Gute Nachrichten für das Stadtbild: Schutzzone Am Spitz beschlossen; Bauordnungs-Novelle stoppt Abrisse auch in Transdanubien

Zwei positive Entwicklungen im Bereich Stadtbildschutz waren in den letzten  Monaten in Wien zu verzeichnen.

1.)  Schutzzone im Zentrum Floridsdorf

Am 27. September 2018 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig das Plandokument Nr. 8216 und damit die Schaffung der Ortsbild-Schutzzone rund um das Amtshaus am Floridsdorfer Spitz.
Damit wurde ein Prozess, der sich seit der ersten Antragstellung und Diskussion im Bezirk 2010/11  über den nach dem Abriss des Donaustädter Hopf-Hauses 2014  gestarteten neuerlichen Anlauf mit der 2015 verhängten Bausperre bis zur öffentlichen Auflage des Plandokuments vom 12. März bis 24. Mai 2018 (inklusive begleitender Informations-Ausstellung im Haus der Begegnung Floridsdorf am 3. Mai) und zur positiven Stellungnahme der Bezirksvertretung Floridsdorf am 13. Juni über acht Jahre hinzog, abgeschlossen.


Am 3. Mai 2018 fand im Haus der Begegnung eine Informations-Ausstellung statt.  (Fotos: Gerhard Jordan)

Gemeinderat Christoph Chorherr hielt bei der Sitzung, in der der Beschluss gefasst wurde, eine Rede, in der er auch auf die Entwicklung des Bereiches um den Spitz als repräsentatives Zentrum einging und dessen Bedeutung, die bis auf die Zeit vor der Eingemeindung nach Wien zurück geht, hervorhob. Bis jetzt waren es ja hauptsächlich gründerzeitliche Viertel im innerstädtischen Bereich gewesen, denen größere Aufmerksamkeit zu Teil wurde.


Die Häuser Am Spitz 11 (ehemalige Gemeinde-Sparkasse aus 1894/95), 12 und 13 („Sild-Haus“, errichtet 1905 vom Otto Wagner-Schüler Friedrich Dietz von Weidenberg) sowie Prager Straße 1 (v.l.n.r.) liegen nun in der Ortsbild-Schutzzone im Zentrum Floridsdorfs. (Foto: Molly Wurth)

Zwar kam leider für die Gebäude der Pferdefleischerei Schuller in der Schwaigergasse 29-31 die am 23. September 2015 vom Wiener Gemeinderat beschlossene Bausperre zu spät, aber in der nördlichen Floridsdorfer Hauptstraße wurden die teilweise auf die Zeit des Vormärz zurück gehenden Häuser nicht nur in die Schutzzone einbezogen, sondern auch deren Bauhöhe (großteils Bauklasse III mit 13,5 m) wurde reduziert (auf Bauklasse I mit 8,5 m), was Abrisse auch wirtschaftlich weniger lukrativ macht und somit der Erhaltung schützenswerter Bausubstanz dient.


Die Häuser Schwaigergasse 29 und 31, Teil des Ensembles Schwaigergasse, wurden leider kurz vor der Verhängung der Bausperre abgerissen (Fotos aus 2009).


Die Schwaigergasse 29-33 heute.


Teil der Schutzzone, auch mit Reduktion der gewidmeten Bauhöhe auf 8,5 Meter:  Floridsdorfer Hauptstraße 41 bis 45.

2.)  Bauordnungs-Novelle zum Schutz der gründerzeitlichen Bausubstanz

Am 28. Juni 2018 beschloss der Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, GRÜNEN und FPÖ eine Novelle zur Bauordnung, die einen stärkeren Schutz für gründerzeitliche Gebäude die bisher NICHT in Ortsbild-Schutzzonen lagen, vorsieht und Schutzzonen nach § 7 (1) BO auch nicht mehr auf ein „in sich geschlossenes Ganzes“ beschränkt.

Im § 60 (1) ist nun festgelegt, dass nicht nur der Abbruch von Bauwerken in Schutzzonen und Gebieten mit Bausperre bewilligungspflichtig ist, sondern auch „der Abbruch von Gebäuden, die vor dem 1.1.1945 errichtet wurden, wenn der Anzeige des Abbruchs gemäß § 62a Abs. 5a keine Bestätigung des Magistrats angeschlossen ist, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht“.
Spätestens 4 Wochen vor dem geplanten Beginn der Arbeiten ist vom Bauherrn der Abbruch schriftlich der Behörde anzuzeigen. Erst wenn eine Bestätigung der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) vorgelegt wird, dass an der Erhaltung des Bauwerkes infolge seiner Wirkung auf das örtliche Stadtbild kein öffentliches Interesse besteht, kann mit einem Abbruch begonnen werden.

