Gute Nachrichten für das Stadtbild: Schutzzone Am Spitz beschlossen; Bauordnungs-Novelle stoppt Abrisse auch in Transdanubien

Zwei positive Entwicklungen im Bereich Stadtbildschutz waren in den letzten  Monaten in Wien zu verzeichnen.

1.)  Schutzzone im Zentrum Floridsdorf

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig das Plandokument Nr. 8216 und damit die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um das Amtshaus am Floridsdorfer Spitz.
Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk 2010/11  über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses 2014  gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments vom 12. März bis 24. Mai 2018 (inklusive begleitender Informations-Ausstellung im Haus der Begegnung Floridsdorf am 3. Mai) und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni über acht Jahre hinzog, abgeschlossen.


Am 3. Mai 2018 fand im Haus der Begegnung eine Informations-Ausstellung statt.  (Fotos: Gerhard Jordan)

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, in der er auch auf die Entwicklung des Bereiches um den Spitz als repräsentatives Zentrum einging und dessen Bedeutung, die bis auf die Zeit vor der Eingemeindung nach Wien zurück geht, hervorhob. Bis jetzt waren es ja hauptsächlich gründerzeitliche Viertel im innerstädtischen Bereich gewesen, denen größere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.


Die Häuser Am Spitz 11 (ehemalige Gemeinde-Sparkasse aus 1894/95), 12 und 13 („Sild-Haus“, errichtet 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Weidenberg) sowie Prager Straße 1 (v.l.n.r.) liegen nun in der Ortsbild-Schutzzone im Zentrum Floridsdorfs. (Foto: Molly Wurth)

Zwar kam leider für die Gebäude der Pferdefleischerei Schuller in der Schwaigergasse 29-31 die am 23. September 2015 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Bausperre zu spät, aber in der nördlichen Floridsdorfer Hauptstraße wurden die teilweise auf die Zeit des Vormärz zurück gehenden Häuser nicht nur in die Schutzzone einbezogen, sondern auch deren Bauhöhe (großteils Bauklasse III mit 13,5 m) wurde reduziert (auf Bauklasse I mit 8,5 m), was Abrisse auch wirtschaftlich weniger lukrativ macht und somit der Erhaltung schützenswerter Bausubstanz dient.


Die Häuser Schwaigergasse 29 und 31, Teil des Ensembles Schwaigergasse, wurden leider kurz vor der Verhängung der Bausperre abgerissen (Fotos aus 2009).


Die Schwaigergasse 29-33 heute.


Teil der Schutzzone, auch mit Reduktion der gewidmeten Bauhöhe auf 8,5 Meter:  Floridsdorfer Hauptstraße 41 bis 45.

2.)  Bauordnungs-Novelle zum Schutz der gründerzeitlichen Bausubstanz

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, GRÜNEN und FPÖ eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude die bisher NICHT in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes“ beschränkt.

Im § 60 (1) ist nun festgelegt, dass nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig ist, sondern auch „der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden, wenn der Anzeige des Abbruchs gemäß § 62a Abs. 5a keine Bestätigung des Magistrats angeschlossen ist, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht“.
Spätestens 4 Wochen vor dem geplanten Beginn der Arbeiten ist vom Bauherrn der Abbruch schriftlich der Behörde anzuzeigen. Erst wenn eine Bestätigung der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgelegt wird, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht, kann mit einem Abbruch begonnen werden.

Dieser wichtige und von zivilgesellschaftlichen Initiativen seit langem geforderte Schritt hatte zur Folge, dass es in den Tagen vor dem Inkrafttreten Ende Juni 2018 zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam – teilweise wohl auch mit Spekulations-Absicht, um sich eine Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Objekte zu ersparen und nach Abrissen Platz für größere und gewinnbringende Neubauten zu schaffen. Teilweise wurden Abbrüche über Nacht sogar von Häusern begonnen, in denen noch MieterInnen wohnten.
Laut Medienberichten hat die Wiener Baupolizei in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Ein Beispiel dafür ist im Donaustädter Abschnitt der Donaufelder Straße zu sehen:
Bei dem 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer (für einen Oberlehrer aus Stadlau) errichteten Mehrfamilienhaus in der Donaufelder Straße 193, dessen Mittelrisalit spätsecessionistischen Dekor aufweist, wurde die Demolierung von der Rückseite her begonnen. AnrainerInnen und die grüne Donaustädter Klubobfrau Heidi Sequenz verständigten die MA 37, und so konnte auch dieses Juwel vorerst gerettet werden.

Der Abriss des spätgründerzeitlichen Hauses Donaufelder Straße 193 (errichtet 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer) wurde im Juli 2018 von der Baupolizei gestoppt.

