Auf den Spuren des Februar-Aufstands 1934 in Floridsdorf

Die „Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien“, die seit 2012 alljährlich Aktivitäten zur Erinnerung an Ereignisse der jüngeren Vergangenheit mit Schwerpunkt auf die Bezirke 21 und 22 setzt, beging den 85. Jahrestag des Februar-Aufstands 1934 mit einer Gedenkwanderung am 10. Februar 2019, bei der der Historiker Dr. Kurt Bauer zu Schauplätzen der Februar-Kämpfe in Floridsdorf führte.
Rund 100 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil, und auch die anschließende – teils kontroverse – Diskussion war gut besucht.

Im Kreis der TeilnehmerInnen spiegelte sich die Breite der Überparteilichen Gedenkplattform:  SPÖ-Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Ilse Fitzbauer, die Klubobleute der Grünen aus Floridsdorf und Donaustadt (Mit-OrganisatorInnen Heinz Berger und Heidi Sequenz), die Klubobfrau der NEOS Floridsdorf (Monika Ruschka), die SprecherInnen der KPÖ Floridsdorf und Donaustadt – um nur einige aus der Politik zu nennen, diesmal besonders viele HistorikerInnen von verschiedenen akademischen Einrichtungen und aus der Zivilgesellschaft sowie zahlreiche engagierte und interessierte BürgerInnen.

 
Rund 100 Interessierte versammelten sich vor dem Bahnhof Floridsdorf, um am Gedenkrundgang teilzunehmen (Fotos: G. Jordan).


Vor dem heutigen „Haus der Begegnung“, an dessen Stelle sich 1934 das Floridsdorfer Arbeiterheim befand.


Blick über die Angererstraße zum damals umkämpften Gebäude des ehemaligen Nordbahnhofs (in der Mitte); auf der Eisenbahnbrücke (rechts) war ein Scharfschütze des Schutzbunds postiert.

Kurt Bauer hat in seinem zum Jahreswechsel 2018/19 erschienenen Buch „Der Februar Aufstand 1934. Fakten und Mythen“ die Ereignisse vom 12. bis 14. Februar detailliert aufgearbeitet und versucht, alle Todesopfer – jene des sozialdemokratischen Schutzbunds, der Exekutive bzw. Truppen des Regimes und rechter Verbände wie Heimwehr sowie unbeteiligter Personen – namentlich zu erfassen und ist dabei auf 357 Personen gekommen.
Die härtesten Kämpfe spielten sich in Floridsdorf ab, wo auch die meisten Toten zu beklagen waren.


Das Polizeikommissariat Ecke Hermann-Bahr-Straße (Bild oben, links) konnte von den Aufständischen nicht eingenommen werden, das 1924 errichtete Gebäude der Feuerwache in der heutigen Weisselgasse (Bildmitte) wurde hingegen am 13. Februar 1934 von einem Polizeitrupp gestürmt.


Bei dem 1964 errichteten Denkmal für den am 15. Februar 1934 hingerichteten Schutzbund-Führer und Feuerwehr-Angehörigen Ing. Georg Weissel an der Prager Straße. Auch die 1958/59 von der „Sozialbau AG“ errichtete Genossenschafts-Wohnanlage in der Gerichtsgasse ist nach Weissel benannt.


Auch um die Straßenbahnremise in der Gerichtsgasse gab es Gefechte.


Im Dachbereich des 1925/26 errichteten „Schlingerhof“, Ecke Brünner Straße, waren MG-Schützen postiert. Am 13. Februar gegen Mittag wurde der Gemeindebau von Artillerie beschossen und eingenommen. Im Zuge des Abtransports von 350 Gefangenen wurden bei Schießereien mehrere Menschen getötet. (Auf dem Bild ist über dem „Tabak Trafik“-Symbol die Stelle zu sehen, an der jahrzehntelang – bis zu ihrer Versetzung – eine Gedenktafel für die Februar-Opfer angebracht war.)

