Quereinsteiger mit Erfahrung: Interview mit Heinz Berger

Mag. Heinz Berger, bisher Sprecher der „Initiative Donaufeld“, hat sich entschlossen, bei der Bezirksvertretungswahl 2015 als parteiunabhängiger Kandidat für die Floridsdorfer Grünen anzutreten.
Gerhard Jordan interviewte ihn für den „GrünRaum Donaufeld“.

HeinzBerger_Foto2015
Heinz Berger vor dem Grünzug Donaufeld.

GJ:  Kannst Du Dich unseren LeserInnen kurz vorstellen?

HB:  Aufgewachsen bin ich am elterlichen Bauernhof in St. Florian in Oberösterreich. Im Jahr 1980 hab‘ ich in Lambach (OÖ) maturiert. Nach dem Studium der Architektur an der TU Wien von 1980 bis 1982 hab‘ ich bis 1984 Geschichte an der Uni Wien studiert. Nach der Ableistung des Zivildienstes beim Roten Kreuz war ich kurze Zeit Erzieher an der HTL Mödling und anschließend als Behindertenbetreuer beschäftigt, während ich nebenberuflich weiter studierte und 1992 in Geschichte abschloss. Von 1992-1999 arbeitete ich bei verschiedenen Forschungsprojekten am Max Planck-Institut in Göttingen, an den Universitäten Salzburg und Wien und am Ludwig Boltzmann-Institut, Salzburg-Wien. Seit dem Jahr 2000 bin ich am Ludwig Boltzmann-Institut für Historische Sozialwissenschaft in Wien angestellt. Parallel dazu habe ich weiter an mehreren Forschungsprojekten der Österreichischen Historikerkommission und an Zeitzeugenprojekten mit Opfern des NS-Regimes mitgearbeitet. Außerdem habe ich seit 1992 regelmäßig an den Universitäten Salzburg und Wien, an der Pädagogischen Hochschule Wien und am Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln unterrichtet.

GJ:  Welche politischen Ereignisse haben Dich am stärksten geprägt?

HB:  Als junger Mensch mit hohem ökologischem Bewusstsein war ich 1984 natürlich solidarisch mit den Besetzern der Hainburger Au. Als beim Räumungsversuch am 19. Dezember 1984 die Polizeigewalt eskalierte, beschloss ich, sofort in die Au zu fahren und blieb bis zur Ausrufung des „Weihnachtsfriedens“ durch Bundeskanzler Sinowatz am Morgen des 22. Dezember dort. Erst später ist mir auf vielen Ausflügen mit der Familie bewusst geworden, welch ein schönes Naturgebiet wir damals gerettet haben.
Kurz vor unserer Übersiedlung in den Schütte-Lihotzky-Hof in Donaufeld im Jahr 1997 haben wir durch die – damals ja von Dir mit-initiierte und maßgeblich unterstützte – Bürgerinitiative „STOPPT DIE B3!“ vom geplanten Bau der Bundesstraße B3 direkt hinter unserer Wohnhausanlage erfahren, und haben uns sofort dem Protest gegen dieses überdimensionierte Projekt angeschlossen. Auch wenn der Bau letztlich nicht verhindert werden konnte, so zeigte sich hier doch, dass wir zumindest eine Redimensionierung und eine Reihe von Begleitmaßnahmen zum Schutz der Umgebung erreichen konnten.

GJ:  Liegt hier sozusagen der Schlüssel für Dein späteres Engagement in der „Verkehrsinitiative Donaufeld“?

HB:  Auch, doch als ich im Jahr 2006 am Schulweg meiner Tochter einmal die Straßenbahn etwa 300 Meter von der Haltestelle entfernt sah, aber trotzdem noch eine Viertelstunde auf sie warten musste, weil sie im Auto-Stau feststeckte, war mein Verständnis angesichts der mangelhaften Verkehrsorganisation zu Ende. Als ich dann anderen DonaufelderInnen meine Erfahrungen schilderte, zeigte sich der vorhandene Unmut über Schleichwegverkehr durch Wohngebiete, den täglichen Stau und mangelhaften öffentlichen Verkehr – und wir gründeten die  Verkehrsinitiative Donaufeld .  In jahrelangen intensiven Auseinandersetzungen mit den Verantwortlichen in Bezirk und Rathaus konnten wir die Einrichtung der neuen Autobuslinie 33A nach Mühlschüttel erreichen, wir – federführend waren Anna Karall und Evelyn Weber – entwickelten gemeinsam mit dem Magistrat die  Mobilitätsmappe Donaufeld  für die neuen BewohnerInnen der Bombardier-Siedlung, wir konnten eine  beschleunigte Errichtung der Straßenbahnlinie 25  erreichen, und standen dann im Herbst 2012 vor unserer größten Auseinandersetzung: der geplanten Öffnung der B3 zum bisher verkehrsberuhigten Satzingerweg.

