Drei Jahre lang machten sich BürgerInnen und Grüne Gedanken über ein “Alternatives Leitbild Donaufeld” – viele der Ideen sind erfreulicherweise in das Leitbild der Stadt Wien eingeflossen.
Von Herbst 2007 bis Herbst 2010 hat das Team des “GrünRaum Donaufeld”, damals noch im gleichnamigen Lokal in der Tokiostraße 11, in zahlreichen Veranstaltungen mit interessierten BürgerInnen Ideen und Vorschläge gesammelt, wie das Gebiet Donaufeld/Kagran (v.a. jenes zwischen Fultonstraße und Dückegasse) verträglich entwickelt werden kann.
2011 wurde auch der Entwurf des Leitbildes der Stadt Wien erstmals in kleinem Kreis vorgestellt – am 12. Oktober 2011 der Bezirksentwicklungskommission der Floridsdorfer Bezirksvertretung und am 15. November der “Verkehrsinitiative Donaufeld”.
Im Jahr 2012 wird es auf Initiative von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou Präsentationen in größerem Rahmen geben und die Bevölkerung wird Gelegenheit haben, Vorschläge, Anregungen und Kritik einzubringen. Heinz Berger von der “Verkehrsinitiative Donaufeld” setzt sich in seinem Gastkommentar inhaltlich mit einigen Aspekten des Konzepts auseinander.
Als besondere Qualitäten werden in dem Leitbild, das die beiden Planungsbüros “Querkraft” und “Stadtland” erarbeitet haben, Kontext, Freiraum, Mobilität, Dichte, Energie und der Prozess an sich gesehen.
Vieles, was schon von BürgerInnen in den vergangenen Jahren angedacht wurde, findet sich darin. Auf die Details und die Diskussion darüber im kommenden Jahr dürfen wir also gespannt sein!
GASTKOMMENTAR von Heinz Berger (Verkehrsinitiative Donaufeld)
Donaufeld – ein Stadtteil mit Zukunft
Der erste Entwurf des Leitbilds für das Stadtentwicklungs-Zielgebiet Donaufeld ist seit Ende Oktober fertig gestellt und wird in den nächsten Monaten der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert.
Auf einer Fläche, die etwas kleiner als der Bezirk Mariahilf ist, sollen Wohnungen für etwa 12.000 Menschen errichtet werden. Das ist im Vergleich zu den fast 30.000 EinwohnerInnen von Mariahilf gar nicht so viel, aber angesichts dessen, dass Donaufeld bisher noch von Landwirtschaft und Gärtnereibetrieben geprägt war, doch ein schwerer Eingriff in die gewachsene Struktur dieses Stadtteils!
Sehr viele BewohnerInnen von Donaufeld sind genau deshalb hierher gezogen, weil zwischen Alter Donau, Mühlschüttel, Leopoldau und Kagran eine sehr aufgelockerte Siedlungsstruktur mit relativ hohem Grünanteil und vielen Erholungsmöglichkeiten in unmittelbarer Umgebung gegeben sind.
Andererseits wird in Donaufeld schon länger die hohe Verkehrsbelastung beklagt, die in jüngster Zeit aufgrund von verstärktem Zuzug und Schleichwegverkehr durch die Wohn- und Erholungsgebiete, aber auch wegen der Bewilligung von Auto-orientierten Einkaufsflächen (z.B. zwischen Donaufelder Straße und Katsushikastraße) zugenommen hat, während der Ausbau des öffentlichen Verkehrs hinterher hinkt.
Es ist daher eine große Herausforderung für die Stadtentwicklung, den Neubau von Wohnungen für 12.000 Menschen so zu gestalten, dass möglichst viel von der vorhandenen Struktur erhalten bleibt und gleichzeitig die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation nicht weiter verschärft wird.
Die StadtplanerInnen von “Querkraft” und “Stadtland” haben diese Herausforderungen im Auftrag der MA 21B angenommen und ein sehr ambitioniertes Vorhaben präsentiert. Demnach soll der neue Stadtteil nicht nur am Reißbrett entstehen, sondern im Austausch mit AnrainerInnen, Bauträgern und zukünftigen BewohnerInnen aus den bestehenden Strukturen heraus entwickelt werden. Die vorgelegten Pläne markieren derzeit nur ein Netz von Wegen, Grünverbindungen und Knotenpunkten, deren konkrete Ausgestaltung noch zur Debatte steht. Dabei wird an die derzeitige landwirtschaftliche Struktur insofern angeknüpft, als auch Gärtnereibetriebe bzw. Selbsterntefelder vorgesehen sind.