Bei der Diskussion in den Räumlichkeiten der Gebietsbetreuung „GB*nord“ sprach Heinz Berger, Historiker und Mitbegründer der Gedenkplattform, einleitende Worte, in denen er auf die Mythenbildung und auf die Rezeption des Februar 1934 hinwies und auf den Zustand der damaligen gespaltenen Gesellschaft, der es total an Zusammenhalt fehlte.


In den Räumlichkeiten der Gebietsbetreuung wurde lebhaft diskutiert. (Bild unten: Heinz Berger mit dem Buchautor Kurt Bauer)

Kurt Bauer formulierte seine Thesen, u.a.
– dass durch das Vorgehen im Februar 1934 maßgeblich dem späteren „Anschluss“ an das Dritte Reich 1938 in die Hände gespielt wurde;
– dass „der einzige Sieger Adolf Hitler war“;
– dass das (von der sozialdemokratischen SDAP, deren stv. Vorsitzender Otto Bauer eine zwiespältige Haltung einnahm, ausgeschlagene) Koalitionsangebot des christlichsozialen Bundeskanzlers Seipel im Jahr 1931 vielleicht die letzte Chance war, die Demokratie zu retten;
– dass Engelbert Dollfuß, Kanzler ab 1932, immer mehr unter den Einfluss des italienischen Faschistenführers Mussolini geriet und ab 1933 zunehmend diktatorisch herrschte;
– und dass unter den Todesopfern ZivilistInnen, die sich nicht an den Kämpfen beteiligt hatten, die größte Gruppe stellten.

In der lebhaften Diskussion gab es auch Kritik an der Verwendung interner Polizeiberichte bei Bauers Recherchen. Eine Teilnehmerin, deren Vater selbst an den Kämpfen im Schlingerhof beteiligt war, wies den Begriff „Aufrührer“ zurück und wies darauf hin, dass die Arbeiterschaft 1934 den ersten offenen Widerstand gegen den aufkeimenden Faschismus in Europa geleistet habe und gar keine andere Wahl hatte, als sich gegen die Provokationen des Dollfuß-Regimes zu wehren.

Ein anderer Diskussionsteilnehmer, der aus bäuerlichem Milieu stammt und dessen Vater 1934 auf Seiten des Bundesheers beim Karl-Marx-Hof gestanden war, merkte an, dass die Situation auf dem Land völlig anders war als in den industriell geprägten Städten (Kurt Bauer ergänzte, dass die Kämpfe beim „Juliputsch“ 1934 der Nazis weitgehend auf dem Land stattfanden).

Es wurde auch die Frage gestellt, ob es sich beim Februar 1934 um einen „Bürgerkrieg“ oder um einen „Aufstand“ gehandelt habe. Kurt Bauer hatte früher selbst den Ausdruck „Bürgerkrieg“ verwendet, sieht dies aber heute nicht mehr so:  Es gab relativ wenige Tote (357 in ganz Österreich, davon 76 in Floridsdorf), kein geschlossenes von den Aufständischen kontrolliertes Territorium (lediglich einige Wohnsiedlungen und Gebäude der ArbeiterInnenbewegung) und die Kämpfe waren nicht lang andauernd, sondern im Wesentlichen nach zwei Tagen vorbei.

Zur Frage der Spaltung der Gesellschaft und der Zunahme autoritärer Tendenzen heute (von Ländern wie Ungarn und Polen bis hin zu USA, Philippinen oder Brasilien) meinte Kurt Bauer, dass die Situation mit den 1930er-Jahren nicht vergleichbar sei:  Damals betrug der Arbeitslosen-Anteil in Floridsdorf – ebenso wie unter den Februar-Opfern – rund 40%, die Not war erdrückend und führte zu Demoralisierung. Die soziale Situation sei heute wesentlich besser, Österreich hat einen funktionierenden Verfassungsgerichtshof und es finden keine bewaffneten Aufmärsche und Auseinandersetzungen statt. Der Februar 1934 müsse historisch betrachtet werden.