Dieser wichtige und von zivilgesellschaftlichen Initiativen seit langem geforderte Schritt hatte zur Folge, dass es in den Tagen vor dem Inkrafttreten Ende Juni 2018 zu einer Häufung von Abrissen vor allem gründerzeitlicher Gebäude kam – teilweise wohl auch mit Spekulations-Absicht, um sich eine Prüfung der Erhaltungswürdigkeit der Objekte zu ersparen und nach Abrissen Platz für größere und gewinnbringende Neubauten zu schaffen. Teilweise wurden Abbrüche über Nacht sogar von Häusern begonnen, in denen noch MieterInnen wohnten.
Laut Medienberichten hat die Wiener Baupolizei in den ersten Juli-Tagen wienweit rund 70-80 Baustopp-Bescheide erlassen.

Ein Beispiel dafür ist im Donaustädter Abschnitt der Donaufelder Straße zu sehen:
Bei dem 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer (für einen Oberlehrer aus Stadlau) errichteten Mehrfamilienhaus in der Donaufelder Straße 193, dessen Mittelrisalit spätsecessionistischen Dekor aufweist, wurde die Demolierung von der Rückseite her begonnen. AnrainerInnen und die grüne Donaustädter Klubobfrau Heidi Sequenz verständigten die MA 37, und so konnte auch dieses Juwel vorerst gerettet werden.

Der Abriss des spätgründerzeitlichen Hauses Donaufelder Straße 193 (errichtet 1913 von Karl Amlacher und Hans Sauer) wurde im Juli 2018 von der Baupolizei gestoppt.

Was den 21. Bezirks betrifft, so wollten die Grünen wissen, bei welchen Objekten in Floridsdorf Abrisse gestoppt wurden, und brachten für die Bezirksvertretungssitzung am 12. September 2018 eine Anfrage ein.
In seiner Antwort nannte Bezirksvorsteher Papai 6 Gebäude im 21. Bezirk, bei denen die Baupolizei Anfang Juli die Einstellung eines Abbruchs verfügte.
4 dieser Objekte – auf dem Jedlersdorfer Platz 20, in der Prießnitzgasse 19, in der Rußbergstraße 60 und in der Theodor-Körner-Gasse 14 – waren zwar vor 1945 errichtet, es handelte sich jedoch nicht um Bauten aus der Gründerzeit, sondern zumeist aus den 1930er-Jahren. Daher wurden von der Behörde Bescheide ausgestellt, dass an der Erhaltung kein öffentliches Interesse besteht, und die Abrisse konnten schließlich fortgesetzt werden.

Anders war die Lage in den restlichen beiden Fällen, wo die Erhaltung der Objekte verfügt und der Abbruch gestoppt wurde. In der Anton-Störck-Gasse 83, nahe der Prager Straße, war bei einem wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude der historistische Fassadenschmuck bereits teilweise abgeschlagen worden, und auch im Erdgeschoß sind die Spuren der Demolierungsarbeiten zu sehen.


Abrisse verhindert:  Die Gründerzeithäuser Anton-Störck-Gasse 83 (oben) und Gerstlgasse 7 (unten) im 21. Bezirk.

In der Gerstlgasse 7 handelt es sich um ein Wohnhaus mit spätsecessionistischem Dekor, das laut Friedrich Achleitner („Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“, Band III/3, Seite 191) im Jahr 1912 von Franz Palisek errichtet wurde. Vor allem im obersten Geschoß lässt sich der begonnene und gestoppte Abriss feststellen. Die Entscheidung der Baupolizei war in diesem Fall absolut richtig, denn das Objekt steht in einem Grätzl von Jedlesee/Neujedlersdorf, welches zu einem maßgeblichen Teil von spätgründerzeitlicher Bebauung aus den Jahren 1910 bis 1914 geprägt ist (auch das Hotel Karolinenhof gehörte zu diesem Ortsbild).

Es ist zu hoffen, dass die beiden Objekte wiederhergestellt werden, und dass es mittelfristig dem Gesetzgeber gelingt, Bedingungen zu schaffen die die Sanierung von Altbauten wirtschaftlich attraktiver machen als einen Abriss, der oft in „gesichtslose Investoren-Architektur“ und in die Zerstörung bestehender Ensembles mündet.

Bezirksrat Gerhard Jordan 

Advertisements

Widerstand gegen die Hochleistungsstraße B 232

Seit vielen Jahren wehren sich engagierte AnrainerInnen und verkehrspolitisch Aktive in Floridsdorf gegen den Bau der B 232 – ein völlig veraltetes Straßenbauprojekt, das völlig unnötigerweise eine neue Verkehrslawine für Donaufeld bedeuten würde.
Am 8. September 2018 fand eine Familien-Radfahrt gegen die B232 statt.

Ausgehend von der Angyalföldstraße/Ecke Hans-Czermak-Gasse fuhren die rund 100 TeilnehmerInnen entlang der geplanten Trasse nach Norden – durch den Teresa-Tauscher-Park, die Richard-Neutra-Gasse entlang und beim Gaswerk Leopoldau vorbei bis zum Kreisverkehr Gerasdorfer Straße. Bei der 1989/90 errichteten Reihenhaussiedlung Gerasdorfer Straße 153/Draugasse, in der unter BewohnerInnen schon lange Skepsis dem Straßenprojekt gegenüber herrscht, fand die Abschlusskundgebung statt.


