Was bringt die EU uns im Bezirk?

Am 26. Mai 2019 findet wieder eine  Wahl zum Europaparlament statt.
Und besonders zu Wahlzeiten muss„Brüssel“ als Sündenbock – vor allem für PolitikerInnen, die ihre „Hausaufgaben“ nicht gemacht haben.
Doch nur wenige wissen, dass die angeblich so „abgehobene, bürokratische EU“ durchaus auch positiven Einfluss auf unser tägliches Leben hat – bis hin zur Bezirksebene.

Zahlreiche Verbesserungen der Lebensqualität in Wien wurden mit EU-Mitteln gefördert, auch in „Transdanubien“.
In ganz Wien werden Forschungsprojekte unterstützt, so etwa auch eines der VetMed gemeinsam mit Ungarn. Der Europäische Sozialfonds (ESF) trägt mit zahlreichen Projekten zur Qualifizierung Arbeitsloser und Jobsuchender am Arbeitsmarkt zur Verbesserung der Beschäftigungslage bei. Die Planung und Umsetzung des Stadtentwicklungsgebiets Seestadt Aspern im 22. Bezirk (Infopoint, Technologiezentrum, etc.) wurde mit mehreren Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.


EU-Mittel trugen zur Entwicklung der „Seestadt Aspern“ bei  (Fotos: G. Jordan).

Und das Projekt „PlaceCity“, das im März 2019 gestartet wurde und die Aufwertung des Floridsdorfer Bezirkszentrums rund um den Franz-Jonas-Platz/Am Spitz zum Ziel hat, wird die EU den Menschen vor Ort noch um ein Stück näher bringen.

Zwei weitere Beispiele seien noch erwähnt:

„Standpunkt Floridsdorf“ Quartiersmangement
Dieses Projekt hat 2015 begonnen und läuft noch bis Ende 2019. Getragen wird es von Wirtschaftskammer, Wirtschaftsagentur und MA 21. Die Förderhöhe beträgt rund 746.000 Euro. Ein Quartiersmanagement bietet Beratung zu Standortfragen, Unterstützung bei Betriebsansiedlungen, Informationen zu Fördermöglichkeiten, Unterstützung bei der Verwertung frei werdender Flächen, Informationsveranstaltungen sowie Beratung zu ressourcenschonendem Wirtschaften an. Auf diese Weise trägt sie zur Vernetzung lokaler Betriebe bei und stärkt Kooperationen, was in der Folge mehr Arbeitsplätze im Bezirk schafft.

„LIFE+ Alte Donau“
Von 2013 bis 2018 lief dieses Projekt der MA 45-Wiener Gewässer, das mit rund 1,8 Millionen Euro (das sind 50% der Gesamtkosten) von der EU gefördert wurde.
Zu den umgesetzten Maßnahmen gehören:  Renaturierung und Neu-Bepflanzung von Uferabschnitten, Öffnung eines Badeplatzes an der Arbeiterstrandbadstraße für die Öffentlichkeit, Einbau eines biologischen Bodenfilters im Wasserpark zur Verbesserung der Wasserqualität, Schaffung eines Leitsystems (Info-Stelen) und der App „Wiener Wasserweg“, etc.


Auch der Erholungsraum Alte Donau und seine Wasserqualität haben mit EU-Projekten zu tun.

Es zeigt sich also, dass wir auch im Donaufeld auf „Spuren von EU-Aktivität“ stoßen.
Deshalb ist es erfreulich, dass der Vorschlag der Grünen, zwei neu entstehende Gassen im Stadterweiterungsgebiet westlich der Dückegasse nach den bisher einzigen beiden Europaparlaments-Präsidentinnen Simone Veil (Amtszeit 1979-1982) und Nicole Fontaine (1999-2002) zu benennen, von der Floridsdorfer Bezirksvertretung am 7. November 2018 beschlossen wurde.

Gerhard Jordan

Bezirksrat aus dem Donaufeld

Im Dezember 2018 rückte DI Wolfgang Orgler als Bezirksrat der Donaustädter Grünen für die ausscheidende Dr. Barbara Boll nach.

Damit stellen nun auch die Grünen des 22. Bezirks einen Mandatar aus dem Donaufeld.  Wolfgang Orgler, IT-Consulter und Mandatar der „Grünen Wirtschaft“, wohnt auf dem Drygalskiweg.

Bei der Nationalratswahl 2017 war er Spitzenkandidat der Grünen im Wahlkreis Wien-Nord.