In weiteren Diskussionsbeiträgen wurden die „1918 verlorene Räterepublik“, das „Kapital als Gewinner der gesellschaftlichen Spaltung“ und die Frage, ob „Widerstand leisten“ nur mit Waffengewalt oder auch anders möglich sei, zur Sprache gebracht.

Auch die Frage, warum die Gedenktafel für die Februarkämpfer, die um 1947 vom (kommunistischen) Arbeiterbetriebsrat des Austro-Fiat-Werks an der Ecke Brünner Straße/Floridsdorfer Markt angebracht worden war, vor Jahren entfernt und an die weniger sichtbare Ostseite des Schlingerhofs – bei Stiege 18 – versetzt worden war, wurde gestellt (und konnte leider nicht beantwortet werden).

 Gerhard Jordan


Die früher an der Ecke zur Brünner Straße angebrachte Gedenktafel an ihrem heutigen Platz an der Ostseite des Schlingerhofs.

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Geschichten mit Donaufeld-Bezug von Agnes Bernhart

Zu den in letzter Zeit erschienenen Werken mit Floridsdorf-Bezug gesellt sich eine interessante Neu-Erscheinung:  das Buch „einst & jetzt. Omageschichten aus Floridsdorf“ von Agnes Bernhart.

Die Autorin, gelernte Fotografin, Religionslehrerin i.R. und ehrenamtliche Mitarbeiterin des Bezirksmuseums Floridsdorf, schildert darin auf humorvolle Weise autobiografische Erinnerungen, die einen sehr starken Donaufeld-Lokalbezug haben. Frau Bernhart hat einen Teil ihrer Kindheit und Jugend bei ihrer Tante in der Siedlung zwischen Donaufelder Straße und Nordmanngasse verbracht und beschreibt das damalige Leben aus ihrer Sicht.
Einzelne „Grätzl“ und Gebäude wie sie damals aussahen und was heute dort ist laden zu einem Vergleich ein.

Die Grünen Floridsdorf laden zu einer LESUNG MIT AGNES BERNHART aus ihrem Buch.

Wann?  –  Donnerstag, 21. März 2019,  18:30 Uhr.

Wo? –  Nordmanngasse 25-27 („Autofreie Mustersiedlung“), Salon „Aquarium“ im Hof.  Erreichbarkeit:  Beim Eingang Donaufelder Straße 50 am Spielplatz vorbei. Karte

 


Autorin Agnes Bernhart  (Foto: privat).

10.2.: Gedenkrundgang zum Februar-Aufstand 1934

Die Überparteiliche Gedenkplattform Transdanubien, die seit 2012 alljährlich Aktivitäten setzt, lädt zu einem Gedenk-Rundgang anlässlich des 85. Jahrestags des Februar-Aufstands 1934, der eines seiner Zentren im 21. Wiener Gemeindebezirk hatte, ein.

Der Historiker Dr. Kurt Bauer, Autor des Buches „Der Februar Aufstand 1934. Fakten und Mythen (Böhlau Verlag, 2019), führt zu einigen der damaligen Schauplätze.

Im Anschluss findet eine Diskussion im Lokal der Gebietsbetreuung im Schlingerhof statt.

Treffpunkt:  10. Februar 2019,  15 Uhr, Franz-Jonas-Platz.

 

EINLADUNG:

 


Denkmal für Brandoberkommissär Ing. Georg Weissel (Ecke Prager Straße/Gerichtsgasse, entworfen vom Floridsdorfer Bildhauer Karl Nieschlag und errichtet 1964), der am 15. Februar 1934 vom Dollfuß-Regime hingerichtet wurde.  (Foto u. folgende drei: G. Jordan).


Der ehemalige Bahnhof Floridsdorf (Nordbahnanlage 9) heute. Am 13. und 14. Februar 1934 war das im Bezirksteil Donaufeld gelegene Gebäude heftig umkämpft.


Der am 13.2.1934 von Artillerie beschossene Gemeindebau „Schlingerhof“ heute.

 


Das Lokal der Gebietsbetreuung „GB*nord“, 2018 in einem ehemaligen Gasthaus im Schlingerhof eröffnet.


