchenpaar“ von Anton Endstorfer aus 1956. (Fotos: Ingrid Rapf)

 


Auf dem Otto-Benedik-Platz.

Gedenken an Roma mit internationaler Beteiligung

Vom 14. bis 17. Juni 2018 fand in Floridsdorf ein viertägiges Festival des Kulturvereins „Romano Svato“ mit dem Titel „E BISTARDE – VERGISS MEIN NICHT“ statt, vorwiegend auf der Wiese beim Romaplatz auf dem Bruckhaufen. Es sollte sowohl dem Vergessen der Geschichte der Roma entgegenwirken, als auch – 80 Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland – der Opfer des NS-Terrors gedenken.


Organisatorin Simonida Selimović vom Verein „Romano Svato“ auf der Bühne  (Fotos: G. Jordan).

Zu dem vielfältigen Programm gehörten u.a. Konzert-Auftritte verschiedener MusikerInnen (Diknu Schneeberger, Moša Šišić etc.) und Bands, Performances von KünstlerInnen aus verschiedenen europäischen Ländern, Diskussionen, Lesungen, ein Stadtspaziergang mit Willi Silvester Horvath zu den ehemaligen Wohnorten der Lovara auf dem Mühlschüttel und die Aufführung des Theaterstücks „Roma Armee“ als Gastspiel an zwei Abenden im Volkstheater.

Gute Stimmung auf der Bühne und auf der Romawiese.


Künstlerische Aktivitäten (oben) und Grätzlspaziergang mit Willi S. Horvath auf dem Mühlschüttel (unten).

Und die Forderung der Community nach einem zentralen Mahnmal in Wien für die von den Nazis ermordeten Roma, Sinti und Lovara (an einem prominenten Platz im Stadtzentrum) sollte die Schaffung eines temporären Kunstwerks unterstreichen, das am 17. Juni auf der Romawiese enthüllt wurde. Bis jetzt gibt es ja nur lokale Erinnerungsstätten, wie den 1999 aufgestellten Gedenkstein bei der ehemaligen Hellerwiese im 10. Bezirk (heute Barankapark auf dem Belgradplatz), oder die am 15. Juni enthüllte Gedenkstele in der Franklinstraße im 21. Bezirk.

Errichtet wurde das temporäre Mahnmal von den KünstlerInnen Delaine Le Bas („Traveller“-Angehörige aus Großbritannien) und Alfred Ullrich (Sinto aus Bayern, aufgewachsen in einem Wohnwagen auf dem Ringelseeplatz). Bei der Enthüllung hielt die Grüne Europaparlamentsabgeordnete Monika Vana eine Ansprache, in der sie auch auf die Rolle der EU beim Kampf gegen Diskriminierung, Antiziganismus und Rassismus und auf konkrete Aktivitäten in diese Richtung hinwies.


Künstlerin Delaine Le Bas aus Sussex (England) im Gespräch mit Moderatorin Marion Dvorak. Sie zitierte die Mahnung von Ceija Stojka: „Ich habe Angst, dass Europa seine Vergangenheit vergisst und dass Auschwitz nur schläft“.


Alfred Ullrich (geb. 1946), dessen Mutter 1939 von den Nazis an ihrem Wohnort in der Kugelfanggasse 104 verhaftet wurde und das KZ Ravensbrück überlebte, lebt heute in Dachau – einem Ort, wo auch einige Mitglieder seiner Familie im KZ umkamen. Er las eine Grußadresse des Evangelischen Pfarrers von Dachau vor.


EP-Abgeordnete Monika Vana unterstrich die Forderung nach einem zentralen Mahnmal für die Holocaust-Opfer unter den Roma in Wien und wies auf Initiativen des Europaparlaments hin – vom Beschluss zur Erklärung des 2. August als Roma-Holocaust-Gedenktag (2015) bis zum Sammelband der Grünen Europafraktion „Der Kampf gegen Antziganismus in Europa“ (2017).


Monika, Delaine und Alfred bei der Enthüllung des temporären Mahnmals.


Zum Konzept des Kunstwerks:  Der Sockel soll mit dem gestreiften Muster und dem Stacheldraht an Häftlingskleidung und an die Konzentrationslager erinnern, die „Schwarzen Winkel“ an die Stigmatisierung der Roma und Sinti als „Asoziale“, das Bild des (stilisierten) Wohnwagen-Gerippes an die Zerstörung der Lebensweise, die Asche vor dem Sockel an die Krematorien von Auschwitz-Birkenau und anderen Vernichtungslagern. Die Blumentöpfe, die zu dem zwischen den Bäumen gespannten Banner mit der dreisprachigen Aufschrift „Vergiss Sie Nicht“ hinweisen, führen in die Gegenwart.