Was den 21. Bezirks betrifft, so wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden, und brachten für die Bezirksvertretungssitzung am 12. September 2018 eine Anfrage ein.
In seiner Antwort nannte Bezirksvorsteher Papai 6 Gebäude im 21. Bezirk, bei denen die Baupolizei Anfang Juli die Einstellung eines Abbruchs verfügte.
4 dieser Objekte – auf dem Jedlersdorfer Platz 20, in der Prießnitzgasse 19, in der Rußbergstraße 60 und in der Theodor-Körner-Gasse 14 – waren zwar vor 1945 errichtet, es handelte sich jedoch nicht um Bauten aus der Gründerzeit, sondern zumeist aus den 1930er-Jahren. Daher wurden von der Behörde Bescheide ausgestellt, dass an der Erhaltung kein öffentliches Interesse besteht, und die Abrisse konnten schließlich fortgesetzt werden.

Anders war die Lage in den restlichen beiden Fällen, wo die Erhaltung der Objekte verfügt und der Abbruch gestoppt wurde. In der Anton-Störck-Gasse 83, nahe der Prager Straße, war bei einem wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden, und auch im Erdgeschoß sind die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen.


Abrisse verhindert:  Die Gründerzeithäuser Anton-Störck-Gasse 83 (oben) und Gerstlgasse 7 (unten) im 21. Bezirk.

In der Gerstlgasse 7 handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das laut Friedrich Achleitner („Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, Band III/3, Seite 191) im Jahr 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Vor allem im obersten Geschoß lässt sich der begonnene und gestoppte Abriss feststellen. Die Entscheidung der Baupolizei war in diesem Fall absolut richtig, denn das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/Neujedlersdorf, welches zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist (auch das Hotel Karolinenhof gehörte zu diesem Ortsbild).

Es ist zu hoffen, dass die beiden Objekte wiederhergestellt werden, und dass es mittelfristig dem Gesetzgeber gelingt, Bedingungen zu schaffen die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss, der oft in „gesichtslose Investoren-Architektur“ und in die Zerstörung bestehender Ensembles mündet.

Bezirksrat Gerhard Jordan 

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Kirschblütenpark-Widmung: Reduktion durchgesetzt!

Die öffentliche Auflage des Plandokuments Nr. 7749E, das eine Bebauung am Rand des Kirschblütenparks, zwischen Tokiostraße und Attemsgasse, vorsieht, sorgte Ende 2017 für Unmut bei AnrainerInnen. Zwar wird mit der Umwidmung auch ein Zugang in den Park von der Donaufelder Straße her geschaffen – was sehr zu begrüßen ist! -, doch die Aufzonung einer Baufläche an der nach Osten verlängerten Nippongasse (im Bereich einer aufgelassenen Gärtnerei) von Bauklasse I auf Bauklasse VI führte zu durchaus nachvollziehbaren Protesten.

BewohnerInnen des Bezirksteils wandten sich an die Donaustädter Grünen, die Gemeinderat Christoph Chorherr auf die Problematik aufmerksam machten. Nachdem SPÖ und ÖVP am 13. Dezember 2017 in der Bezirksvertretung zunächst noch für die Bauklasse VI gestimmt hatten, gelang es schließlich doch noch, eine Reduktion durchzusetzen, und am 24. Mai 2018 beschloss der Gemeinderat für den umstrittenen Bereich die Bauklasse IV, was in etwa der umliegenden Bebauung entspricht.

Das Engagement von BürgerInnen hat sich in diesem Fall also bezahlt gemacht!


Die Baustelle wo die Verlängerung der Nippongasse entsteht, von der Donaufelder Straße (also von Norden) gesehen…

… und von Westen gesehen, Blick Richtung Attemsgasse  (Fotos: G. Jordan).

Gedenken an den 12. März 2018 in Aspern: Noch vor dem „Anschluss“ kam Himmler

Am 12. März 1938 kurz vor 5 Uhr landete der Reichsführer SS Heinrich Himmler am damaligen Flugfeld Aspern (wo sich heute die Seestadt befindet) mit etwa 50 seiner engsten Mitarbeiter, darunter dem Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich, um in einer ersten Verhaftungswelle die ohnehin schon stark nationalsozialistisch unterwanderte österreichische Polizei zu „säubern“ und gleichzuschalten.
Aus diesem Anlass organisierte die
„Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ am 12. März 2018 – genau 80 Jahre danach – am ehemaligen Flugfeld ihre seit 2012 bereits siebente Gedenkveranstaltung.