Das neu erschienene Buch von Kurt Bauer über den Februar-Aufstand.

 

 

 

Eindrucksvolles Kunstprojekt in Donaufeld

Bereits im Oktober fand die erste Sitzung des „Parlaments der Organismen“, einer innovativen Performance der internationalen KünstlerInnengruppe „Club Real“ in einem leer stehenden ehemaligen Gewächshaus an der Nordmanngasse statt. Das von „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR) geförderte Projekt „Jenseits der Natur – Volksherrschaft im Garten“ im Überschneidungsbereich von Kunst, Politik, Natur und Landwirtschaft läuft bis Herbst 2019.

Am 6. Oktober 2018 startete die international besetzte Performance von „Club Real“ mit der Eröffnung der ersten Sitzung des „Parlaments der Organismen“ im ehemaligen Gewächshaus in der Nordmanngasse 60. Zum Geleit sprachen Martina Taig von der Geschäftsführung von „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR), Bezirksrätin Astrid Pany in Vertretung von Bezirksvorsteher Georg Papai und Hannes Anbelang (Georg Reinhardt) von der Universität Helsinki, wobei letztere Rede bereits Teil der Performance war.

Das Team von „Club Real“ inszeniert gemeinsam mit ExpertInnen, Profi- und Laiendarstellerlnnen im Stadtentwicklungsgebiet Donaufeld die Auseinandersetzung der Lebewesen – die sich im Rahmen der Performance zu Parteien formieren – um den umkämpften Naturraum. In einer vielschichtigen Darstellung wird nicht nur der Kampf der Pflanzen und Tiere um ihren Platz in der sich stark wandelnden Umwelt auf der einen Ebene dargestellt, sondern als metaphorische Überlagerung auch auf Verdrängungsprozesse in der menschlichen Gesellschaft, insbesondere im Zusammenhang mit der Mobilität von Menschen hingewiesen: Lebewesen versuchen die politische Macht über ihren Lebensraum zu erlangen und verteidigen diese gegen andere. Es wurden Konflikte zwischen alteingesessenen und neu angesiedelten Pflanzen abgehandelt, und das Recht auf Asyl von Organismen, die in Wien oder Niederösterreich vom Aussterben bedroht sind, wurde diskutiert und entschieden.


Die Angelobung der „ParlamentarierInnen“ im „Parlament der Organismen“  (Fotos: Heinz Berger).

Am 26. Oktober fand dann als zweite öffentliche Performance der „Tag der Gartenexekutive“ statt, und am 14. Dezember als Weihnachtsfeier ein Treffen mit den „ParlamentarierInnen“ zu einem „Volksentscheid über die Entwürfe zum geplanten Denkmal für die 200 Salatköpfe“ bei Glühwein im ehemaligen Glashaus.

Die zweite Sitzung des „Gartenparlaments“, wird am 11. Mai 2019 um 16:30 Uhr wieder im Gewächshaus der „Volksherrschaft im Garten“ in der Nordmanngasse 60 stattfinden. Der Eintritt ist frei.

Heinz Berger

 

Ausstellung über das Jüdische Leben in Floridsdorf

Anlässlich des 80. Jahrestages der „Reichspogromnacht“ fanden in ganz Wien Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Opfer der Shoa statt, so auch in Floridsdorf. Eine Ausstellung des Bezirksmuseums, die maßgeblich vom grünen Bezirksrat Gerhard Jordan mitgestaltet wurde, ist noch bis 3. Februar 2019 zu sehen.

Am Vormittag des 23. Oktober 2018 wurde in der Hopfengasse, am Rest des ehemaligen Tors beim FAC-Platz, von den Opferverbänden eine Gedenktafel enthüllt, die an das 1944/45 dort befindliche KZ-Nebenlager erinnert.