Start an der Ecke Angyalföldstraße (B3)/Hans-Czermak-Gasse  (Fotos: G. Jordan).


Herbert Loder (r.), einer der Sprecher der BürgerInneninitiative, in der Hans-Czermak-Gasse vor der „Schicht-Villa“.


Im Teresa-Tauscher-Park, entlang dessen Westseite eines der wenigen noch nicht errichteten B232-Teilstücke gebaut würde.


Bei der Unterführung Richard-Neutra-Gasse.


TeilnehmerInnen der Radfahrt auf einer Wiese östlich des Gaswerks Leopoldau.


Auf dem Weg nach Norden zur Gerasdorfer Straße.

Beim Kreisverkehr Gerasdorfer Straße/Draugasse.


Abschlusskundgebung bei der Siedlung Draugasse.

Auch andere BürgerInnengruppen wie die „Initiative Donaufeld treten konsequent gegen die Errichtung der B232 auf. Denn diese Nord-Süd-Einfallsschneise ins Donaufeld würde den ohnehin schon überbordenden Verkehr und damit noch mehr Lärm und Schadstoffbelastung in die Wohngebiete an der Leopoldauer Haide bringen.

Nach diversen Medienberichten um die Jahreswende („Kronenzeitung“ vom 12. Dezember 2017, „Wiener Bezirksblatt“ vom 19. Dezember 2017, „Die Floridsdorfer Zeitung“ vom 26. Jänner 2018) und Anträgen von FPÖ und SPÖ in der Bezirksvertretung vom 4. April 2018 konstituierte sich im Frühling eine neue BürgerInneninitiative gegen die B 232.

Website:  https://b232.at/

Unterschreiben gegen die B 232:  https://b232.at/unterschreiben/

Bezirksrat Heinz Berger

Baugruppen-Initiativen in Donaufeld

Bei der Umwidmung des östlichen Teils des Stadterweiterungsgebiets Donaufeld – westlich der Dückegasse, bis einschließlich des Grünzug-Abschnittes zwischen Donaufelder Straße und Alter Donau – im Wiener Gemeinderat wurde am 15. Dezember 2017 (gegen die Stimmen von FPÖ, ÖVP und NEOS) ein Beschlussantrag angenommen, der die Reservierung eines Bauplatzes im sogenannten „Ereignisband“ für ein Baugruppen-Projekt vorsieht.


Im Bereich des Straßenzugs An der Schanze soll das künftige „Ereignisband“ liegen  (Foto: Gerhard Jordan).

Derzeit gibt es zwei Baugruppen-Initiativen, die sich für das Stadtentwicklungsgebiet Donaufeld bewerben wollen:

„TREIBHAUS DONAUFELD“

Das Donaufeld zeichnet sich durch seine Nähe zur Stadt und zur Natur aus. Besonders die in Fußwegdistanz gelegene Alte Donau bietet Erholungsraum zum Entdecken in unmittelbarer Nachbarschaft.
Hier plant das „Treibhaus Donaufeld“ – eine Baugemeinschaft – ein offenes und ökologisches Haus, mit dem Ziel ein Stück Heimat in der Stadt zu schaffen. Denn Heimat bedeutet für sie Verbundenheit mit den Menschen in der Umgebung, mit der Stadt mit der Natur.


Grafik: Sandbichler Architekten.

Die zukünftigen Bewohner*innen des Treibhauses suchen noch Mitgestalter*innen die offen für ökologische und kreative Ideen bei der Umsetzung des Hauses sind, eine Hausgemeinschaft schätzen und zu dieser aktiv beitragen möchten.

Der nächste Kennenlern- und Infoabend findet am 13. September 2018 um 18:30 Uhr im „realitylab“, Ernst-Melchior-Gasse 11/1/G1 (Eingang: Jakov-Lind-Straße), 1020 Wien, statt.

Um Anmeldung unter  info@treibhausdonaufeld.at  wird gebeten!
Mehr Informationen zum Projekt unter  www.treibhausdonaufeld.at .

 

„ZUSAMMEN_BAUEN“

Inspiriert von „Que[e]rbau“ in der Seestadt Aspern, hat sich die Initiative für Baugruppen im Donaufeld im Februar 2015 vor Ort vorgestellt, um ihre Gedanken zu einem künftigen Gemeinschaftshaus zu formulieren. Ihr Motto lautet: „Jede_r für sich und manches zusammen…“ –  Que[e]rbau steht für Vielfalt und Offenheit: d.h. diverse Formen des Zusammenlebens, individuelles Mitgestalten bei der eigenen Wohnung und gemeinsame Erarbeitung der gemeinschaftlich genutzten Räume. Mit dem Augenmerk auf die Leistbarkeit der Wohnform, soll möglichst jede_r mitmachen können.