Portrait:  https://donaufeld.wordpress.com/2017/10/02/regionalwahlkreis-wien-nord-wolfgang-orgler-im-gespraech/

 

Erreicht: Sicherer Übergang über die Donauturmstraße!

Zwei Anträge und zwei Anfragen der Floridsdorfer Grünen sowie weitere zwei Anträge der Donaustädter Grünen waren seit 2010 notwendig, damit endlich ein sicherer Übergang über die Donauturmstraße geschaffen wurde.

In den Diskussionen darüber wurde stets behauptet, dass ein Schutzweg aufgrund der angeblich zu geringen FußgängerInnen-Frequenz nicht begründet sei. Im Jahr 2016 wurde der grüne Antrag zur Errichtung einer sicheren Querung noch von SPÖ, FPÖ, ÖVP und dem WIFF abgelehnt. Erst aufgrund von medialer Unterstützung war 2018 der Durchbruch möglich.

Jetzt hat sich die FußgängerInnen-Frequenz offenbar so stark gesteigert, dass im Spätherbst 2018 bei der Bushaltestelle ein Fahrbahnteiler (Mittelinsel) zur Erhöhung der Sicherheit der aussteigenden Fahrgäste errichtet wurde.

Es geht also doch, wenn man/frau nur will!

Bezirksrat Heinz Berger


Die 2018 endlich angebrachte Mittelinsel auf der Donauturmstraße  (Foto: Heinz Berger).

Gute Nachrichten für das Stadtbild: Schutzzone Am Spitz beschlossen; Bauordnungs-Novelle stoppt Abrisse auch in Transdanubien

Zwei positive Entwicklungen im Bereich Stadtbildschutz waren in den letzten  Monaten in Wien zu verzeichnen.

1.)  Schutzzone im Zentrum Floridsdorf

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig das Plandokument Nr. 8216 und damit die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um das Amtshaus am Floridsdorfer Spitz.
Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk 2010/11  über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses 2014  gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments vom 12. März bis 24. Mai 2018 (inklusive begleitender Informations-Ausstellung im Haus der Begegnung Floridsdorf am 3. Mai) und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni über acht Jahre hinzog, abgeschlossen.


Am 3. Mai 2018 fand im Haus der Begegnung eine Informations-Ausstellung statt.  (Fotos: Gerhard Jordan)

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, in der er auch auf die Entwicklung des Bereiches um den Spitz als repräsentatives Zentrum einging und dessen Bedeutung, die bis auf die Zeit vor der Eingemeindung nach Wien zurück geht, hervorhob. Bis jetzt waren es ja hauptsächlich gründerzeitliche Viertel im innerstädtischen Bereich gewesen, denen größere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.


Die Häuser Am Spitz 11 (ehemalige Gemeinde-Sparkasse aus 1894/95), 12 und 13 („Sild-Haus“, errichtet 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Weidenberg) sowie Prager Straße 1 (v.l.n.r.) liegen nun in der Ortsbild-Schutzzone im Zentrum Floridsdorfs. (Foto: Molly Wurth)

Zwar kam leider für die Gebäude der Pferdefleischerei Schuller in der Schwaigergasse 29-31 die am 23. September 2015 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Bausperre zu spät, aber in der nördlichen Floridsdorfer Hauptstraße wurden die teilweise auf die Zeit des Vormärz zurück gehenden Häuser nicht nur in die Schutzzone einbezogen, sondern auch deren Bauhöhe (großteils Bauklasse III mit 13,5 m) wurde reduziert (auf Bauklasse I mit 8,5 m), was Abrisse auch wirtschaftlich weniger lukrativ macht und somit der Erhaltung schützenswerter Bausubstanz dient.


Die Häuser Schwaigergasse 29 und 31, Teil des Ensembles Schwaigergasse, wurden leider kurz vor der Verhängung der Bausperre abgerissen (Fotos aus 2009).


Die Schwaigergasse 29-33 heute.


Teil der Schutzzone, auch mit Reduktion der gewidmeten Bauhöhe auf 8,5 Meter:  Floridsdorfer Hauptstraße 41 bis 45.

2.)  Bauordnungs-Novelle zum Schutz der gründerzeitlichen Bausubstanz

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, GRÜNEN und FPÖ eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude die bisher NICHT in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes“ beschränkt.