Die Gedenktafel am ehemaligen Lagertor in der Hopfengasse.  (Fotos: Heinz Berger, Gerhard Jordan)

Am Nachmittag und Abend fand im Bezirksmuseum eine Veranstaltung statt, die an die verschiedenen Aspekte des jüdischen Lebens in Floridsdorf erinnerte:

An den – ab 1880 – ersten Rabbiner Dr. Joseph Samuel Bloch (1850-1923), dessen Todestag sich im Oktober zum 95. Mal jährte, an die zahlreichen jüdischen Vereine, an die Geschäfte im Bezirkszentrum und an den jüdischen Friedhof in der Ruthnergasse, der in den 1990er-Jahren im Rahmen des Projekts „Schulen adoptieren Monumente“ von SchülerInnen und Lehrkräften des Gymnasiums Ödenburger Straße wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Dazu gab es einen Rückblick mit zwei damals Beteiligten (Mag. Tatjana Tupy und Mag. Johann Schrammel).


Johann Schrammel (damals Lehrer, l.) und Tatjana Tupy (damals Schülerin) erinnern sich an ihr Projekt.

Die Direktorin des Ella-Lingens-Gymnasiums in der Gerasdorfer Straße, Frau Mag. Eveline Trenner-Moser, und die Maturantin Nina Brugger sprachen über die Namensgeberin ihrer Schule.

Vorträge und Präsentationen widmeten sich dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben, unbekannten Aspekten wie der tragenden Rolle jüdischer Sportfunktionäre bei den vor dem 2. Weltkrieg sehr erfolgreichen Floridsdorfer Fußballklubs Admira und FAC, der Verfolgung und Vernichtung der Gemeinde nach 1938 sowie der Gedenkkultur von 1945 bis heute.


Die Präsentationen von Gabriele Dorffner (oben), Matthias Marschik (Mitte) und Gerhard Jordan (unten).

Mag. Wolfgang Schellenbacher vom Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) stellte das Projekt „Memento Wien“ (eine Personendatenbank mit bezirks-bezogenen Informationen zu den Opfern des NS-Terrors) vor.


Wolfgang Schellenbacher (DÖW) stellt „Memento Wien“ vor.

Bei der Abendveranstaltung, musikalisch umrahmt von Klezmer-Musik des „LeChaim Trio“, las die in Floridsdorf aufgewachsene Schauspielerin Erika Pluhar aus eigenen Werken und erinnerte an ihre einstige Geschichtslehrerin im Gymnasium Franklinstraße 21, die schon früh offen und deutlich über die Judenvernichtung des Nazi-Regimes sprach. Der Andrang war so groß, dass eine Video-Übertragung aus dem Großen Saal ins Erdgeschoß angeboten werden musste.


Erika Pluhar bei ihrer Lesung aus eigenen Werken.

Die HistorikerInnen Dr. Gabriele Dorffner, Dr. Matthias Marschik und Mag. Gerhard Jordan gestalteten eine Ausstellung zum Thema „Gedenken an das Jüdische Leben in Floridsdorf“, die noch bis einschließlich 3. Februar 2019 im Bezirksmuseum, Prager Straße 33, zu sehen ist (zu den Öffnungszeiten Dienstag 15-17 und Sonntag 10-12 Uhr). Auch ein Museumsheft zum Thema kann dort um 8 € erworben werden.

Die Volkshochschule 21 organisierte außerdem einen Rundgang und eine Gedenkveranstaltung, und vor dem Standort der ehemaligen Floridsdorfer Synagoge in der Freytaggasse wurde am 8. November eine Lichtzeichen-Installation – ähnlich wie auch an anderen (ehemaligen) Synagogen-Standorten Wiens angebracht.

Brigitte Parnigoni

Stadterweiterung Donaufeld: Stand der Planungen

Am 25. September 2018 fand beim Info-Container des Stadtteilmanagement Donaufeld der Gebietsbetreuung Wien-Nord eine Info-Veranstaltung statt, bei der DI René Ziegler vom Büro „raumposition“, ein Mitarbeiter des Stadtplaners Prof. Rudolf Scheuvens, über die nächsten Schritte berichtete.