Beim Treffpunkt vor der U2-Endstation „Seestadt“ fanden sich trotz Regens etwa 70-80 Personen ein, darunter der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy und die stellvertretende Bezirksvorsteherin Ilse Fitzbauer aus Floridsdorf, zahlreiche VertreterInnen von SPÖ, GRÜNEN, NEOS, KPÖ und der Zivilgesellschaft.


Oben:  Der Treffpunkt bei der U2-Station „Seestadt“  (Fotos: Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien).
Unten (v.l.n.r.):  Andreas Konecny, Bernhard Gaishofer, Gerhard Jordan, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, Heinz Berger, Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy.

Nach dem kurzen Weg zum Gedenkwald sprach Gerhard Jordan über die Entstehung und die bisherigen Aktivitäten der Plattform. Unter anderem erwähnte er, dass sich die Forderung der Gedenkplattform-Kundgebung von 2016, nämlich ein Objekt zur Erinnerung an die bis Anfang der 1960er-Jahre beim Ringelseeplatz auf dem Mühlschüttel im 21. Bezirk lebenden Lovara, Sinti und Roma aufzustellen, in Umsetzung befindet und die Enthüllung in der Franklinstraße für Juni vorgesehen ist.


Reden von Gerhard Jordan (oben) und Heidi Sequenz (unten).

Heidi Sequenz bot einen Überblick über die Geschichte des Gedenkwaldes östlich der Seestadtstraße: 1987 wurde von Schülerlnnen im Andenken an die 65.000 Wiener jüdischen Opfer der Shoah jeweils ein Baum für jedes Opfer gepflanzt. 1988 wurde ein Gedenkstein in Erinnerung an die Ermordeten errichtet.


Der im Jahr 1988 errichtete Gedenkstein.

2015 stellten die Donaustädter Grünen in der Bezirksvertretung einen Antrag auf Errichtung eines Denkmals für die ZwangsarbeiterInnen, die beim Ausbau des Flughafens Aspern im zweiten Weltkrieg hier eingesetzt wurden. 2017 wurden schließlich zwei von Peter Pirker gestaltete Gedenkstege errichtet, in die 18 schmale Metalltafeln eingelassen sind, in die die Geschichte des Flugfeldes und der nationalsozialistischen Gewalt eingraviert ist.


Der 2017 errichtete Gedenksteg von der „Seestadt“ zum Gedenkwald.

Andreas Konecny von der Baugruppe „Que[e]rbau“ erzählte die dramatische Fluchtgeschichte der Familie Rothschild, die 1938 in Aspern beinahe gescheitert wäre.

Nach einem kurzen gemeinsamen Fußweg versammelten sich die TeilnehmerInnen im Nachbarschaftstreff „Yella Yella!“ der Baugruppe „Que[e]rbau“ in der Maria-Tusch-Straße 2.
Dort sprach der Historiker Heinz Berger über die
Geschichte des Flugfeldes und Querbezüge zur NS-Gewaltherrschaft, untermalt von einigen historischen Fotos und einem historischen Film.


Heinz Berger bei seinem Vortrag im Nachbarschaftstreff „Yella Yella!“.

Bernhard Gaishofer von der KPÖ Donaustadt stellte mit seinen Ausführungen zur FPÖ-Ablehnung von Straßenbezeichnungen nach NS-Opfern, zu rechten Tendenzen und zum Donaustädter Burschenschafter Martin Graf im Nationalrat den Bezug zur Gegenwart wieder her.


Bernhard Gaishofer sprach aktuelle rechtsextreme Tendenzen an.

Abschließend präsentierte Hilde Grammel von der Baugruppe die im Lokal befindliche aktuelle Ausstellung über die Frauenrechtlerin und Friedenskämpferin Yella Hertzka (1873-1948) und erzählte über ihr Leben und ihren Weg ins Exil im Jahr 1939. Nach ihr ist nämlich der an das Bauprojekt angrenzende Park im Westen der „Seestadt“ benannt.


Hilde Grammel bei der Präsentation der Ausstellung über Yella Hertzka.

Gedenkplattform Transdanubien: 80 Jahre nach dem 12. März 1938

Die 2011/12 von engagierten BürgerInnen, von AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft und Initiativen sowie Mitgliedern politischer Parteien der Bezirke 21 und 22 gegründete „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ organisiert auch 2018, im 80. Jahr des „Anschlusses“, eine Veranstaltung, die an die Ereignisse des Jahres 1938, die in der Folge in den Zweiten Weltkrieg und in den Mord an Millionen Menschen führen sollten, zu erinnern. Gerade in einer Zeit, in der Mitglieder deutschnationaler und rechtsextremer Burschenschaften in staatliche Funktionen aufrücken, ist Information über die Vergangenheit, über die Opfer und über die Rolle der Täter, mehr denn je vonnöten.