Das Abhalten einer Schweigeminute für die Opfer des Nazi-Terrors bildete den Abschluss.

Gedenken an Roma auf Bezirksebene

Seit 15. Juni 2018 wird an die in Floridsdorf lebenden Lovara, Sinti und Roma nicht nur durch Straßennamen, sondern auch mit einer Gedenkstele erinnert – in der Franklinstraße, vor der „Business School“, auf dem Grünstreifen zwischen dem Hallenbad und dem Gymnasium Franklinstraße 26.


Die am 15. Juni 2018 enthüllte Gedenkstele in der Franklinstraße 24  (Fotos:  Gerhard Jordan).

Die Vorgeschichte

Dass der 21. Bezirk ein bevorzugter Aufenthalts- und Wohnort von Roma – vor allem der um 1920 aus Ungarn kommenden Lovara, die sich damals großteils als Pferdehändler betätigten – war, ist schon länger bekannt. Ein Antrag der Grünen aus dem Jahr 1996 in der Bezirksvertretung auf Benennung einer Verkehrsfläche nach dieser Volksgruppe führte 5 Jahre später zur Benennung von Lovaraweg – sowie auch von Romaplatz und Sintiweg – auf dem Bruckhaufen, nahe der Arbeiterstrandbadstraße.


1996 beantragt, 2001 benannt:  der von der Arbeiterstrandbadstraße zur Alten Donau führende Lovaraweg.

Romane Thana

Während sich ältere FloridsdorferInnen an die Roma auf dem Mühlschüttel und in anderen Teilen des Bezirkes noch erinnern können (noch heute leben Lovara bevorzugt in Floridsdorf, allerdings auf Wohnungen im ganzen Bezirk verteilt), so war dieser Teil der Bezirksgeschichte den jüngeren kaum bekannt. Hier leistete im Jahr 2015 die Ausstellung „Romane Thana. Orte der Roma und Sinti“ im „WIEN MUSEUM“ eine ganz wichtige Bewusstseinsarbeit. Zu den damaligen Rahmenveranstaltungen gehörten auch Spaziergänge, die Willi Silvester Horvath auf den Spuren der ehemaligen Wohnorte seiner Verwandten, die sich vor fast 100 Jahren als Pferdehändler auf dem Mühlschüttel niedergelassen hatten, abhielt.


Willi S. Horvath bei einer Exkursion des „WIEN MUSEUM“ in der Floridusgasse (2015).

Die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ schlug vor, eine Erinnerungsstätte zu schaffen, die auf den Ringelseeplatz (damals zwischen Ringelseegasse und Franklinstraße gelegen, dem bis 1965 dort befindlichen Fußballplatz des SR Donaufeld benachbart) hinweisen soll, der bis in die frühen 1960er-Jahre ein Treffpunkt verschiedener Roma-Gruppen aus mehreren Ländern Europas war. Nicht nur Lovara, sondern auch Sinti, Roma die entweder aus Jugoslawien oder 1956 nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution nach Österreich kamen, Durchreisende, „Jenische“, Schausteller-Familien aus Italien usw. hielten sich für kürzere oder längere Zeit hier auf. Erst ab etwa 1963 verschwand dieser Sammelpunkt, und es wurden in der Umgebung öffentliche Gebäude errichtet:  das Gymnasium (Nr. 26, errichtet 1963-66), die Handelsakademie (Nr. 24, 1964-66), das Hallenbad (Nr. 22, 1964-67) und der Kindergarten (Nr. 28, 1969-72).

Am 17. März 2016 unterstrich die Gedenkplattform ihre Forderung mit einer Kundgebung in der Franklinstraße, an die sich ein Gespräch mit ZeitzeugInnen im Gasthaus Birner anschloss. Die Grünen hatten bereits am 10. Februar 2016 in der Bezirksvertretung Floridsdorf einen Antrag auf Schaffung einer Erinnerungsstätte gestellt, der (gegen die Stimmen der FPÖ) der Kultur- und Benennungskommission zugewiesen wurde.
Mit Unterstützung des Bezirks kümmerten sich der Vorsitzende der Kommission, Bezirksrat Kurt Schmidt (SPÖ) und Bezirksrat Gerhard Jordan (GRÜNE) in den folgenden beiden Jahren um die Umsetzung. Ein Antrag an die KÖR („Kunst im öffentlichen Raum GmbH“) zur Ausschreibung eines KünstlerInnen-Wettbewerbs wurde schließlich an die Magistratsabteilung 7 (Kulturamt der Stadt Wien) verwiesen, die die Errichtung einer Stele in ihrem bewährten sogenannten „WIENKL-Design“ vorschlug.