Im § 60 (1) ist nun festgelegt, dass nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig ist, sondern auch „der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden, wenn der Anzeige des Abbruchs gemäß § 62a Abs. 5a keine Bestätigung des Magistrats angeschlossen ist, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht“.
Spätestens 4 Wochen vor dem geplanten Beginn der Arbeiten ist vom Bauherrn der Abbruch schriftlich der Behörde anzuzeigen. Erst wenn eine Bestätigung der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgelegt wird, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht, kann mit einem Abbruch begonnen werden.

Dieser wichtige und von zivilgesellschaftlichen Initiativen seit langem geforderte Schritt hatte zur Folge, dass es in den Tagen vor dem Inkrafttreten Ende Juni 2018 zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam – teilweise wohl auch mit Spekulations-Absicht, um sich eine Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Objekte zu ersparen und nach Abrissen Platz für größere und gewinnbringende Neubauten zu schaffen. Teilweise wurden Abbrüche über Nacht sogar von Häusern begonnen, in denen noch MieterInnen wohnten.
Laut Medienberichten hat die Wiener Baupolizei in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Ein Beispiel dafür ist im Donaustädter Abschnitt der Donaufelder Straße zu sehen:
Bei dem 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer (für einen Oberlehrer aus Stadlau) errichteten Mehrfamilienhaus in der Donaufelder Straße 193, dessen Mittelrisalit spätsecessionistischen Dekor aufweist, wurde die Demolierung von der Rückseite her begonnen. AnrainerInnen und die grüne Donaustädter Klubobfrau Heidi Sequenz verständigten die MA 37, und so konnte auch dieses Juwel vorerst gerettet werden.

Der Abriss des spätgründerzeitlichen Hauses Donaufelder Straße 193 (errichtet 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer) wurde im Juli 2018 von der Baupolizei gestoppt.

Was den 21. Bezirks betrifft, so wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden, und brachten für die Bezirksvertretungssitzung am 12. September 2018 eine Anfrage ein.
In seiner Antwort nannte Bezirksvorsteher Papai 6 Gebäude im 21. Bezirk, bei denen die Baupolizei Anfang Juli die Einstellung eines Abbruchs verfügte.
4 dieser Objekte – auf dem Jedlersdorfer Platz 20, in der Prießnitzgasse 19, in der Rußbergstraße 60 und in der Theodor-Körner-Gasse 14 – waren zwar vor 1945 errichtet, es handelte sich jedoch nicht um Bauten aus der Gründerzeit, sondern zumeist aus den 1930er-Jahren. Daher wurden von der Behörde Bescheide ausgestellt, dass an der Erhaltung kein öffentliches Interesse besteht, und die Abrisse konnten schließlich fortgesetzt werden.

Anders war die Lage in den restlichen beiden Fällen, wo die Erhaltung der Objekte verfügt und der Abbruch gestoppt wurde. In der Anton-Störck-Gasse 83, nahe der Prager Straße, war bei einem wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden, und auch im Erdgeschoß sind die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen.


Abrisse verhindert:  Die Gründerzeithäuser Anton-Störck-Gasse 83 (oben) und Gerstlgasse 7 (unten) im 21. Bezirk.

In der Gerstlgasse 7 handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das laut Friedrich Achleitner („Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, Band III/3, Seite 191) im Jahr 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Vor allem im obersten Geschoß lässt sich der begonnene und gestoppte Abriss feststellen. Die Entscheidung der Baupolizei war in diesem Fall absolut richtig, denn das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/Neujedlersdorf, welches zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist (auch das Hotel Karolinenhof gehörte zu diesem Ortsbild).

Es ist zu hoffen, dass die beiden Objekte wiederhergestellt werden, und dass es mittelfristig dem Gesetzgeber gelingt, Bedingungen zu schaffen die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss, der oft in „gesichtslose Investoren-Architektur“ und in die Zerstörung bestehender Ensembles mündet.

Bezirksrat Gerhard Jordan 

Kirschblütenpark-Widmung: Reduktion durchgesetzt!

Die öffentliche Auflage des Plandokuments Nr. 7749E, das eine Bebauung am Rand des Kirschblütenparks, zwischen Tokiostraße und Attemsgasse, vorsieht, sorgte Ende 2017 für Unmut bei AnrainerInnen. Zwar wird mit der Umwidmung auch ein Zugang in den Park von der Donaufelder Straße her geschaffen – was sehr zu begrüßen ist! -, doch die Aufzonung einer Baufläche an der nach Osten verlängerten Nippongasse (im Bereich einer aufgelassenen Gärtnerei) von Bauklasse I auf Bauklasse VI führte zu durchaus nachvollziehbaren Protesten.