Das Gebiet der heutigen „Seestadt Aspern“, damals ein Flughafen, war der erste Schauplatz, an dem die Besetzung Österreichs in den frühen Morgenstunden ihren Anfang nahm – mit der Landung des „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler, der sofort mit der rücksichtslosen Verfolgung von Oppositionellen und GegnerInnen des NS-Regimes begann.
Bei dem 1987 angelegten Gedenkwald nahe der Seestadtstraße mit dem 2017 errichteten „Gedenk-Steg“, sowie anschließend im „NachbarInnen-Treff“ der Baugruppe „que(e)rbau“ wird über die Vorgänge des Jahres 1938 informiert.

Treffpunkt:  Montag, 12. März 2018,  17 Uhr,  U2-Endstelle „Seestadt“.
Download:  EINLADUNG

Einige der BISHERIGEN AKTIVITÄTEN der Gedenkplattform:
2014.  Lesung mit Erinnerungen an Donaufeld  mit dem Zeitzeugen Univ.-Prof. Peter Weinberger
2015:  70 Jahre Befreiung Transdanubiens – Gedenkwanderung zu Stätten der Verfolgung und des Terrors
2016   Gedenken an die Lovara, Sinti und Roma im Bereich des Ringelseeplatzes  (voraussichtlich im Juni 2018 wird eine damals geforderte Erinnerungsstätte in Form einer Gedenkstele in der Franklinstraße errichtet werden – siehe unten, NACHTRAG)https://donaufeld.wordpress.com/2016/03/20/gedenken-an-die-lovara-sinti-und-roma-im-bereich-des-ringelseeplatzes/
2017:  Anni Haider – eine antifaschistische Widerstandskämpferin in Kaisermühlen  Videofilm aus 1983, in dem die Zeitzeugin interviewt wurde
NACHTRAG:

Wem gehört der Kirschblütenpark?

Kommentar von Bezirksrätin Barbara Boll, Planungssprecherin der Grünen Donaustadt

Es ist schon ein „Klassiker“: ein Bauwerber kauft ein Grundstück, lobbyiert bei der Stadt Wien um eine kräftige Erhöhung der Bauklasse, kriegt diese bewilligt, streicht saftige Gewinne ein und zeigt sich bei der Allgemeinheit erkenntlich, indem er sich an der Errichtung eines Spielplatzes beteiligt oder einen Durchgang baut.
S
o auch beim Kirschblütenpark, nur diesmal besonders unverschämt.

Zwar wird im vorliegenden Plandokument Nr. 7749E überwiegend moderat erhöht – nämlich von Bauklasse III auf die in der Umgebung des Parks großteils verwendete Bauklasse IV -, aber just jenes Baufeld an der verlängerten Nippongasse, für das bisher Bauklasse I galt, soll nun eine Bauklasse VI erhalten – also eine Verdreifachung der Gebäudehöhe!


Ausschnitt aus dem Plandokument Nr. 7749E, Entwurf 2 (öffentliche Auflage, 2017).

Die Immobilien-Firma wirbt schon mit der Lage am Park und dem unverbaubaren Blick ins Grüne. Zahlen wird sie dafür aber genau nichts, denn der Park wird von der Stadt finanziert und instand gehalten. Die Allgemeinheit stellt also finanzielle Mittel zur Verfügung, der Profit bleibt aber beim Bauträger. Natürlich abzüglich der großzügig gewährten Durchwegung des Parks.

Wir Grünen sagen da:  NEIN DANKE, und haben deswegen sowohl unseren Planungssprecher im Rathaus, Christoph Chorherr, eingeschaltet als auch in der Bezirksvertretung dagegen gestimmt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Umwidmung bei der endgültigen Beschlussfassung im Gemeinderat verträglicher gestaltet wird, denn der Bezirk hat dem Vorschlag mit den Stimmen der „Betonier-Fraktionen“ SPÖ und ÖVP zugestimmt.

 

Kirschblütenpark – die „letzte Etappe“
HINTERGRUND-INFOS

Vom 2. November bis 14. Dezember 2017 fand die Öffentliche Auflage des Plandokuments Nr. 7749E statt. Mit diesem Entwurf soll die Bebauung um den Kirschblütenpark, für dessen Erweiterung sich die Donaustädter Grünen jahrelang aktiv eingesetzt haben, „arrondiert“ werden.
Ursprünglich war der zwischen der Tokiostraße und Attemsgasse gelegene Park viel kleiner, 2014/15 wurde er auf nunmehr rund 2 Hektar erweitert.