Wohnen in einer guten Nachbarschaft fördert im Alltag das Tauschen und Teilen. Wieviel jede_r zu gemeinschaftlichen Themen beitragen kann, ist aufgrund der privaten bzw. familiären Situation unterschiedlich. Es werden Methoden gefunden, wie Entscheidungen getroffen werden und welches Engagement jede_r aufbringen kann. In den gemeinsamen Treffen spielen neben den Gemeinschaftsthemen und der Diversität auch die Architektur, die Mobilität und der Freiraum im Donaufeld eine Rolle.

Ein wichtiges Ziel ist, mit Aktivitäten nach außen in die Nachbarschaft zu wirken und bestehende Initiativen im Donaufeld einzuladen. Dazu soll ein Nachbarschaftscafé als zentraler Ort für Kommunikation und Veranstaltungen im neuen Wohnprojekt errichtet werden.

„Que[e]rbau Wien“ unterstützt die Baugruppe bei der Gruppenbildung und beim Planen. Der Verein baut dabei auf die Erfahrung vorheriger Projekte auf und möchte damit zu einem vielfältigen Angebot für gemeinschaftliche Wohnformen beitragen.


Der „Yella Yella!“ Nachbar_innentreff als Beispiel für eine aktive Gemeinschaft  (Foto: „Que[e]rbau“).

Ein nächstes Gruppen- und Info-Treffen im „Que[e]rbau Seestadt“ (inkl. Besichtigung im Rahmen des Open-House Wien) findet am 15. September 2018 zwischen 14:00 und 17:00 Uhr, Eingang:  „Yella Yella!“ Nachbar_innentreff, Maria-Tusch-Straße 2/1, 1220 Wien, statt.

Anmeldung und Kontakt:  E-Mail  donaufeld@queerbau.at
Website:  www.queerbau.at

„Donaufeld wird am meisten geliebt“ – Gespräch mit der GB*nord

Die Organisation der Beteiligung rund um das Entstehen des Stadtentwicklungsgebiets Donaufeld ging mit Anfang 2018 vom Büro „stadtland“ auf die „Gebietsbetreuung Stadterneuerung“ über. Gerhard Jordan sprach mit DIin Angela Salchegger und Mag.a Magdalena Hubauer vom GB*-Team über deren Vorhaben.

GJ: Was ist Ihr Zugang zum Donaufeld und seiner Entwicklung?

AS: Ich wohne eigentlich im 2. Bezirk, komme aber aus der Landschaftsplanung. In diesem Bereich habe ich mich vor sechs Jahren selbständig gemacht, mit dem Büro „stadtluft“. Bisher habe ich bei der Gebietsbetreuung Stadterneuerung für die Bezirke 9, 17 und 18 mitgearbeitet, jetzt wurde die Gebietsbetreuung Stadterneuerung für die Bezirke 21 und 22 neu ausgeschrieben und wir haben uns beworben. Unser Auftrag kommt von der MA 25 und gilt für drei Jahre, wobei eine Verlängerung möglich ist.
Die Bezirke jenseits der Donau sind die spannendsten – es gibt sowohl gewachsene Strukturen, wie jene rund um den Spitz, als auch viele große Bauvorhaben wie „Neu-Leopoldau“ im ehemaligen Gaswerk oder das Gebiet Berresgasse in der Donaustadt. Wir sind ein 15-köpfiges Team, das viele Kompetenzbereiche abdeckt – neben Stadtentwicklung und dem Sozialthema auch digitale Partizipation, neue Medien, Raumplanung, usw.

MH: Ich war bisher im Quartiersmanagement der Caritas aktiv, jetzt im 21. und 22. Bezirk.


Magdalena Hubauer (l.) und Angela Salchegger (r.) bei einem Vortrag in der „Autofreien Siedlung“ am 26. Mai 2018  (Fotos: Gerhard Jordan).

Wo sind Sie zu finden?

AS: Wir sind im April vom Lokal der bisherigen GB*21 im Dag-Hammerskjöld-Hof auf den Floridsdorfer Markt übersiedelt, in das Lokal eines ehemaligen Gasthauses im Schlingerhof. Das Lokal ist groß, und es kann auch von der Bevölkerung niederschwellig mitgenutzt werden. Wir bieten kostenlose Mietrechts-Beratung, sowohl für BewohnerInnen von privaten als auch von Genossenschaftswohnungen, stehen gerne auch mit Tipps zur Grün- und Freiraumplanung zur Verfügung. Regelmäßig findet gemeinsames Kochen am Markt statt, wir führen aber auch Projekte mit SchülerInnen durch.

MH: Was Donaufeld betrifft, so öffnet ab Ende Juni auch wieder der „Infopoint“, ein Container an der Ecke Dückegasse/An der Schanze. Jeden Dienstag stehen wir von 16-18 Uhr vor Ort für Fragen zur Verfügung und informieren über aktuelle Entwicklungen. Wir initiieren „Impuls-Tage“, organisieren spannende Veranstaltungen und bieten auch Stadtspaziergänge zu unterschiedlichen Thematiken an.

Was ist das Besondere an Donaufeld aus Ihrer Sicht?