Mit Hilfe von Willi Horvath wurde Kontakt mit der Roma-Community aufgenommen, ein Text formuliert und abgestimmt, und die Dienststellen der Stadt Wien prüften bei einer Ortsverhandlung den Standort. Der Termin der Enthüllung wurde, nachdem die Bezirksvorstehung von einem geplanten viertägigen Fest des Kulturvereins „Romano Svato“ erfahren hatte, mit diesem zusammengelegt, um entsprechende Synergien zu nutzen.

Die Enthüllung

Die Enthüllung fand am 15. Juni 2018 statt, und es nahmen zwischen 100 und 200 Menschen daran teil – auch zwei Schulklassen aus dem GRG 21, Franklinstraße 21. Zahlreiche VertreterInnen aus der Roma-Community (Verein Lovara Österreich, Romano Centro, Kulturverein österreichischer Roma, Romano Svato, romblog.at, etc.), MandatarInnen von 5 Parteien der Floridsdorfer Bezirksvertretung, AktivistInnen der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“ und interessierte AnrainerInnen waren gekommen.

Die Reden von Willi S. Horvath, Gerhard Jordan, Nuna Stojka (Schwiegertochter der 2013 verstorbenen Malerin und Autorin Ceija Stojka) und Bezirksvorsteher Georg Papai begleitete die Gruppe „Amenza Ketane“ (mit Hojda Stojka, dem Sohn von Ceija) musikalisch.


Auch Medieninteresse war gegeben  (Fotos: Molly Wurth).


Willi Silvester Horvath sprach über die Vergangenheit seiner Familie und über die gesellschaftliche Rolle der Lovara auf dem Mühlschüttel in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.


„Amenza Ketane“ steuerte Musik der Lovara zu der Feier bei.


Gerhard Jordan erzählte, wie sich die Erinnerungskultur im Bezirk entwickelt hat und wies auf den günstigen Zeitpunkt der Enthüllung der Stele hin: einerseits rechtzeitig zum 25. Jahrestag der Anerkennung der österreichischen Roma, Sinti und Lovara als Volksgruppe, andererseits als wichtiges Zeichen in einer Zeit, wo wieder verstärkt „Sündenböcke“ gesucht werden.


Nuna Stojka erinnerte an ihre Schwiegermutter Ceija und appellierte an den gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Bezirksvorsteher Georg Papai erläuterte die Rolle des Bezirks und der Kulturkommission beim Zustandekommen der Stele.


Die feierliche Enthüllung (v.l.n.r.: Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, Kulturkommissions-Vorsitzender Bezirksrat Kurt Schmidt, Bezirksrat Gerhard Jordan und Bezirksvorsteher Georg Papai aus Floridsdorf; ganz rechts Grüne Donaustadt-Klubobfrau Bezirksrätin Heidi Sequenz, Mitbegründerin der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“).


AktivistInnen der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“ mit Nuna Stojka nach der Enthüllung der Stele.

 

Tolle Stimmung beim Siedlungsfest in der „Autofreien“

„Für jede/n etwas“ gab es beim Fest der „Autofreien Siedlung“ in der Nordmanngasse am 26. Mai 2018.


Tanzen: Beliebt bei Groß und Klein  (Fotos: G. Jordan).

Ein Kinderprogramm mit Kasperl, Bastelstation und Spielbus sprach die Kleinsten an, „Bewegungs-Hungrige“ konnten sich bei israelischen Tänzen oder Gesellschaftstänzen austoben und Musik-Interessierte konnten sich Floridsdorf-spezifische Wienerlieder vom traditionsreichen „Nordbahnbund-Chor“ oder Hits aus den letzten Jahrzehnten von der „Siedlungsband“ zu Gemüte führen.


Wienerlied bis Rock: Musikalische Beiträge von Nordbahnbundchor und Siedlungsband.

Diesmal gab es auch Information „aus erster Hand“ von der „Gebietsbetreuung Wien-Nord“, die Anfang 2018 das Stadtteilmanagement Donaufeld übernommen hat und ihre Angebote – z.B. die Präsenz bei der „Infobox“ Ecke Dückegasse/An der Schanze an jedem Dienstag von 16-18 Uhr – vorstellte.


Das Stadtteilmanagement Donaufeld der Gebietsbetreuung stellt sich vor:  Magdalena Hubauer und Angela Salchegger mit Bewohner Stephan Fickl (v.l.).

Und natürlich gab es auch kulinarische Angebote und viel Vernetzung – das Siedlungsfest ist immer auch ein Anziehungspunkt für Interessierte aus anderen Bezirken sowie für FreundInnen und Bekannte von BewohnerInnen, durch die der sogenannte „Versunkene Platz“ alljährlich zu einem belebten und beliebten Treffpunkt wird.