Unmittelbar nördlich an den Park angrenzend, in der Donaufelder Straße 164, befand sich die seit 1898 hier ansässige Gemüsegärtnerei Holzhacker (zuletzt auf Kräuter spezialisiert), die 2016 nach Essling übersiedelt ist. Die Glashäuser werden gerade abgebrochen und sollen teilweise durch Wohnbauten ersetzt werden.


Die Glashäuser der Gärtnerei am Rande des Kirschblütenparks – oben im April 2015, unten im Dezember 2017  (Fotos: G. Jordan).


Die bisher von Norden nicht gegebene öffentliche Zugänglichkeit zum Park wird künftig von der Donaufelder Straße her an zwei Stellen möglich sein – bei den Ordnungsnummern 164 und 170.


Der Eingang des ehemaligen Gärtnereibetriebs in der Donaufelder Straße 164, künftig Durchgang zum Park. Rechts im Hintergrund Wohnanlagen in Bauklasse IV (Tokiostraße 10 bis 14).

Am 13. Dezember 2017 beschloss die Bezirksvertretung Donaustadt mehrheitlich – mit den Stimmen der SPÖ und ÖVP, gegen FPÖ, GRÜNE und NEOS -, KEINE Stellungnahme zum Entwurf des Plandokuments Nr. 7749E abzugeben, was bedeutet, dass auch die in einem Teilbereich vorgesehene Erhöhung von Bauklasse I (bis Traufenhöhe 9 Meter) auf Bauklasse VI (26-35 Meter) vom Bezirk akzeptiert wird.
Die endgültige Beschlussfassung erfolgt jedoch im Wiener Gemeinderat, der auch Stellungnahmen aus der Bevölkerung, die im Zuge der Öffentlichen Auflage abgegeben wurden, berücksichtigen kann.


Das derzeit höchste Gebäude in der Umgebung ist Attemsgasse 45/Stiege 2, ein Wohnblock der „wvg“ in Bauklasse V, errichtet 2007-2009 (Blick von Westen).

Regionalwahlkreis Wien-Nord: Wolfgang Orgler im Gespräch

Die KandidatInnenliste der GRÜNEN für die Nationalratswahl 2017 im Regionalwahlkreis Wien-Nord (Bezirke 21 und 22) umfasst 12 Personen. Der Spitzenkandidat kommt aus Donaufeld – Dipl.-Ing. Wolfgang Orgler. Er steht auch auf Platz 10 der Liste im Landeswahlkreis Wien, die von Ulrike Lunacek vor dem Klubobmann im Parlament Albert Steinhauser angeführt wird.
W
ir stellen Wolfgang Orgler vor. Das Gespräch mit ihm führte Gerhard Jordan.

Wolfgang Orgler  wurde 1964 in Wien geboren. Aufgewachsen in Essen (Deutschland) und Maria Enzersdorf, 1982-1986 Studium der Informatik an der Technischen Universität Wien. Danach selbständig als Softwareentwickler, u.a. für Programme zur Kundendatenverwaltung (CRM-Customer Relationship Management). Seit 2013 wohnt er in der Donaustadt, an der Grenze zum 21. Bezirk.


Woher stammt Dein politisches Interesse?

W.O.:  Als Jugendlicher habe ich Politik – zumindest Kommunalpolitik – aus erster Hand mitbekommen, weil meine Mutter Erika Orgler – sie war Lehrerin – Ende der 1970er-Jahre die „Südstadtliste“ gegründet hat, um die absolute Mehrheit der ÖVP im Gemeinderat von Maria Enzersdorf zu brechen. Damals gab es ja noch keine Grünen. Wir haben auch mitbekommen, was „dirty campaigning“ heißt, aber meine Mutter ließ sich davon nicht beeindrucken. Beim ersten Antreten 1980 gelang der Einzug in den Gemeinderat, 1985 kam es zu weiteren Gewinnen und sie wurde für zweieinhalb Jahre Vizebürgermeisterin. Fast jeden Samstag stand sie mit einem Stand vor dem Supermarkt und sprach mit den Menschen, sammelte Unterschriften oder verteilte Infomaterial. Auch Hausbesuche wurden manchmal gemacht. Das hat sich auch ausgezahlt. Eine Nachfolge-Liste, „Die Aktiven“, die sie 1990 mitbegründete, legte von Wahl zu Wahl zu – von 3 Mandaten auf 11 im Jahr 2010. Im Jahr 2014 zog sich meine Mutter nach über 30 Jahren aus der Politik zurück.

Wie kamst Du nach Donaufeld?