AS: Wir haben den Eindruck, dass es in Donaufeld eine viel größere emotionale Verbindung zum eigenen Grätzl gibt als in anderen Bezirksteilen. Es gibt hier viele „tolle NachbarInnen“, die wir in diesem Prozess begleiten möchten. Die alten und neuen Stadtteile müssen sich mehr verzahnen, auch die alten sollen von den neuen Entwicklungen profitieren. Unsere Aufgabe ist es, Sorgen und Ideen aufzugreifen und Anregungen z.B. zur Gestaltung des öffentlichen Raums zu fördern und an richtiger Stelle zu deponieren.

MH: Donaufeld wird am meisten geliebt, das ist uns aufgefallen. Die gute Luft, die Gärtnereien, die ländliche Umgebung. Das wird als „Schatz“ gesehen. Wir wollen das Wissen über diese Identität weiter tragen.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit.


Bei der Wieder-Eröffnung des Info-Containers am 26. Juni 2018 verhinderte Regen die Kräuterwanderung. Doch es kamen trotzdem Interessierte, um sich über die Entwicklung im Donaufeld zu informieren.

 

Ein „Hauch Europa“ kam nach Donaufeld

Claude Brouir  ist ein Grün-Politiker und zivilgesellschaftlicher Aktivist aus Belgien. Einige Jahre lang war der Vater von zwei Söhnen Vorsitzender der wallonischen Grünpartei „Ecolo“ und Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Jemeppe-sur-Sambre, Provinz Namur (wo er bei der Kommunalwahl am 14. Oktober 2018 wieder antreten wird). Der passionierte Radfahrer war auch als Organisator von Urlaubs-Bootsfahrten auf Flüssen beruflich tätig.


Claude Brouir beim Besuch in Wien am 23. Juni 2018  (Fotos: Gerhard Jordan, Brigitte Parnigoni).

Aus unterschiedlichen Motivationen heraus (gesundheitliche Gründe, Wunsch nach einer „Auszeit“, Bedürfnis nach Vermittlung einer nützlichen Botschaft) entschloss er sich, eine Tour durch die Gründungsstaaten der Europäischen Union mit einem ganz besonderen Fahrrad zu unternehmen, und dabei das Bewusstsein für ein gemeinsames Europa sowie für die Beziehung zwischen Gesundheit und Umwelt zu schärfen.

Nach dem Start am 19. Mai 2018 in Brüssel (Belgien) ging die – auch von den Europäischen Grünen (EGP) unterstützte – Reise weiter durch die Niederlande (u.a. mit einer Station in Amsterdam) und Deutschland nach Berlin. Da es zwischen den EU-Gründungsmitgliedern Deutschland und Italien keine gemeinsame Grenze gibt, kam Claude, von Tschechien kommend, auch nach Österreich, wo er am 23. und 24. Juni in Wien – genau genommen: in Donaufeld! – Station machte.

Am 23. Juni gab es eine Zusammenkunft in der „Autofreien Siedlung“, wo ihn engagierte und gastfreundliche BewohnerInnen beherbergten. Für Aufsehen sorgte fast überall sein Fahrzeug, ein elektrisches Solar-Tandem, das über Solarzellen auf einem „Sonnendach“ die Energie bezieht und nur in Ausnahmefällen (längeres Schlechtwetter) über eine Steckdose aufgeladen werden muss.


Europa-Abgeordnete Monika Vana beim „Testen“ des Solar-Tandems.

Zu dem Treffen kamen auch die grüne Europaparlaments-Abgeordnete Monika Vana und der grüne Bundessprecher Werner Kogler, die sich für ein Europa des Zusammenhalts und für alternative Mobilitätsformen aussprachen.


Bundessprecher Werner Kogler und Monika Vana unterstützen grenzüberschreitende Aktivitäten.

In dem „Aquarium“ genannten Lokal der Siedlung, gleich beim Biotop im Innenhof gelegen, erzählte Claude anschließend von seiner bisherigen Tour und den Erfahrungen an den einzelnen Stationen. Oft schlossen sich ihm Interessierte an und fuhren eine Teilstrecke auf dem Tandem mit, auch mit Grünen vor Ort gab es Kontakte und gemeinsame Aktionen, wie etwa in Wolfsburg und Prag.

Der 23. Juni war auch Claude’s 56. Geburtstag, sodass neben einer Diskussion über alternative Formen der Mobilität auch ein Anstoßen mit Frizzante nicht fehlen durfte.


Gastgeberin Gerda Daniel mit dem „Geburtstags-Gugelhupf“.

Die weitere Route der insgesamt rund 5.000 Kilometer langen Tour führt über Westungarn und Slowenien weiter nach Italien (mit Station auch in Rom), und von dort über Frankreich und Luxemburg zurück nach Brüssel, wo die Ankunft gegen Ende August 2018 geplant ist.

Ein Bericht über die Stationen der Reise (auf französisch) ist in Claude’s „digitalem Tagebuch“ zu finden, Infos über das Projekt (in mehreren Sprachen) auf seiner Website.

Brombeeren im Herzen von Donaufeld – Porträt

Gerhard Jordan besuchte die Brombeerplantage An der Schanze und stellt den Donaufelder Gärtner Martin Freimüller vor.