Der Grüncharakter des Gebietes soll auch durch einen breiten Grünstreifen entlang des geplanten “Donaufeldbachs” und durch ein Netz von Grünverbindungen und Grünflächen erhalten bleiben. Ein weiteres zentrales Ziel ist die Realisierung der sogenannten “2.000 Watt-Gesellschaft” nach Züricher Vorbild, die einen sparsamen und insbesondere einen effizienten Einsatz von Energie in den Haushalten und im Verkehr vorsieht.
Als Verkehrsinitiative begrüßen wir ganz besonders die geplante Minimierung der Verkehrsbelastung! Die Erschließung des Stadtteils durch die neue Straßenbahnlinie 25 von der Fultonstraße über die Nordmanngasse quer durch das Gebiet zur Arakawastraße, durch eine Verlängerung der Busline 33A nach Kagran, aber auch durch großzügig angelegte Geh- und Fahrradverbindungen entspricht einer menschenfreundlichen, zukunftweisenden und klimaschonenden Verkehrsgestaltung.
Für KFZ soll es Zufahrtsmöglichkeiten auf Stichstraßen und in Schleifen geben, während die zentral gelegenen Straßen und Plätze den Menschen als Begegnungszonen zur Verfügung stehen. Durch die Errichtung der Parkgaragen an sogenannten “Mobilitätspunkten”, wo auch Haltestellen des öffentlichen Verkehrs und Radverleihe geplant sind, soll der Umstieg auf Straßenbahn, Bus oder Fahrrad noch attraktiver gemacht werden. Von einem “autoreduzierten” Stadtteil profitieren alle Beteiligten – sowohl die BewohnerInnen, die von Schadstoffen, Lärm und Unfallrisiko befreit werden, als auch diejenigen, die das KFZ benötigen (Lieferverkehr, Einsatzfahrzeuge, …), da sie weniger Stau zu befürchten haben.
Wenn es gelingt, den Diskussionsprozess mit allen Beteiligten konstruktiv und im Sinne einer Optimierung der Lebenssituation der jetzigen und zukünftigen BewohnerInnen von Donaufeld zu gestalten und aus dem “tagespolitischen Hickhack” herauszuhalten, könnte hier wirklich ein zukunftsträchtiger Stadtteil entwickelt werden.
Dazu muss jedoch gewährleistetet werden, dass die unmittelbar angrenzende Alte Donau kein Ort der Spekulation auf Umwidmungsgewinne und hohe Rendite am Immobilienmarkt werden darf, sondern ein Ort der Erholung für alle WienerInnen bleibt!


Warum lässt man das Donaufeld nicht so wie es ist – einfach grün und naturbelassen. Eine Erholungszone mitten in der Stadt neben der alten Donau. In den Randzonen des 22. Bezirkes gibt es genug Baufläche.
darüber lässt sich lange und trefflich streiten. stadtentwicklung ist ein komplexer interessensabgleich zwischen denjenigen, die das geld haben, wohnanlagen zu bauen (investoren), öffentlichen interessen (infrastruktur) und privaten interessen (miethöhe). am rande des 22. bezirks existieren zwar günstige grundstücke, es fehlen aber die notwendigen finanziellen mittel.
aus grüner sicht – und daran arbeiten wir intensiv weiter – muss das gesamte finanzierungssystem der wohnbauförderung auf stadtökologisch sinnvolle weise umgestaltet werden: stichwort widmungsabgabe. so wie es aussieht, könnte dies schneller geschehen als erhofft, da auf die stadt wien sparpakete zukommen. was schlecht ist, weil die öffentliche hand noch weniger zuschiessen kann zum kommunalen wohnbau. andererseits ist es gut, weil es die stadtentwicklung insgesamt verlangsamt.
das war jetzt keine antwort zum donaufeld, zumindest nicht direkt. da haben wir als grüne – auch rund um das grünraum donaufeld – darum gerungen, dass möglichst viele anrainerInnen in die projektierung eingebunden sind; das ist ansatzweise gelungen. um eine total-verhinderung des wohnbaus im donaufeld ist es dabei nicht gegangen.
Versucht man verzweifelt dieses Projekt Grünzureden mit dem Vergleich des dichtverbautesten Bezirkes von Wien?