W.O.:  Ich bin zwar in Wien geboren, ging aber auch einige Jahre im Ruhrgebiet zur Schule, weil mein Vater, der bei einem internationalen Getränkekonzern tätig war, zu der Zeit in Essen arbeitete. 1976 zogen wir wieder nach Österreich, in die Südstadt. 1999 übersiedelte ich nach Wien, wo ich zuerst in Liesing wohnte.
Auf den Drygalskiweg zogen wir, weil meine Frau, die an einem Fluss aufgewachsen ist, gerne in der Nähe eines Gewässers wohnen wollte. 2008 hatten wir geheiratet. Die Alte Donau gefiel uns, und so landeten wir im 22. Bezirk.


Wolfgang Orgler im Donaufeld  (Fotos: G. Jordan).

Welche Qualitäten schätzt Du an Deiner Wohnumgebung?

W.O.:  Natürlich die Alte Donau, wo ich gerne mit meinen beiden Kindern – 6 und 9 Jahre alt –  schwimmen und tauchen gehe. Es gibt dort Platz, und es ist nicht notwendig, mit einem Handtuch Liegestühle zu reservieren, wie dies auf anderen Stränden der Fall ist. Und auch die Landwirtschaft ist eine Qualität, z.B. die Gärtnerei „Bioschanze“ oder die Blumenhandlung „Rosengarten“ an der Dückegasse.

Was wünschst Du Dir für die Entwicklung des Donaufeldes?

W.O.:  Natürlich ist es schade, dass auch hier gebaut werden muss. Aber mir ist wichtig, dass eine sozial verträgliche Wohnstruktur entsteht, sozial durchmischt, also mit leistbaren und frei finanzierten Wohnungen. Baugruppenprojekte sollten auf jeden Fall Platz finden, weil das das Zusammenleben dynamischer und abwechslungsreich macht. Es soll viele Bereiche für FußgängerInnen geben, möglichst ohne Konsumzwang, und der freie Zugang zur Alten Donau muss unbedingt erhalten bleiben.

Du bist auch Mandatar der „Grünen Wirtschaft“. Was wäre für die Betriebe in und um Donaufeld wichtig?

W.O.:  Ich bin Mandatar in der Fachgruppe UBIT (Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie) der Wiener Wirtschaftskammer, das ist die größte Fachgruppe Österreichs, mit rund 20.000 Mitgliedern. Es gibt da immer wieder interessante Veranstaltungen, aber wir kritisieren, dass zu viel Geld für Eigenwerbung ausgegeben wird. Deshalb hat die „Grüne Wirtschaft“ auch dem Budget der Fachgruppe für 2018 nicht zugestimmt. Was das Stadterweiterungsgebiet Donaufeld betrifft, so hoffe ich auf das sogenannte „Ereignisband“, das ja auch Teil des derzeit laufenden Widmungsverfahrens ist. Dort muss Platz sein für kleine, lokale Betriebe, z.B. in den Erdgeschoßzonen. Ich habe Unternehmen in der Seestadt Aspern besucht, da können wir von dem was dort gut läuft, lernen. Betriebe, die es vor Ort gibt, sollen stärker bekannt gemacht und den alten und neuen BewohnerInnen näher gebracht werden. Die BewohnerInnen sollten auch befragt werden, welche Betriebe sie brauchen. Eine Fahrradwerkstatt würde sicher gut gehen, auch Dienstleistungsbetriebe. Der Stadtteil soll lebendig sein, auch außerhalb der Arbeitszeiten. In dem künftigen Grünzug sollten neben kindergerechten Bereichen wie Spielplätzen auch Fitnessgeräte für alle Generationen bereitgestellt werden.

Was wünschst Du Dir im Verkehrs-Bereich?

W.O.:  Im Donaufeld hat eine „Wirtschaft der kurzen Wege“ gute Chancen, also fußläufige Erreichbarkeit und Durchgänglichkeit. Eine gute Straßenbahnverbindung, so früh als möglich, ist auch wichtig. Hier sollte ein Rasengleis kommen, allerdings nicht so wie in der Tokiostraße – wo die Grünen dies gefordert haben, aber die Umsetzung nicht optimal war. Sondern eines, wo die Trasse zur Gänze auf einer Ebene begrünt ist.


Rasengleise in der Tokiostraße (oben) und in Straßburg/Frankreich (unten).

Und Deine Erwartungen für die Nationalratswahl am 15. Oktober?

W.O. (lacht):  Dass die Konkurrenz sehr groß ist, ist natürlich eine große Herausforderung. Trotzdem freue ich mich über jede Vorzugsstimme. Sogar Peter Pilz hat mir seine bei der Bezirksvertretungswahl 2015 gegeben, wie er mir gesagt hat.