Der Großteil des in der ersten Etappe (die Widmung wurde am 15. Dezember 2017 vom Gemeinderat beschlossen) zu entwickelnden Gebietes gehört dem Wohnfonds. Zu Beginn des Jahres 2019 erfolgt die Ausschreibung eines Bauträgerwettbewerbs, die eingereichten Projekte werden – anonymisiert – im Herbst von einer 14-köpfigen Jury, in der u.a. auch der Vorsitzende des Fachbeirats der IBA 2022 (Internationale Bauausstellung) vertreten sein wird, bewertet. Die Ergebnisse werden dann von der Gebietsbetreuung auch vor Ort ausgestellt werden.

Danach werden Bauplätze (10 bis 12) den einzelnen Bauträgern, die jeweils mit Architekturbüros zusammenarbeiten, zugeteilt bzw. an diese verkauft.

In einer zweiten, „dialogischen“ Stufe des Verfahrens werden die GewinnerInnen sowie einzelne Bauträger die bereits jetzt Grundstücke im Zielgebiet besitzen, eingeladen und deren Planungen und Konzepte aufeinander abgestimmt, damit bei Aspekten wie Beschattung, Durchlässigkeit usw. die Qualität gewährleitstet bleibt.

Für einzelne Zonen innerhalb der Bauplätze können sich auch Baugruppen bewerben.

Die „Charta Donaufeld“, entstanden aus den im Beteiligungsverfahren von 2014 bis 2018 eingebrachten Anregungen der BürgerInnen, wird den Unterlagen der Ausschreibung als Beilage mitgegeben – wobei hier durchaus etwas mehr Verbindlichkeit wünschenswert wäre!

Die meisten der entstehenden Wohnungen werden gefördert sein (Förderungen erhalten nur jene Bauträger, die sich am Wettbewerb beteiligen). Die ersten neuen Wohnungen dürften, so der Zeitplan eingehalten werden kann, ab 2020 errichtet und Ende 2021/Anfang 2022 bezogen werden.

Ab Frühjahr 2019 wird der Infopoint der Gebietsbetreuung GB*nord wieder an jedem Dienstag von 16 bis 18 Uhr besetzt sein. Bei dem Container Ecke An der Schanze/Dückegasse können dann Anliegen und Anregungen direkt eingebracht werden.  E-Mail:  nord@gbstern.at .

Gerhard Jordan

 


Interessierte BürgerInnen beim „Impulstag“ der Gebietsbetreuung mit René Ziegler am 25. September 2018.  (Fotos: G.J.)

 

Grätzl-Rundgang Bruckhaufen

Am 20. Oktober 2018 fand wieder einer der vom Bildungszentrum Floridsdorf veranstalteten Grätzl-Rundgänge mit Bezirksrat Gerhard Jordan statt.

Diesmal ging es vom Wasserpark, einer vor 90 Jahren vom damaligen Stadtgartendirektor Friedrich Kratochwjle angelegten Parkanlage des „Roten Wien“, zum Bruckhaufen, wo die dortige Siedlungsgeschichte beleuchtet wurde – von der einstigen Mülldeponie bis zur beliebten und gefragten Wohngegend.

Bei dem Spaziergang trafen die TeilnehmerInnen zufällig auch einen Bewohner, der noch den populären Armenarzt Dr. Otto Benedik (1923-2002) gekannt hatte, der fast 50 Jahre lang in der Königsteingasse ordiniert hatte und nach dem 2006 der Platz mit dem Kreisverkehr am Schnittpunkt Kugelfanggasse/Friedstraße benannt worden war.

 


Im Wasserpark sind sowohl „echte“ – Graureiher auf dem Inselchen! – als auch „künstlerisch gestaltete“ Wasservögel zu finden: Bronzeplastik „Storchenpaar“ von Anton Endstorfer aus 1956. (Fotos: Ingrid Rapf)

 


Auf dem Otto-Benedik-Platz.

„Donaufeld wird am meisten geliebt“ – Gespräch mit der GB*nord

Die Organisation der Beteiligung rund um das Entstehen des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld ging mit Anfang 2018 vom Büro „stadtland“ auf die „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ über. Gerhard Jordan sprach mit DIin Angela Salchegger und Mag.a Magdalena Hubauer vom GB*-Team über deren Vorhaben.

