Baugruppen: Inspiration für Donaufeld

Bei einer Exkursion der Floridsdorfer und Donaustädter Grünen in die  Seestadt Aspern  am 31. Oktober 2014 waren zahlreiche TeilnehmerInnen, darunter auch mehrere DonaufelderInnen, von den innovativen Projekten der Baugruppen im Bereich Maria-Tusch-Straße begeistert.

Es dauerte nicht lange, bis sich eine Initiative gründete, die Interesse an Baugruppen auch im Stadterweiterungsgebiet Donaufeld zum Ausdruck bringt. Sie nennt sich  „ZUSAMMEN_BAUEN“.

Am  20. Februar 2015   trat sie im Veranstaltungsraum der „Autofreien Mustersiedlung“ in der Nordmanngasse 25-27 mit einem Infoabend, der auch vom  BewohnerInnenverein KOKOS  und von den transdanubischen Grünen mit-veranstaltet wurde, an die Öffentlichkeit.

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Über 50 Interessierte aus dem 21. und 22. Bezirk ließen sich von den Kurzpräsentationen inspirieren.

BaugruppenDonaufeldVeranstaltung20feb2015_03_FolieMitProgrammDesAbends

Andreas Konecny, selbst aktiv in der Baugruppe „Que(e)rbau“ (die 2016/17 ein Haus mit 33 Wohneinheiten in der Seestadt errichtet), gab einen Überblick über das Konzept bzw. die Idee der Baugruppen und stellte bestehende Projekte aus Wien vor. Baugruppen, so seine These, seien Gemeinschaften, die sich als Reaktion auf wahrgenommene Defizite in vielen Bereichen (Zersiedelung, soziale Isolation, fehlende Nachhaltigkeit, etc.) gebildet hätten, und denen die Selbstorganisation im Wohnumfeld und das Erproben neuer Lebensformen wichtig ist.

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Dabei gibt es verschiedene Konstruktionen – von Eigentumswohnungen bis zu Wohnheim-Charakter, in der Rechtsform vom Verein über eine GmbH bis zu einer Genossenschaft, beim Standort entweder Kauf, Pacht oder Baurecht. Auch Mischformen sind möglich.

Als erster Schritt ist die Bildung einer Kerngruppe erforderlich, dann folgen die Entwicklung der Wohnidee, die Suche nach einem Standort und nach Partnern (ArchitektIn, Bauträger), die Klärung der Rechtsform, das Planen der Struktur und der Räumlichkeiten des Hauses und schließlich die Auftragsvergabe, Durchführung und Kontrolle der Errichtung. Das Vorurteil, Wohnungen in Baugruppen-Projekten seien teuer und nur für Wohlhabende erschwinglich, widerlegte Konecny – die Kosten seien von mehreren Faktoren abhängig, u.a. auch von der Rechtsform.

Im zweiten Beitrag ging Roland Hampl auf den Planungsprozess näher ein, wobei er vor allem die Gestaltung des Umfeldes, der halb-öffentlichen Flächen um das Wohnprojekt, hervorhob: bei Wahrung der Individualität öffnet sich die Anlage und lädt z.B. mit einem Café, einem Seminarraum, mit Werkstätten oder Gemeinschaftsgärten zur Begegnung ein. Wichtig ist die gemeinsame Planung der verschiedenen Einrichtungen. Internationale Beispiele aus Brüssel, Amsterdam und Berlin unterstrichen die Ideen.

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Sebastian Raho von der TU Wien ging konkret auf die Besonderheiten des Donaufeldes ein – das Gebiet grenzt einerseits an dicht bebaute Bereiche und an hochrangige öffentliche Verkehrsmittel, und andererseits gibt es noch Landwirtschaft, gewachsene Architektur und Lebensqualität.

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Dadurch steigt auch der „Verwertungsdruck“ – ablesbar an Plakaten mit Sätzen wie „Wir kaufen Grundstücke zu Höchstpreisen“, die entlang der Alten Donau des Öfteren auftauchen. Baugruppen können letzterem andere Akzente entgegensetzen, Qualitäten gemeinsam entwickeln und dazu beitragen, dass der Raum von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann.

Im vierten Beitrag gab der Landschaftsgärtner Ewald Fellner Tipps zur Gestaltung der Freiräume: im Donaufeld seien diese noch vorhanden, und zwar als „intaktes grünes Band“ – mit großem Artenreichtum, einem Gärtnereigebiet und sogar einer Gartenbauschule die allen Absiedlungs-Versuchen (die es seit der Errichtung des „Donauzentrums“ gab) trotzen konnte. Bei der Gestaltung, so Fellner, solle die Pflege nicht übertrieben werden, die Natur sei bereits der „perfekte Recycling-Betrieb“.

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Naturbelassene Baustoffe und robuste einheimische (Wild-)Pflanzen wie Holunder, Nüsse, Mirabellen etc. genügen als Refugium für Tiere, und biologisches Obst kann auch in Lauben, Dachgärten oder als „Vertikalbegrünung“ angebaut werden.

Der Mobilitätsberater David Knapp schließlich betonte den im Leitbild Donaufeld enthaltenen „Vorrang für den Umweltverbund“ („zu Fuß, mit dem Rad, mit den Öffis, und manchmal mit dem Auto“), der oft erst erkämpft werden muss. Dabei ist „car sharing“ sehr hilfreich, aber auch eine Gestaltung von Erdgeschoßzonen die nicht von Garageneinfahrten und Abluftschächten verschandelt sind.

BaugruppenDonaufeldVeranstaltung20feb2015_17_DavidKnappMitFolieMobilitaetAutofrei

Nach den einleitenden Inputs konnten sich die TeilnehmerInnen der Info-Veranstaltung in einem „World Café“ an fünf Tische setzen und die Themen Architektur, Gemeinschaft, Donaufeld, Mobilität und Freiraum in kleineren Gruppen weiter diskutieren.
BaugruppenDonaufeldVeranstaltung20feb2015_20_WorldCafePCmitThemenDahinterTische
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Auch auf dieser Ebene wurden zahlreiche Anregungen eingebracht: Generationenübergreifendes Wohnen, „essbare Stadt“, Aufbauen auf der „gemeinsamen Geschichte“ des Grätzls, Hochbeete, Leihräder, ein gemeinsam organisierter Liefer-Service für Einkäufe, usw.
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An einer Baugruppe in Donaufeld besteht jedenfalls Interesse. Wer „auf den Geschmack gekommen“ ist kann sich bei der Initiative „ZUSAMMEN_BAUEN“ melden:

E-Mail:  info@baugruppen-donaufeld.at      Web:  http://baugruppen-donaufeld.at

Als nächstes ist dann wohl die Politik, die die Rahmenbedingungen schaffen kann, am Zug…

Gerhard Jordan

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