Grüne Sommertour an der Alten Donau

Die Wiener Grünen sind auch im Sommer 2017 nicht untätig – mit Gratis-Eis auf dem „Foodbike“, Frisbee-Scheiben, Federball-Schlägern, Boccia-Kugeln, Liegestühlen und Sonnenbrillen „ausgerüstet“ werden Badeplätze, Parks, Feste usw. besucht, und auch der „Hunger auf Politik“ wird gestillt.

Am 9. Juli ging es zum „ArbeiterInnenstrand“ in der Arbeiterstrandbadstraße 89 im 22. Bezirk – an der Alten Donau, nahe der Siedlung Bruckhaufen, gegenüber dem Donaupark.


Der „ArbeiterInnenstrand“ im 22. Bezirk.  (Fotos: G. Jordan)

Seit Mai 2015 ist dieser Teil des ehemaligen Arbeiterstrandbads eine frei zugängliche Liegewiese mit kostenlos benützbarem Badeplatz. Die Gestaltung des Geländes wurde auch von der EU gefördert, über das  Projekt „LIFE+ Alte Donau“.

Es dauerte nicht lange, bis sich Schlangen vor dem grünen „Foodbike“ bildeten.


Großer Andrang beim Gratis-Eis:  Zur Auswahl standen die Sorten Holunderblüte, Marille, Ribisel und Kürbiskernöl.

Doch auch die anderen Freizeitangebote der Grünen Sommertour wurden angenommen.

Die Donaustädter Grünen hatten übrigens bei der Diskussion über die Gestaltung des „ArbeiterInnenstrands“ in der Bezirksvertretung den Antrag gestellt, einen Trinkbrunnen zu installieren – was auch umgesetzt wurde.


Klubobfrau Heidi Sequenz und Aktivist Christopher Huber von den Donaustädter Grünen mit dem Trinkbrunnen.

Ein weiterer Standort in der Donaustadt war am 14. Juli 2017 das Kaiserwasser nahe der Wagramer Straße. Auch Ulrike Lunacek, Europa-Abgeordnete und Spitzenkandidatin der Grünen für die Nationalratswahl, war dabei.

Ulrike Lunacek zu Besuch in Kaisermühlen  (Fotos: Brigitte Parnigoni).

Dementsprechend größer war an diesem Tag auch das Medieninteresse.

Nach den Interviews und Gesprächen mit der Bevölkerung durfte auch sie sich ein Bio-Eis schmecken lassen.


Bis Ende August wird es noch weitere Besuche der „Sommertour“ im Bereich der Alten und Neuen Donau geben.

 

Widerstand in Kaisermühlen

Wie jedes Frühjahr seit 2012, trat auch 2017 die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“ wieder mit einer Veranstaltung in Erscheinung.

Nachdem 2015 (Gedenkwanderung anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung Transdanubiens zu KZ-Nebenlagern und Zwangsarbeitsstätten im Bereich der Prager Straße) und 2016 (Veranstaltung mit ZeitzeugInnen zur Geschichte der bis in die 1960er-Jahre im Bereich Mühlschüttel/Ringelseeplatz siedelnden Lovara, Sinti und Roma) der Schwerpunkt in Floridsdorf lag, ging es diesmal um Kaisermühlen, genauer gesagt um den großen Gemeindebau Goethehof, der zur Zeit seiner Errichtung (1929/30) noch im 2. Bezirk lag.

In einem Veranstaltungslokal dieser Anlage an der Schüttaustraße 1-39, dem sogenannten „Werkl im Goethehof“, zeigte die Gedenkplattform am 22. März 2017 den den 1983 entstandenen Videofilm „Tränen statt Gewehre“.


Regisseurin Karin Berger spricht über die Entstehung des Films.

In diesem von der Regisseurin und Historikerin Karin Berger gedrehten Film erzählte die Widerstandskämpferin Anni Haider, geborene Ladislav (1902-1990) aus ihrem Leben. Damals, Anfang der 1980er-Jahre, lebte Anni Haider in einem Altersheim in Linz, wo sie Karin Berger, die damals an einem Projekt über Frauen im Widerstand arbeitete, besuchte und interviewte.

In den 1930er-Jahren war Anni, damals eine junge Textilarbeiterin, in einer Färberei in Kaisermühlen und als Betriebsrätin gewerkschaftlich aktiv, zunächst in der sozialdemokratischen SDAP. Als Antifaschistin war sie im Goethehof, wo sie auf Stiege 38 wohnte, aktiv an den Kämpfen des Februar 1934 beteiligt. Die ArbeiterInnenbewegung versuchte damals, dem faschistischen Kurs von Engelbert Dollfuß und der Heimwehren bewaffnet entgegenzutreten. Besonders nördlich der Donau, z.B. in der Umgebung des Floridsdorfer Schlingerhofes, gab es heftige Kämpfe.