GJ: Was ist Ihr Zugang zum Donaufeld und seiner Entwicklung?

AS: Ich wohne eigentlich im 2. Bezirk, komme aber aus der Landschaftsplanung. In diesem Bereich habe ich mich vor sechs Jahren selbständig gemacht, mit dem Büro „stadtluft“. Bisher habe ich bei der Gebietsbetreuung Stadterneuerung für die Bezirke 9, 17 und 18 mitgearbeitet, jetzt wurde die Gebietsbetreuung Stadterneuerung für die Bezirke 21 und 22 neu ausgeschrieben und wir haben uns beworben. Unser Auftrag kommt von der MA 25 und gilt für drei Jahre, wobei eine Verlängerung möglich ist.
Die Bezirke jenseits der Donau sind die spannendsten – es gibt sowohl gewachsene Strukturen, wie jene rund um den Spitz, als auch viele große Bauvorhaben wie „Neu-Leopoldau“ im ehemaligen Gaswerk oder das Gebiet Berresgasse in der Donaustadt. Wir sind ein 15-köpfiges Team, das viele Kompetenzbereiche abdeckt – neben Stadtentwicklung und dem Sozialthema auch digitale Partizipation, neue Medien, Raumplanung, usw.

MH: Ich war bisher im Quartiersmanagement der Caritas aktiv, jetzt im 21. und 22. Bezirk.


Magdalena Hubauer (l.) und Angela Salchegger (r.) bei einem Vortrag in der „Autofreien Siedlung“ am 26. Mai 2018  (Fotos: Gerhard Jordan).

Wo sind Sie zu finden?

AS: Wir sind im April vom Lokal der bisherigen GB*21 im Dag-Hammerskjöld-Hof auf den Floridsdorfer Markt übersiedelt, in das Lokal eines ehemaligen Gasthauses im Schlingerhof. Das Lokal ist groß, und es kann auch von der Bevölkerung niederschwellig mitgenutzt werden. Wir bieten kostenlose Mietrechts-Beratung, sowohl für BewohnerInnen von privaten als auch von Genossenschaftswohnungen, stehen gerne auch mit Tipps zur Grün- und Freiraumplanung zur Verfügung. Regelmäßig findet gemeinsames Kochen am Markt statt, wir führen aber auch Projekte mit SchülerInnen durch.

MH: Was Donaufeld betrifft, so öffnet ab Ende Juni auch wieder der „Infopoint“, ein Container an der Ecke Dückegasse/An der Schanze. Jeden Dienstag stehen wir von 16-18 Uhr vor Ort für Fragen zur Verfügung und informieren über aktuelle Entwicklungen. Wir initiieren „Impuls-Tage“, organisieren spannende Veranstaltungen und bieten auch Stadtspaziergänge zu unterschiedlichen Thematiken an.

Was ist das Besondere an Donaufeld aus Ihrer Sicht?

AS: Wir haben den Eindruck, dass es in Donaufeld eine viel größere emotionale Verbindung zum eigenen Grätzl gibt als in anderen Bezirksteilen. Es gibt hier viele „tolle NachbarInnen“, die wir in diesem Prozess begleiten möchten. Die alten und neuen Stadtteile müssen sich mehr verzahnen, auch die alten sollen von den neuen Entwicklungen profitieren. Unsere Aufgabe ist es, Sorgen und Ideen aufzugreifen und Anregungen z.B. zur Gestaltung des öffentlichen Raums zu fördern und an richtiger Stelle zu deponieren.

MH: Donaufeld wird am meisten geliebt, das ist uns aufgefallen. Die gute Luft, die Gärtnereien, die ländliche Umgebung. Das wird als „Schatz“ gesehen. Wir wollen das Wissen über diese Identität weiter tragen.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit.


Bei der Wieder-Eröffnung des Info-Containers am 26. Juni 2018 verhinderte Regen die Kräuterwanderung. Doch es kamen trotzdem Interessierte, um sich über die Entwicklung im Donaufeld zu informieren.