Neu zugezogenen DonaufelderInnen, die ihr Grätzl „erkunden“ (besonders zu empfehlen: per Fahrrad!), oder BesucherInnen wird es schon aufgefallen sein: Wer durch die „Leopoldauer Haide“ auf der kleinen Straße „An der Schanze“ Richtung Donaustadt fährt, an der Gärtnerei „Bioschanze“ vorbei, kommt zu einem Knick im Straßenverlauf, bei dem links hinter einem Zaun ein „Wald“ aus Brombeerstauden grün leuchtet. Hier, auf Nr. 23, befindet sich die Brombeerplantage von „Stadtgärtner“ Ing. Martin Freimüller.


Martin Freimüller beim Eingang der „Brombeerplantage“  (Fotos: Gerhard Jordan).

Die Form des Grundstückes ist übrigens eine historische: Die rund 7.500 Quadratmeter große Plantage liegt genau an jener Stelle, wo im Jahr 1866, als preußische Truppen im Krieg mit Österreich Richtung Wien vorrückten, zur Verteidigung eine der zahlreichen Schanzenanlagen (deren Standorte heute an einigen Stellen des 21. Bezirks noch im Gelände zu erkennen sind) errichtet wurde. Daher auch der Name der Verkehrsfläche.

Hinter dem Eingang, neben der hölzernen Verkaufshütte, sind rechts Selbsternte-Beete mit Gemüse und Obst zu sehen, dahinter ein Holzbaldachin und ein Brunnen, links davon mehrere Reihen mit Brombeerstauden.

Wir befinden uns in einer Oase – viel Grün, reine Luft, verschiedene Arten von Schmetterlingen die um Lavendelbüsche kreisen, manchmal ein Fuchs der sich blicken lässt… – wenn nicht die nur wenige Kilometer entfernte Skyline der „Donaucity“ und der Donauturm zu sehen wären, würde man sich irgendwo auf dem Land wähnen. Und heuer, nach einigen heißen Frühlingswochen 2018, sind bereits Mitte Juni reife Himbeeren, Pfirsiche und einige Brombeeren zu entdecken!

Warum Brombeeren?

Wieso ausgerechnet Brombeeren? Martin, der am 12. Juli 40 Jahre alt wird und Vater von zwei Kindern (1 und 3 Jahre alt) ist, erzählt: „Ich stamme aus einer alteingesessenen Gärtnerfamilie. Mein Großvater hatte eine Gemüsegärtnerei an der Josef-Baumann-Gasse, wo heute die Veterinärmedizinische Universität steht, und meine Großmutter war Gärtnerin An der Schanze, auf Höhe Nr. 24. Ich habe nach dem Gymnasium in der Franklinstraße 21 die HBLFA für Gartenbau in Schönbrunn absolviert und anschließend, 1997/98, ein Jahr beim Stadtgartenamt gearbeitet. Danach habe ich eine Gartengestaltungsfirma auf dem Grundstück meiner Großmutter übernommen, die ich bis heute mit einem Partner führe. Ich wollte aber auch als ‚zweites Standbein‘ etwas machen, das mit echter landwirtschaftlicher Produktion zu tun hat, saisonal ist und außerdem originell. Da mir Brombeeren immer gut schmeckten, habe ich es einfach damit probiert.“.

Auf dem Grundstück, wo sich heute die Plantage befindet und das in Familienbesitz war, wurde bis Mitte der 1990er-Jahre Getreide angebaut, danach war es „Grünbrache“. Martin übernahm es 2013 und machte es im darauf folgenden Jahr urbar. Auch die Genehmigung für einen Brunnen erhielt er, was für die Bewässerung unabdingbar war. Grundwasser ist, dank der Donau-Nähe, ausreichend vorhanden.


Für den Anbau von Brombeeren entschied sich Martin ohne vorherige Markt-Analyse, das Risiko hat sich aber gelohnt. Heute bringen die rund 6.000 Pflanzen (neben den Brombeeren wachsen auch noch Himbeeren und verschiedene Streuobst-Sorten auf der Plantage) rund 4 bis 5 Tonnen Ertrag pro Jahr. Eine Hälfte der Brombeer-Flächen wird für Selbsternte zur Verfügung gestellt, die andere liefert die Früchte die im Verkauf an der Gasse angeboten werden.

Fixpunkt im Grätzl

KundInnen der Plantage sind inzwischen nicht nur BewohnerInnen aus Donaufeld und Umgebung, die meist auch Gemüse bei der  Gärtnerei „Bioschanze“  einkaufen, sondern sie kommen auch aus anderen Wiener Bezirken, ja sogar aus Städten wie Mödling und Krems. Um die Pflanzen vor dem Haupt-Schädling, der Brombeergallmilbe, zu schützen, verwendet Martin keine giftigen Spritzmittel, sondern behilft sich lediglich mit Netzschwefel und mit dem Entfernen alter Triebe (um neue vor Ansteckung zu bewahren). Am 4. August 2018 wird die Brombeerplantage die Bio-Zertifizierung erhalten.