BewohnerInnen des Bezirksteils wandten sich an die Donaustädter Grünen, die Gemeinderat Christoph Chorherr auf die Problematik aufmerksam machten. Nachdem SPÖ und ÖVP am 13. Dezember 2017 in der Bezirksvertretung zunächst noch für die Bauklasse VI gestimmt hatten, gelang es schließlich doch noch, eine Reduktion durchzusetzen, und am 24. Mai 2018 beschloss der Gemeinderat für den umstrittenen Bereich die Bauklasse IV, was in etwa der umliegenden Bebauung entspricht.

Das Engagement von BürgerInnen hat sich in diesem Fall also bezahlt gemacht!


Die Baustelle wo die Verlängerung der Nippongasse entsteht, von der Donaufelder Straße (also von Norden) gesehen…

… und von Westen gesehen, Blick Richtung Attemsgasse  (Fotos: G. Jordan).

Gedenken an den 12. März 2018 in Aspern: Noch vor dem „Anschluss“ kam Himmler

Am 12. März 1938 kurz vor 5 Uhr landete der Reichsführer SS Heinrich Himmler am damaligen Flugfeld Aspern (wo sich heute die Seestadt befindet) mit etwa 50 seiner engsten Mitarbeiter, darunter dem Chef der Sicherheitspolizei Reinhard Heydrich, um in einer ersten Verhaftungswelle die ohnehin schon stark nationalsozialistisch unterwanderte österreichische Polizei zu „säubern“ und gleichzuschalten.
Aus diesem Anlass organisierte die
Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien am 12. März 2018 – genau 80 Jahre danach – am ehemaligen Flugfeld ihre seit 2012 bereits siebente Gedenkveranstaltung.

Beim Treffpunkt vor der U2-Endstation „Seestadt“ fanden sich trotz Regens etwa 70-80 Personen ein, darunter der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy und die stellvertretende Bezirksvorsteherin Ilse Fitzbauer aus Floridsdorf, zahlreiche VertreterInnen von SPÖ, GRÜNEN, NEOS, KPÖ und der Zivilgesellschaft.


Oben:  Der Treffpunkt bei der U2-Station „Seestadt“  (Fotos: Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien).
Unten (v.l.n.r.):  Andreas Konecny, Bernhard Gaishofer, Gerhard Jordan, Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, Heinz Berger, Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy.

Nach dem kurzen Weg zum Gedenkwald sprach Gerhard Jordan über die Entstehung und die bisherigen Aktivitäten der Plattform. Unter anderem erwähnte er, dass sich die Forderung der Gedenkplattform-Kundgebung von 2016, nämlich ein Objekt zur Erinnerung an die bis Anfang der 1960er-Jahre beim Ringelseeplatz auf dem Mühlschüttel im 21. Bezirk lebenden Lovara, Sinti und Roma aufzustellen, in Umsetzung befindet und die Enthüllung in der Franklinstraße für Juni vorgesehen ist.


Reden von Gerhard Jordan (oben) und Heidi Sequenz (unten).

Heidi Sequenz bot einen Überblick über die Geschichte des Gedenkwaldes östlich der Seestadtstraße: 1987 wurde von Schülerlnnen im Andenken an die 65.000 Wiener jüdischen Opfer der Shoah jeweils ein Baum für jedes Opfer gepflanzt. 1988 wurde ein Gedenkstein in Erinnerung an die Ermordeten errichtet.


Der im Jahr 1988 errichtete Gedenkstein.

2015 stellten die Donaustädter Grünen in der Bezirksvertretung einen Antrag auf Errichtung eines Denkmals für die ZwangsarbeiterInnen, die beim Ausbau des Flughafens Aspern im zweiten Weltkrieg hier eingesetzt wurden. 2017 wurden schließlich zwei von Peter Pirker gestaltete Gedenkstege errichtet, in die 18 schmale Metalltafeln eingelassen sind, in die die Geschichte des Flugfeldes und der nationalsozialistischen Gewalt eingraviert ist.


Der 2017 errichtete Gedenksteg von der „Seestadt“ zum Gedenkwald.

Andreas Konecny von der Baugruppe „Que[e]rbau“ erzählte die dramatische Fluchtgeschichte der Familie Rothschild, die 1938 in Aspern beinahe gescheitert wäre.