Anni Haider schilderte, wie im Goethehof für 170 kampfbereite Schutzbündler lediglich 4 Revolver und 10 Gewehre zur Verfügung standen und welch demoralisierenden Effekt das hatte. Mit einem Maschinengewehr deckte sie den Rückzug, wurde verwundet und konnte sich gerade noch auf das Überschwemmungsgebiet (die damalige Donauwiese) retten. Als sie bei einem sozialdemokratischen Betriebsrats-Kollegen Unterschlupf suchte, wies sie dieser weg, doch eine kommunistische Familie in der Armensiedlung Brettldorf (wo heute die „Donaucity“ steht) versorgte sie. Dieses Erlebnis trug mit dazu bei, dass Anni schließlich der KPÖ beitrat. Sie emigrierte über die Tschechoslowakei in die Sowjetunion, wo sie ihren späteren Mann, den Kommunisten Franz Haider (1907-1968) kennenlernte. Karli, ein 1924 geborener Sohn aus einer früheren Beziehung, war schon früher nach Moskau gebracht worden. Anfang 1938 ging sie – schwanger (ihr Sohn Helmut kam im Februar 1938 zur Welt) – nach Österreich zurück, um in der Illegalität die Partei aufzubauen.


Anni Haider, damals bereits über 80 Jahre alt, beim Interview für den Videofilm „Tränen statt Gewehre“.

Es dauerte nicht lange, und Anni Haider wurde 1941 (wie damals auch Margarete Schütte-Lihotzky und andere), von einem Spitzel verraten und wegen Hochverrats zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurde in der GESTAPO-Zentrale am Morzinplatz gefoltert, war teilweise in Einzelhaft und lernte in den Kerkern des NS-Regimes die 1943 hingerichtete Ordensschwester Restituta kennen. In einem Gefängnis in Bayern wurde sie 1945 von US-Truppen befreit und begann danach in der KPÖ Oberösterreich und beim „Bund Demokratischer Frauen“ zu arbeiten. 1990 starb sie in Linz.

Im Anschluss an den sehr berührenden Film kam es zu einer interessanten Diskussion, an der sich auch Frau Weiss, eine Nichte von Anni Haider, beteiligte und Erinnerungen an ihre Tante beisteuerte. Karin Berger erzählte über das Zustandekommen des Films und wie sehr sie von Anni‘s Persönlichkeit und ihrem Mut beeindruckt war. Noch heute, so wurde berichtet, gibt es ältere BewohnerInnen im Goethehof, die Anni als fast legendäre „Heldin“ in Erinnerung behalten haben.

In der Diskussion ging es auch darum, wie Frauen im Widerstand mit persönlichen Schicksalsschlägen umgehen. Als Anni erfuhr, dass ihr erster Sohn Karli, in der Meinung, seine Mutter sei tot, sich in der Sowjetunion einer Partisanengruppe angeschlossen hatte und mit 17 Jahren in Litauen gefallen war, stürzte sie sich aus Trauer umso mehr in die Parteiarbeit. Frauen, die ihre Befreiung aus den KZs erlebten, berichteten manchmal, dass ihre eigenen – oft noch kleinen – Kinder sie nach der jahrelangen Gefangenschaft nicht mehr wiedererkannten.


Lebhafte Diskussion im „Werkl im Goethehof“.

Es ging auch um die Frage des „Mitläufertums“ und darum, dass dieses aus heutiger Sicht erst beurteilt werden solle, wenn man/frau sich ernsthaft überlegt hat, wie er/sie selbst unter den damaligen Umständen gehandelt hätte. Heidi Sequenz, Mitbegründerin der Gedenkplattform und Geschichte-Lehrerin an einer AHS, war überrascht, welch starken Eindruck das Schicksal von Anni Haider auf ihre SchülerInnen gemacht hatte.

Die Entwicklungen der 1930er-Jahre lehren uns jedenfalls, dass autoritären Tendenzen rechtzeitig entgegengetreten werden muss – dies wurde damals in Wien (und in Transdanubien) versucht, und erweist sich heute in immer mehr Teilen der Welt wieder als erforderlich…


Regisseurin Karin Berger (Mitte) mit den OrganisatorInnen der „Überparteilichen Gedenkplattform Transdanubien“ Heidi Sequenz (GRÜNE Donaustadt), Heinz Berger (Initiative Donaufeld), Bernhard Gaishofer (KPÖ Donaustadt) und Gerhard Jordan (GRÜNE Floridsdorf).