In der Erntesaison, die normalerweise von Juli bis August dauert, herrscht Hochbetrieb. Auch Kindergartengruppen und Schulklassen machen manchmal Exkursionen hierher, um städtische Bio-Landwirtschaft vor Ort kennenzulernen – Interessierte können sich gerne bei Martin melden und einen Termin vereinbaren.

Was bringt die Zukunft?

„Ich hoffe natürlich, dass das Donaufeld möglichst wenig verbaut wird“, gibt Martin zu, auch wenn die Kräne östlich der Plantage immer näher rücken.

Es wird eine Aufgabe der Stadtplanung sein, zumindest Teile der landwirtschaftlichen Identität des Donaufeldes auch für die Zukunft zu erhalten – sei es durch ein Einbeziehen der bestehenden Gärtnerei „Bioschanze“ in künftige Planungen für den Westen des Stadterweiterungsgebietes, sei es durch Nachbarschaftsgärten (auch als Teile neuer Wohnanlagen), sei es durch Selbsternte-Parzellen, Streuobstwiesen etc. im Bereich des zentralen Grünzuges.
Dieser im Dezember 2017 gewidmete Grünzug ist auch ein Hoffnungsschimmer: Fast die ganze Brombeerplantage befindet sich darin – der größte Teil, im Süden, mit der Widmung „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“ („Sww“), ein kleinerer, im Norden, mit der Widmung „Erholungsgebiet-Park“ („Epk“). Und nachdem eine Umwidmung und Verbauung im Westen des Stadtentwicklungsgebiets, von wo meistens der Wind weht, in den nächsten Jahren noch nicht ansteht, weil zunächst der Bereich zwischen Dückegasse und Grünzug an der Reihe ist, wird die „grüne Brombeer-Oase“ wohl noch länger ihre wichtige und sympathische Nahversorger-Funktion erfüllen können.

KONTAKT:  Ing. Martin Freimüller,  E-Mail:  office@stadtgaertner.at .
Die Erntesaison – für Selbsternte und Gassenverkauf – in der Brombeerplantage (An der Schanze 23) wird 2018 bereits am 28. Juni ab 14 Uhr eröffnet!
An Dienstagen, Donnerstagen und Freitagen ist von 14-19 Uhr geöffnet, an Samstagen und Sonntagen von 9-19 Uhr. Nähere Info unter 
www.stadtgaertner.at .

Gedenken an Roma mit internationaler Beteiligung

Vom 14. bis 17. Juni 2018 fand in Floridsdorf ein viertägiges Festival des Kulturvereins „Romano Svato“ mit dem Titel „E BISTARDE – VERGISS MEIN NICHT“ statt, vorwiegend auf der Wiese beim Romaplatz auf dem Bruckhaufen. Es sollte sowohl dem Vergessen der Geschichte der Roma entgegenwirken, als auch – 80 Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland – der Opfer des NS-Terrors gedenken.


Organisatorin Simonida Selimović vom Verein „Romano Svato“ auf der Bühne  (Fotos: G. Jordan).

Zu dem vielfältigen Programm gehörten u.a. Konzert-Auftritte verschiedener MusikerInnen (Diknu Schneeberger, Moša Šišić etc.) und Bands, Performances von KünstlerInnen aus verschiedenen europäischen Ländern, Diskussionen, Lesungen, ein Stadtspaziergang mit Willi Silvester Horvath zu den ehemaligen Wohnorten der Lovara auf dem Mühlschüttel und die Aufführung des Theaterstücks „Roma Armee“ als Gastspiel an zwei Abenden im Volkstheater.

Gute Stimmung auf der Bühne und auf der Romawiese.


Künstlerische Aktivitäten (oben) und Grätzlspaziergang mit Willi S. Horvath auf dem Mühlschüttel (unten).

Und die Forderung der Community nach einem zentralen Mahnmal in Wien für die von den Nazis ermordeten Roma, Sinti und Lovara (an einem prominenten Platz im Stadtzentrum) sollte die Schaffung eines temporären Kunstwerks unterstreichen, das am 17. Juni auf der Romawiese enthüllt wurde. Bis jetzt gibt es ja nur lokale Erinnerungsstätten, wie den 1999 aufgestellten Gedenkstein bei der ehemaligen Hellerwiese im 10. Bezirk (heute Barankapark auf dem Belgradplatz), oder die am 15. Juni enthüllte Gedenkstele in der Franklinstraße im 21. Bezirk.

Errichtet wurde das temporäre Mahnmal von den KünstlerInnen Delaine Le Bas („Traveller“-Angehörige aus Großbritannien) und Alfred Ullrich (Sinto aus Bayern, aufgewachsen in einem Wohnwagen auf dem Ringelseeplatz). Bei der Enthüllung hielt die Grüne Europaparlamentsabgeordnete Monika Vana eine Ansprache, in der sie auch auf die Rolle der EU beim Kampf gegen Diskriminierung, Antiziganismus und Rassismus und auf konkrete Aktivitäten in diese Richtung hinwies.