Nach einem kurzen gemeinsamen Fußweg versammelten sich die TeilnehmerInnen im Nachbarschaftstreff „Yella Yella!“ der Baugruppe „Que[e]rbau“ in der Maria-Tusch-Straße 2.
Dort sprach der Historiker Heinz Berger über die
Geschichte des Flugfeldes und Querbezüge zur NS-Gewaltherrschaft, untermalt von einigen historischen Fotos und einem historischen Film.


Heinz Berger bei seinem Vortrag im Nachbarschaftstreff „Yella Yella!“.

Bernhard Gaishofer von der KPÖ Donaustadt stellte mit seinen Ausführungen zur FPÖ-Ablehnung von Straßenbezeichnungen nach NS-Opfern, zu rechten Tendenzen und zum Donaustädter Burschenschafter Martin Graf im Nationalrat den Bezug zur Gegenwart wieder her.


Bernhard Gaishofer sprach aktuelle rechtsextreme Tendenzen an.

Abschließend präsentierte Hilde Grammel von der Baugruppe die im Lokal befindliche aktuelle Ausstellung über die Frauenrechtlerin und Friedenskämpferin Yella Hertzka (1873-1948) und erzählte über ihr Leben und ihren Weg ins Exil im Jahr 1939. Nach ihr ist nämlich der an das Bauprojekt angrenzende Park im Westen der „Seestadt“ benannt.


Hilde Grammel bei der Präsentation der Ausstellung über Yella Hertzka.

Gedenkplattform Transdanubien: 80 Jahre nach dem 12. März 1938

Die 2011/12 von engagierten BürgerInnen, von AktivistInnen aus der Zivilgesellschaft und Initiativen sowie Mitgliedern politischer Parteien der Bezirke 21 und 22 gegründete Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien organisiert auch 2018, im 80. Jahr des „Anschlusses“, eine Veranstaltung, die an die Ereignisse des Jahres 1938, die in der Folge in den Zweiten Weltkrieg und in den Mord an Millionen Menschen führen sollten, zu erinnern. Gerade in einer Zeit, in der Mitglieder deutschnationaler und rechtsextremer Burschenschaften in staatliche Funktionen aufrücken, ist Information über die Vergangenheit, über die Opfer und über die Rolle der Täter, mehr denn je vonnöten.

Das Gebiet der heutigen „Seestadt Aspern“, damals ein Flughafen, war der erste Schauplatz, an dem die Besetzung Österreichs in den frühen Morgenstunden ihren Anfang nahm – mit der Landung des „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler, der sofort mit der rücksichtslosen Verfolgung von Oppositionellen und GegnerInnen des NS-Regimes begann.
Bei dem 1987 angelegten Gedenkwald nahe der Seestadtstraße mit dem 2017 errichteten „Gedenk-Steg“, sowie anschließend im „NachbarInnen-Treff“ der Baugruppe „que(e)rbau“ wird über die Vorgänge des Jahres 1938 informiert.

Treffpunkt:  Montag, 12. März 2018,  17 Uhr,  U2-Endstelle „Seestadt“.
Download:  EINLADUNG

Einige der BISHERIGEN AKTIVITÄTEN der Gedenkplattform:
2014.  Lesung mit Erinnerungen an Donaufeld  mit dem Zeitzeugen Univ.-Prof. Peter Weinberger
2015:  70 Jahre Befreiung Transdanubiens – Gedenkwanderung zu Stätten der Verfolgung und des Terrors
2016   Gedenken an die Lovara, Sinti und Roma im Bereich des Ringelseeplatzes  (voraussichtlich im Juni 2018 wird eine damals geforderte Erinnerungsstätte in Form einer Gedenkstele in der Franklinstraße errichtet werden – siehe unten, NACHTRAG)https://donaufeld.wordpress.com/2016/03/20/gedenken-an-die-lovara-sinti-und-roma-im-bereich-des-ringelseeplatzes/
2017:  Anni Haider – eine antifaschistische Widerstandskämpferin in Kaisermühlen  Videofilm aus 1983, in dem die Zeitzeugin interviewt wurde
NACHTRAG:
10. Februar 2019:  Gedenkrundgang zu Schauplätzen des Februar-Aufstands 1934 in Floridsdorf mit dem Historiker Dr. Kurt Bauer

Wem gehört der Kirschblütenpark?