GJ:  Wie lief das ab?

HB:  Mitte Oktober 2012 teilte uns Bezirksrätin Susi Dietl mit, dass innerhalb von Monatsfrist eine Abstimmung über die mögliche Anbindung an die B3 angesetzt wurde. Obwohl wir anfangs vor Schreck und aufgrund der kurzen Frist fast erstarrt sind, war nach einigen Tagen klar, dass wir uns mit vollem Einsatz einer Öffnung widersetzen wollten. Obwohl die Situation ziemlich aussichtslos erschien, standen uns die Floridsdorfer Grünen als einzige Partei bei der Verteidigung des verkehrsberuhigten Grätzels mit vollem Einsatz zur Seite. Wir erstellten und verteilten Informationsmaterial, in dem wir besonders auf die Gefahr eines überregionalen Schleichweges durch die Wohngebiete hinwiesen, informierten die Medien über den drohenden Verlust der Ruhe, und organisierten auch zwei kleinere Informationsabende für die AnrainerInnen. Trotz unseres Einsatzes waren wir am Ende sehr überrascht, dass schließlich fast eine  Zweidrittelmehrheit für die Beibehaltung der aktuellen Lösung  stimmte. Entgegen allen Unkenrufen wurde hier der Beweis erbracht, dass es gelingen kann, mit entsprechendem Einsatz der Vernunft auch gegen eine vermeintlich überwältigende Mehrheit zum Durchbruch zu verhelfen.

GJ:  Ihr habt Eurer Tätigkeitsfeld dann auch thematisch ausgeweitet…

HB:  Ja, denn seit der Präsentation des städtebaulichen Leitbildes Donaufeld am 10. Oktober 2013 hat sich der Schwerpunkt der Arbeit der BI auf eine kritische Begleitung und Mitarbeit im Bürgerbeteiligungsverfahren Donaufeld verlagert. Neben der Sorge um die Auswirkungen auf den Verkehr setzen wir uns vor allem für eine angemessene Dichte und die Realisierung des „Grünzugs Donaufeld“ in möglichst großem Umfang ein. Zwar ist er in den Plänen vorgesehen, aber insbesondere aufgrund der Besitzverhältnisse nicht gesichert. Daher unser Motto: „Ohne Grünzug Donaufeld geht gar nichts!“.

GerhardJordanUndHeinzBerger
Heinz Berger (r.) im Gespräch mit Gerhard Jordan.

GJ:  Du bist auch noch in anderen zivilgesellschaftlichen Netzwerken aktiv.

HB:  Neben dem Engagement im unmittelbaren Umfeld war die Vernetzung mit anderen Bürgerinitiativen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene äußerst hilfreich für unsere Anliegen heraus. Von Anfang an habe ich daher Wert darauf gelegt, dass ich in meinem politischen Engagement auch in größeren Netzwerken eingebunden bin, um einerseits von anderen Beispielen zu lernen, aber andererseits auch um gemeinsam mehr durchsetzen zu können. Zu diesen gehörten z.B. die „Interessensgemeinschaft externer LektorInnen und freier WissenschafterInnen“, die „Aktion 21 – Pro Bürgerbeteiligung“, die „Initiative für ein lebenswertes Transdanubien“ (Netzwerk der Donaustädter und Floridsdorfer Bürgerinitiativen), die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“, seit 2012 die Initiativen-Plattform „buergerPROtest“, der RadlerInnen-Stammtisch Transdanubien, u.a. – jetzt natürlich auch die  Kandidatur  bei der Bezirksvertretungswahl.

GJ:  Was ist Dein Resümee?

HB:  ES ZAHLT SICH AUS, SICH EINZUMISCHEN!

GJ:  Danke für das Gespräch, und auch weiterhin viel Erfolg!

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