Künstlerin Delaine Le Bas aus Sussex (England) im Gespräch mit Moderatorin Marion Dvorak. Sie zitierte die Mahnung von Ceija Stojka: „Ich habe Angst, dass Europa seine Vergangenheit vergisst und dass Auschwitz nur schläft“.


Alfred Ullrich (geb. 1946), dessen Mutter 1939 von den Nazis an ihrem Wohnort in der Kugelfanggasse 104 verhaftet wurde und das KZ Ravensbrück überlebte, lebt heute in Dachau – einem Ort, wo auch einige Mitglieder seiner Familie im KZ umkamen. Er las eine Grußadresse des Evangelischen Pfarrers von Dachau vor.


EP-Abgeordnete Monika Vana unterstrich die Forderung nach einem zentralen Mahnmal für die Holocaust-Opfer unter den Roma in Wien und wies auf Initiativen des Europaparlaments hin – vom Beschluss zur Erklärung des 2. August als Roma-Holocaust-Gedenktag (2015) bis zum Sammelband der Grünen Europafraktion „Der Kampf gegen Antziganismus in Europa“ (2017).


Monika, Delaine und Alfred bei der Enthüllung des temporären Mahnmals.


Zum Konzept des Kunstwerks:  Der Sockel soll mit dem gestreiften Muster und dem Stacheldraht an Häftlingskleidung und an die Konzentrationslager erinnern, die „Schwarzen Winkel“ an die Stigmatisierung der Roma und Sinti als „Asoziale“, das Bild des (stilisierten) Wohnwagen-Gerippes an die Zerstörung der Lebensweise, die Asche vor dem Sockel an die Krematorien von Auschwitz-Birkenau und anderen Vernichtungslagern. Die Blumentöpfe, die zu dem zwischen den Bäumen gespannten Banner mit der dreisprachigen Aufschrift „Vergiss Sie Nicht“ hinweisen, führen in die Gegenwart.


Das Abhalten einer Schweigeminute für die Opfer des Nazi-Terrors bildete den Abschluss.

Hans-Czermak-Gasse: Beton im Landschaftsschutzgebiet

Als Anfang Mai 2018 westlich der Hans-Czermak-Gasse, gegenüber den „Schicht-Gründen“, plötzlich Straßenwalzen und Betonmischwagen auffuhren, um ein großes Stück des dort befindlichen Feldes zu versiegeln, kam bei AnrainerInnen Befremden auf.


Anfang Mai 2018:  Walzen und Betonmischwagen beginnen mit dem Versiegeln im Landschaftsschutzgebiet  (Fotos: Heinz Berger, Gerhard Jordan).

Liegt das Gebiet doch im Landschaftsschutzgebiet (Teil des Grünzugs vom Rendezvousberg zur Alten Donau) und hat die Widmung „SWW“, also Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel!

Nach einigen Tagen kam vom Floridsdorfer Bezirksvorsteher Georg Papai die Information, dass laut Auskunft der ÖVW Bauträger GmbH von der von ihr beauftragten Firma Gerstl im Bereich der besagten „SWW“-Flächen, gegenüber den geplanten Bauplätzen auf den „Schicht-Gründen“, in Abstimmung mit dem Grundeigentümer ein temporäres Containerdorf errichtet werde, das bis ins Jahr 2020 (!) bestehen soll.


Blick von der (in die „Schicht-Gründe“ führenden) Adrienne-Gessner-Gasse zur Hans-Czermak-Gasse mit Betonmischwagen, Mai 2018.

Da ein solches Vorhaben auch von der MA 22-Umweltschutz bewilligt werden müsste, brachten wir für die Bezirksvertretungssitzung am 13. Juni 2018 eine Anfrage ein, in der wir wissen wollen, ob für die großflächige Entfernung des Oberbodens und für die Errichtung einer ebenso großen Schotterfläche (teilweise betoniert) für das Baucontainerdorf eine naturschutzrechtliche Genehmigung eingeholt worden ist, und ob es keinen alternativen Standort außerhalb des Landschaftsschutzgebietes gab.

Die westliche Seite der Hans-Czermak-Gasse im Juni 2018:  Der Boden ist abgetragen, ein Baucontainerdorf für die nächsten zwei Jahre bewilligt.

In der Anfragebeantwortung von Frau Stadträtin Ulli Sima wurde uns mitgeteilt, dass von der MA 22 eine (zeitlich befristete) Bewilligung erteilt wurde. Zur Frage allfälliger Alternativen merkte sie an, dass „die Naturschutzbehörde das vom Projektwerber eingereichte Vorhaben zu beurteilen hat“ – also dass z.B. Alternativstandorte NICHT geprüft oder vorgeschlagen werden.

Wir finden es sehr bedauernswert, dass damit nicht nur die konkrete Fläche auf Jahre hinaus entwertet wird, sondern auch der Idee des Landschaftsschutzes kein guter Dienst erwiesen wird.

Bezirksrat Heinz Berger, Klubvorsitzender der Grünen Floridsdorf