Kommentar von Bezirksrätin Barbara Boll, Planungssprecherin der Grünen Donaustadt

Es ist schon ein „Klassiker“: ein Bauwerber kauft ein Grundstück, lobbyiert bei der Stadt Wien um eine kräftige Erhöhung der Bauklasse, kriegt diese bewilligt, streicht saftige Gewinne ein und zeigt sich bei der Allgemeinheit erkenntlich, indem er sich an der Errichtung eines Spielplatzes beteiligt oder einen Durchgang baut.
S
o auch beim Kirschblütenpark, nur diesmal besonders unverschämt.

Zwar wird im vorliegenden Plandokument Nr. 7749E überwiegend moderat erhöht – nämlich von Bauklasse III auf die in der Umgebung des Parks großteils verwendete Bauklasse IV -, aber just jenes Baufeld an der verlängerten Nippongasse, für das bisher Bauklasse I galt, soll nun eine Bauklasse VI erhalten – also eine Verdreifachung der Gebäudehöhe!


Ausschnitt aus dem Plandokument Nr. 7749E, Entwurf 2 (öffentliche Auflage, 2017).

Die Immobilien-Firma wirbt schon mit der Lage am Park und dem unverbaubaren Blick ins Grüne. Zahlen wird sie dafür aber genau nichts, denn der Park wird von der Stadt finanziert und instand gehalten. Die Allgemeinheit stellt also finanzielle Mittel zur Verfügung, der Profit bleibt aber beim Bauträger. Natürlich abzüglich der großzügig gewährten Durchwegung des Parks.

Wir Grünen sagen da:  NEIN DANKE, und haben deswegen sowohl unseren Planungssprecher im Rathaus, Christoph Chorherr, eingeschaltet als auch in der Bezirksvertretung dagegen gestimmt. Wir setzen uns dafür ein, dass die Umwidmung bei der endgültigen Beschlussfassung im Gemeinderat verträglicher gestaltet wird, denn der Bezirk hat dem Vorschlag mit den Stimmen der „Betonier-Fraktionen“ SPÖ und ÖVP zugestimmt.

 

Kirschblütenpark – die „letzte Etappe“
HINTERGRUND-INFOS

Vom 2. November bis 14. Dezember 2017 fand die Öffentliche Auflage des Plandokuments Nr. 7749E statt. Mit diesem Entwurf soll die Bebauung um den Kirschblütenpark, für dessen Erweiterung sich die Donaustädter Grünen jahrelang aktiv eingesetzt haben, „arrondiert“ werden.
Ursprünglich war der zwischen der Tokiostraße und Attemsgasse gelegene Park viel kleiner, 2014/15 wurde er auf nunmehr rund 2 Hektar erweitert.

Unmittelbar nördlich an den Park angrenzend, in der Donaufelder Straße 164, befand sich die seit 1898 hier ansässige Gemüsegärtnerei Holzhacker (zuletzt auf Kräuter spezialisiert), die 2016 nach Essling übersiedelt ist. Die Glashäuser werden gerade abgebrochen und sollen teilweise durch Wohnbauten ersetzt werden.


Die Glashäuser der Gärtnerei am Rande des Kirschblütenparks – oben im April 2015, unten im Dezember 2017  (Fotos: G. Jordan).


Die bisher von Norden nicht gegebene öffentliche Zugänglichkeit zum Park wird künftig von der Donaufelder Straße her an zwei Stellen möglich sein – bei den Ordnungsnummern 164 und 170.


Der Eingang des ehemaligen Gärtnereibetriebs in der Donaufelder Straße 164, künftig Durchgang zum Park. Rechts im Hintergrund Wohnanlagen in Bauklasse IV (Tokiostraße 10 bis 14).

Am 13. Dezember 2017 beschloss die Bezirksvertretung Donaustadt mehrheitlich – mit den Stimmen der SPÖ und ÖVP, gegen FPÖ, GRÜNE und NEOS -, KEINE Stellungnahme zum Entwurf des Plandokuments Nr. 7749E abzugeben, was bedeutet, dass auch die in einem Teilbereich vorgesehene Erhöhung von Bauklasse I (bis Traufenhöhe 9 Meter) auf Bauklasse VI (26-35 Meter) vom Bezirk akzeptiert wird.
Die endgültige Beschlussfassung erfolgt jedoch im Wiener Gemeinderat, der auch Stellungnahmen aus der Bevölkerung, die im Zuge der Öffentlichen Auflage abgegeben wurden, berücksichtigen kann.


Das derzeit höchste Gebäude in der Umgebung ist Attemsgasse 45/Stiege 2, ein Wohnblock der „wvg“ in Bauklasse V, errichtet 2007-2009 (Blick von Westen).